SATANIK

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Italien/ Spanien 1968
Regie: Piero Vivarelli
Drehbuch, Produzent: Eduardo Manzanos Brochero
Vorlage: Roberto Raviola, Max Bunker (Fumetto)
Kamera: Silvano Ippoliti
Musik: Manuel Parada
Darsteller: Magda Konopka, Julio Pena, Umberto Raho
83 min

Model+Abmurksing = Nicht zwangsläufig erträglich

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Die Geschichte von SATANIK ist zwar 1:1 aus dem gleichnamigen Fumetto übernommen, aber dort war das schon nur die weibliche Variante von „Dr.Jekyll and Mr. Hyde“: Frau Satanik ist das hundsmiserabel auf hässlich geschminkte polnische Model Magda Konopka als Marnie Bannister, das nicht nur einem Mad Scientist ein Mittel gegen die Gesichtsfurunkelei abluchst, sondern als Femme Fatale ihn und diverse andere Nebendarsteller abmurkst. Die Polizei ist zwar hinter ihr her, kriegt sie aber nicht, da sie nach dem Alter Ego sucht und Frau Satanik immer gerade noch rechtzeitig zurückfurunkelt. Damit sie dann doch das Zeitliche segnet, muss sie nach dem Haupthandlungsstrang in einem dilettantisch inszenierten Autounfall aus dem Drehbuch geschrieben werden.

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Von allen Fumetto-Filmadaptionen aus dem K-Dunstkreis, also Diabolik, Killing, Kriminal und Satanik, ist leider SATANIK der mit Abstand schlechteste. Sogar die dreifache türkische Adaption von Killing unter dem Titel KILINK ist da noch Gold dagegen. Und wer türkische Filme kennt, weiß, was das heißt.
Alle Kinderkrankheiten, die aus Jess Franco-Filmen oder der C-Kategorie der Eurospy bekannt sind, sind in SATANIK im Übermaß vorhanden: Langweilige Clubszenen, schlechte Schminke, uninspirierte Dialoge der Gesetzeshüter und unspannende Action-Szenen. Lediglich der für diese Zeit und Thematik übliche Soundtrack ist kein Komplett-Ladenhüter.
Unglaublich langweilig, das. Ich habe noch nicht einmal Lust, hierfür Gehirnzellen zu aktivieren bzw. die Tastatur meines Computers abzunutzen. SATANIK mag in bierseliger Runde einigermaßen erträglich sein, ansonsten eher nada. Und eines sollte auch noch erwähnt werden: Der fast für jedes Werbematerial genutzte Bodysuit von Satanik ist mitnichten ihre Arbeitskleidung, sondern lediglich Bestandteil einer müden, biederen Striptease-Nummer.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 10:90

Schulnote: 4

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
KILINK IN ISTANBUL (Yilmaz Atadeniz)
GEFAHR: DIABOLIK (Mario Bava)
KRIMINAL (Umberto Lenzi)
mochten

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KRIMINAL

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Italien/Spanien 1966
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Umberto Lenzi, David Moreno
Vorlage: Max Bunker (Fumetto)
Produzent: Giancarlo Marchetti, Claudio Teramo
Kamera: Angelo Lotti
Musik: Romano Mussolini
Darsteller: Glenn Saxson, Helga Line, Andrea Bosic
95 min

Fumetto-to-Film in langweilig

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Ich weiß nicht, wie erfolgreich KRIMINAL war, aber wenn ja, wäre es schon erstaunlich. Denn zwei essenzielle Komponenten verhindern einen Erfolg. Glenn Saxson, der Darsteller des KRIMINAL, ist ein schmieriger blonder Jüngling mit absolut null Charisma. Erschwerend kommt hinzu, dass sein Charakter nichts von einem moralischen Sieger a la DIABOLIK hat, der „steals from the rich and gives to the girls„. KRIMINAL ist einfach nur konsequent skrupellos und geldgierig. Er muss Frauen nur ansehen und schon gieren sie danach, mit ihm im Bett zu landen. Doch wie die männliche Variante einer schwarzen Witwe werden die Frauen danach um ihr Geld erleichtert und dann abgemurkst, manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge. Diese Amoralität macht noch nicht einmal vor seiner Exfrau halt, die nur knapp einem Bombenattentat seinerseits entgeht.
Ihm auf den Fersen ist Inspektor Milton vom Scotland Yard. Gleich zu Beginn des Films kann Kriminal seiner Hinrichtung entgehen, da Milton ihn entkommen lässt, um so an die von Kriminal gestohlene britische Krone zu kommen. Doch Kriminal kann seine Beschatter austricksen und wirklich entkommen. Die Krone gibt er freiwillig zurück, da man sie wegen ihres Bekanntheitsgrads nicht verscherbeln kann! Also auf zum nächsten Verbrechen: Kriminal will die Diamanten einer Gräfin erbeutet, die aber zwei Kurier-Zwillinge (Helga Line in einer Doppelrolle) mit echten und gefälschten losschickt. Trottel Kriminal klaut die falschen und muss sich nun die echten erbumsen, was ihm auch gelingt.

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Ähnlich langweilig wie meine Beschreibung ist leider auch der Film. Umberto Lenzi hatte zwar mit einem vergleichsweise üppigen Budget und vor allem dank Kameramann Angelo Lotti das Glück, einige nette Bilder auf Technicolor bannen zu können, ansonsten plätschert die vom Regisseur geschriebene Fumetto-Adaption extrem unspannend vor sich hin. Hinzu kommen teils unglaubliche Drehbuch-Rohrkrepierer vom Innovativ-Schlages einer ALARM FÜR COBRA 11-Folge, ein Anti-Held, der bei jedem seiner Streifzüge die Maske abzieht (wieso hampelt der dann überhaupt mit dem Skelett-Kostüm rum?) bis hin zum ultra-anti-klimatischen Finale, das man eigentlich schon gesehen haben muss, um es zu glauben.
KRIMINAL und seine Fortsetzung MARK OF KRIMINAL sind filmgeschichtlich nur von Interesse, da hier über zwei Mal neunzig Minuten versucht wurde, einen wirklich unsympathischen Kriminellen als Hauptfigur zu etablieren, was aber nicht einmal für mich, der Antihelden liebt, funktioniert. Ich bezweifle, dass es dem Publikum 1966 und 1968 anders ging.
Die 1968 erschienene Fortsetzung ist eine weitere Besprechung nicht wert, da sie nur marginal besser als das Original ist. Exploitation-Großmeister Lenzi war nämlich nicht beteiligt und GEFAHR DIABOLIK gerade erschienen, sodass MARK OF KRIMINAL zumindest mit wirklich schönen Film-to-Comic-Freeze-Frames (die im ersten Teil nur den Vorspann vergoldeten) während der Geschichte glänzen kann, ansonsten aber ähnlich dahindümpelt wie der erste Teil.
Schade, Ansatz und Bilder gut, Geschichte(n) uwaaah!
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 3-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
MARK OF KRIMINAL (Fernando Cerchio, Nando Cicero)
GEFAHR DIABOLIK (Mario Bava)
SATANIK (Piero Vivarelli)
mochten

IRONFINGER (Hyappatsu hyakuchu)

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Japan 1965
Regie: Jun Fukuda
Drehbuch: Michio Tsuzuki, Kihachi Okamoto
Produzent: Tomoyuki Tanaka, Kenichirô Tsunoda
Kamera: Shinsaku Uno, Kazuo Yamada
Musik: Masaru Sato
Darsteller: Akira Takarada, Mie Hama, Ichiro Arishima
93 min

Temporeicher Nippon Spy-Film

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Es ist ein bisschen erstaunlich, dass ausgerechnet die Japaner, die ja jeden noch so kleinen Genreboom mit unzähligen einheimischen Variationen totreiten, nicht wirklich auf den James Bond-Boom bzw. das Eurospy-Gerippe aufgesprungen sind. INTERNATIONAL SECRET POLICE: THE KEY OF KEYS ist bis zum heutigen Tag nur als diese pseudowitzige Woody Allen-Synchro WHAT’S UP, TIGER LILY? bekannt und als Original in Japan noch nicht einmal auf DVD erschienen.
Die beiden auffälligsten und bekanntesten Nippon Spy Exporte sind IRON FINGER und die Fortsetzung GOLDEN EYES, und das auch nur, weil sie von Godzilla-Man No.2 Jun Fukuda stammen.
Beide sind vom Humor her leider auch nicht viel besser als das Woody-Allen-Unding. Es ist zwar grundsätzlich nicht schlecht, das Spy-Genre mit einem Augenzwinkern zu inszenieren. Die hanebüchenen Geschichten schreien ja fast danach. Aber muss es dann gleich immer dermaßen tumb sein, dass Fremdschämalarm ausgelöst wird?
In IRONFINGER a.k.a. 100 SHOT, 100 KILLED hat Andy Hoshino nicht nur einen internationalen Vornamen, sondern ist es auch: Ein Japaner, der in Frankreich lebt und auch noch verständliches Englisch spricht. Wie James Bond kann er alles, und das noch mit einem Augenzwinkern nebenbei. Er ist einem internationalen Waffenhändlerring auf der Spur und wird unterstützt von der Bombenexpertin Yumi (Mie Hama, später auch als Kissy in JAMES BOND – MAN LEBT NUR ZWEIMAL) und seinem bebrillten, also trotteligen japanischen Kollegen Ryuta. Es gibt alles, was zu einem Spy-Film gehört und das teilweise mehr als nur einmal: Schießereien, Verfolgungsjagden, Explosionen, Entführungen, Gimmicks und natürlich die Love Story zwischen Superheld und -heldin.

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Wie immer liefern die Japaner, in diesem Fall Fukuda und seine Crew, ein optisch opulentes Filmchen ab, das sie wahrscheinlich auch noch in 48 Stunden runter gekurbelt haben. Das ist vom Technischen einfach ganz weit vorn. Ganz viel Bond wird da verramscht und das in einem Tempo, das sogar die Originale hinter sich lässt (aber dennoch zehn Herzinfarkte entfernt ist vom diesbezüglichen Hongkong-Overkill TEMPTRESS OF A THOUSAND FACES). Die Locationswechsel können sich unter Vernachlässigung der Internationalität (ist gleich Budget) auch sehen lassen. Und die Darsteller, tja, die Darsteller leiden eben etwas unter Kasperle-Overacting, vor allem die dritte Hauptrolle des trotteligen Brillenträgers. Aber gut, so isset eben mit die Asiaten, brauchense wohl. Ich zwar nicht, aber ich bin da ja einigermaßen abgehärtet.
Auf jeden Fall beschert IRONFINGER kurzweilige, temporeiche Unterhaltung ohne Längen im Gegensatz zu mindestens 50% der europäischen Gegenstücke. Und wer sich bei Zeugs wie Luc Bessons TAXI-Reihe nicht vor Schmerzen im Sessel windet, wird sich gut amüsieren, vorausgesetzt er/sie kann Japanisch, denn auf der japanischen DVD sind natürlich keine Untertitel drauf. Wobei… mal im Ernst… die braucht auch keiner, weil sooo komplex ist das alles jetzt auch nicht.
Co-Autor des Drehbuchs ist übrigens Kichachi Okamoto, der wie alle großen Regisseure Japans nicht nur jedes Genre bedient hat, sondern mit AGE OF ASSASSINS gleich noch den besten Nippon Spy überhaupt hingelegt hat.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
GOLDEN EYES (Jun Fukuda)
TEMPTRESS OF A THOUSAND FACES (Cheng Chang Ho)
AGE OF ASSASSINS (Kihachi Okamoto)
mochten