DIE SCHWARZE NARZISSE (Black Narcissus)

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Großbritannien 1947
Regie, Drehbuch, Produktion: The Archers (Powell&Pressburger)
Vorlage: Rumer Godden (Roman)
Kamera: Jack Cardiff
Musik: Brian Easdale
Darsteller: Deborah Kerr, Kathleen Byron, David Farrar, Jean Simmons, Sabu
101 min

Erste Nunsploitation-Versuche in Technicolor

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Michael Powell und Emeric Pressburger sind die englischen Ikonen, die das Medium Film als Gesamtkunstwerk verstanden und zelebrierten. Auch wenn DIE ROTEN SCHUHE als ihr Opus Magnum gilt, fällt DIE SCHWARZE NARZISSE dahinter nur minimal ab.
Komplett in den englischen Pinewood-Studios gedreht, schüttelten die Beiden hier (Matte-)Bilder aus dem Ärmel, dass man auch heute nur noch staunen kann. Die Geschichte selbst ist etwas lahm, die Zeichen der Zeit haben sie längst überholt. Dennoch, oder auch gerade deshalb, sind die zaghaften sexuellen Gehversuche zweier Nonnen heute immer noch sehenswert. Die junge Oberin Clodagh soll einen verfallenen Palast im Himalaya-Gebirge zu einer katholischen Mission aufpeppen, hadert aber schon bald mit sexuellen Gelüsten nach einem britischen Verwalter. Das gelingt ihr zwar so einigermaßen, aber auch nur, weil sich ihre Nonnenkonkurrenz Ruth so richtig ins Zeug legt, um den garstigen Herren anzugraben. Ein lecker Catfight mit Glockengebimmel löst schließlich das Problem.

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Zu den Bildern muss nicht viel gesagt werden. Ein Blick auf die Screenshots (deren Hauptinspiration Vermeer, Van Gogh und Rembrandt waren) reicht. Kameramann Jack Cardiff und Setdesigner Alfred Junge wurden je mit einem Oscar belohnt und auch sonst wurde schon so Einiges über den Film geschrieben. DIE SCHWARZE NARZISSE fällt auf jeden Fall in die Kategorie „Filmerbe der Menschheit“ und sollte nicht in Vergessenheit geraten.
Noch zu erwähnen wäre, dass Kinder-Inder Sabu hier ausnahmsweise postpubertär zu begutachten ist und Jean Simmons ein indisches Luder mimt, dem nach ihm gelüstet.
P.S.: Und von wegen „Bette Davis eyes“: Kathleen Byron (Gesichtsverleiherin für Ruth) plus George Blackler (Maske) plus Jack Cardiff (Kamera) ist gleich „Wo ist der Notausgang?“
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 90:10

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
SCHOOL OF THE HOLY BEAST (Noribumi Suzuki)
DIE ROTEN SCHUHE (Powell&Pressburger)
AUGEN DER ANGST (Michael Powell)
mochten

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ZWISCHEN BEAT UND BETT (The Touchables)

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Großbritannien 1968
Regie, Vorlage: Robert Freeman
Drehbuch: Ian La Frenais, David Cammell, Donald Cammell
Produzent: John Bryan
Kamera: Alan Pudney
Musik: Nirvana, Ken Thorne
Darsteller: Judy Huxtable (Sadie), Esther Anderson (Melanie), Kathy Simmonds (Samson), Monika Ringwald (Busbee), David Anthony (Christian, the Rockstar)
91 min

Blasengelümmel macht leider keinen Vollblut-Kultfilm

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In den Beat/Mod/Popart-Untiefen der 60er Jahre ist noch so manch unentdeckte Perle vergraben. ZWISCHEN BEAT UND BETT zählt leider nur in Momenten dazu, auch wenn die Fülle der Screenshots hier gar Glorioses, wenn nicht sogar ein „Neglected masterpiece“ vermuten lässt.
Die Prämisse des Produzenten war dabei gar nicht dumm: Man nehme vier angesagte Models/Jungschauspielerinnen, lasse sie einen Rockstar entführen, in einer ultra-retro-futuristischen durchsichtigen Plastikkugel umgarnen, mixe noch einen schwulen, bösen Wrestler hinzu, der ebenfalls hinter potenziellem Lösegeld her ist und schon hat man einen Kultfilm, der sich sehen lassen kann.
Nur manchmal haben eben auch damals schon die Zuschauer nicht alles geschluckt. Das dümpelt und dümpelt und dümpelt, aber nicht im kultverdächtigen, nicht schwelgerischen Sinne. Bis zur Entführung wird z:B. schon die erste halbe Stunde verplempert, mit Mädelsgelümmel, Wrestlingszenen und langweiligen hippen Partys.
Der potenzielle Pepp, der Schweinkramfaktor, ist gigantisch nicht-existent, denn obwohl alle Mädels nacheinander über unseren Helden herfallen, bewegt sich das ungefähr auf Uschi-Glas-Freizügigkeitsniveau. Das mag für 1968 und gemessen an der Thematik zwar unglaublich klingen, aber selbst der Pfaffe aus CINEMA PARADISO würde hier kein Glöckchen läuten.

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Größtes Manko aber: Der politische Ansatz, bzw. der emanzipatorische ist nicht da. Warum machen die Mädels das? Aus Langeweile. Weil sie Mode- und Zeitgeistzombies sind. Und dann glotzen sie brav girlie-mäßig vollverblödet, als die bösen Buben kommen und mit dem entführten Rockstarbubi wirklich ein paar Kröten lockermachen wollen. Apropos Mädels: Mimisch-kritisch halt ich besser den Rand, um nicht unflätig zu werden.
Ein marginaler Pluspunkt kann für die technische Seite vergeben werden, denn da ist manchmal durchaus Ambition zu erkennen, aber trotz mancher Dolly-Fahrt und netter Cadrage leider auch nicht viel mehr. Auch hier führen die Screenshots auf eine falsche Fährte und als Deutscher weiß man ja dank Splatterzensur, wie viele Filmsekundenbruchteile solche Stills ausmachen können. Als Partybeamloop taugt das Dingens folglich leider auch nicht, weil zu viel Nebenhandlung an sülzend-grübelnde gute und böse Wichte verplempert wird (etwa knapp die Hälfte der Laufzeit).
Es gibt aber auch echte Lichtblicke, stylischerseits: Die transparente Plastikkugel mitten in der englischen Natur haut einfach um, die Vorspanncredits gehen fast als jamesbondig durch und dann ist da noch eine psychedelische Tanzszene zu einer Rückpro positiv anzumerken.
Ansonsten, so leid es mir tut: Eine „Wiederentdeckung“ tut leider nicht wirklich not. Nicht gestern, nicht heute und vermutlich auch nicht nach dem Ende der Menschheit. Oder man stellt sich den eigenen 30-minütigen Party-Loop zusammen.
Naja.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 80:20

Schulnote: 3

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
NEROSUBIANCO (Tinto Brass)
FEMINA RIDENS (Piero Schivazappa)
EROTISSIMO (Gerard Pires)
mochten.

Hier der Trailer, aber nur für Menschen, die nicht aus Deutschland sind, da das titelgebende Lied von der Hippieband Nirvana ist (und der Film von 20th Century Fox verliehen wurde)

Und noch einige Stills (nicht wenige):
Der Vorspann
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Die Tanzszene
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Die Kugel
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Die Kugel kollabiert
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CHRISTINE

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GB 1986/87
Regie: Alan Clarke
Drehbuch: Alan Clarke, Arthur Ellis
Produzent: Brenda Reid, BBC
Kamera: David Jackson, Steve Saunderson
Musik: (Archiv)
Darsteller: Vicky Murdock
51 min

Heroin.

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In Klammern die Filmminuten: Titel (0). Christine gehend (1), drückend (4), gehend (6), drückend (8), gehend (10), drückend (12), gehend (14), drückend (18), gehend (19). Pitstop bei Mutti (20). Christine gehend (22), drückend (27), gehend (28), drückend (29). Pitstop bei Mutti (30). Christine gehend (32), drückend (34), gehend (36), drückend (37), gehend (39). Pitstop bei Mutti (40). Christine gehend (41), Platten leihend (42), gehend (43), Platten hörend, drückend (45), apathisch (49). Abspann.

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Alan Clarke ist nicht von ungefähr der am meisten bewunderte Fernsehregisseur. Die Liste seiner Meisterwerke ist lang. ELEPHANT ist vielleicht sein reduziertestes, aber CHRISTINE sein größtes.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
ELEPHANT (Alan Clarke)
SCUM (Alan Clarke)
MADE IN BRITAIN (Alan Clarke)
mochten