ATLANTIC PARKS (Parcs Atlantiques)

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Kanada 1967
Regie, Drehbuch: Denys Arcand
Idee: Jacques Bobet
Produzent: Andre Belleau, Jacques Bobet
Kamera: Gilles Gascon
Musik: Francois Cousineau, Les Sinners
Darsteller: Jean Decarie, Jerome Decarie, Marie-Josee Decarie
17 min

Stillleben mit Frau plus Mann plus Blaach

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Siebzehn Minuten Harmonie. Siebzehn Minuten Glück. Siebzehn Minuten Liebe. Siebzehn Minuten Flucht.
Man gräbt ja manchmal die abstrusesten filmgeschichtlichen Absonderlichkeiten aus. Aber dass mich ausgerechnet ein Werbefilm dermaßen begeistert, hätte ich auch nie gedacht.
Ich weiß noch nicht einmal, wie ich vor Jahren über ATLANTIC PARKS stolperte, aber vermutlich war ich auf der Suche nach dem Frühwerk von Denys Arcand, der so Perlen wie DER UNTERGANG DES AMERIKANISCHEN IMPERIUMS, die Fortsetzung DIE INVASION DER BARBAREN und den Querschläger JESUS VON MONTREAL inszeniert hat.
ATLANTIC PARKS ist eigentlich nur das, was der Titel verspricht: Ein Werbefilm für die drei Nationalparks „Fundy“, „Prince Edward Island“ und „Cape Breton Highlands“ im nordöstlichen Kanada. Arcand filmt die Landschaft und inszeniert eine minimale Geschichte: um eine junge Frau, die dort immer wieder Urlaub macht, einen jungen Herrn beim Trampen aufliest, ihn heiratet und mit gemeinsamem Blag erneut in den Parks Urlaub macht.

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Vielleicht ist es echt die Harmonie: Die Klischeefamilie im beliebtesten Eremitenziel von pampa-sehnsüchtigen Wohlstandseuropäern, die die westliche Kultur nicht missen wollen.
Vielleicht ist es der verklärte Blick auf eine Zeit vor meiner Zeit, die so ein bisschen super-8-ig wirkt, ein bisschen mod-dig und ein bisschen prä-hippiesk hoffnungsvoll.
Vielleicht ist es die Musik, die das alles so idealisierend untermalt.
Und vielleicht ist es doch die Scheißnatur, die über Eiter, Blut und Sperma steht: Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht. Aber ATLANTIC PARKS ist schon, was Werbeverführung anbelangt, ein ziemliches Nonplusultra. Ich könnte den immer wieder loopen, loopen und noch mal loopen.
Erschienen ist dieses Kunstwerk auf der 789-minütigen 4-DVD-Box „Denys Arcand: L’oeuvre documentaire intégrale, 1962-1981“, die, wie der Titel schon sagt, das komplette Dokumentarfilm-Schaffen des Denys Arcand von 1962 bis 1981 beinhaltet.
Und wo gibbet das? In Deutschland nirgends – außer in der Amerika-Gedenkbibliothek (am Blücherplatz in Berlin-Kreuzberg), der besten Videothek Deutschlands (die sogar die spanische DVD von Agusti Villarongas 99.9 vorweisen kann, eine DVD, die für mich bis dahin, trotz intensivster Recherchen, nie existierte).
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 100:0

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
MOONRISE KINGDOM (Wes Anderson)
DER MANN DER FRISEUSE (Patrice Leconte)
INNOCENCE (Lucille Hadzihalilovic)
mochten.

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