ADAM

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Israel 1973/74
Regie, Produzent, Idee: Yona Day
Drehbuch: Yona Day, Alima Zitrin Day, Yereh Guber
Kamera: Emil Knebel
Musik: Misha Segal
Darsteller: Shmulik Kraus, Ilan Dar, Iris Davidesco
86 min

Der bizarrste Bastard Israels

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Zum Geleit: Ein großer Dank an Oliver Nödings blog, ohne dessen Besprechung mir diese bizarre Perle der Filmgeschichte wohl für immer verschlossen geblieben wäre. Und genau wie mein Kollege komme ich nicht umhin, hier den weltweit einzigen englischen Artikel zu verlinken, der die abstruse Entstehungsgeschichte von ADAM fast akribisch beschreibt. Von daher empfehle ich, folgende nostalgische Hymne als Einleitung zu konsumieren.
THE LOST PICTURE SHOW
ADAM ist eine filmische Entgleisung, die nur im kreativsten Filmjahrzehnt überhaupt, den 70ern, entstehen konnte: Der Chirurg Adam will die These eines Psychologen widerlegen, dass ein Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist, unfähig ist, jemanden umzubringen. Und das macht Adam, indem er zuerst die Frau des Psychologen telefonisch terrorisiert und schließlich den Psychiater selbst zu einem Katz-und-Maus-Spiel herausfordert.
ADAM ist roh. Man merkt dem Film mehr als deutlich an, dass die Crew, und hier vor allem der Kameramann, die Vision des Regisseurs retten musste. Achsensprünge ohne Ende, eine absonderliche Schnittfolge, eine sprunghafte Fokussierung innerhalb der Geschichte: Das sind eigentlich Garanten für die Abkehr des Rezensenten. Aber nicht hier. Diesem wahrhaft bizarren Film gelingt es in der Summe seiner einzelnen Teile zu faszinieren, den Zuschauer bei der Stange zu halten, und das trotz genannter Unzulänglichkeiten.

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ADAM ist sexy. Nicht nur, dass Yona Day es wagt, in einem israelitischen Film eine Sexszene zu inszenieren, er hat auch noch die attraktivsten Jungschauspielerinnen seines Landes um sich geschart und sie in stylische Mod-Kleidchen verpackt. Da freut sich der Chauvi, denn die männlichen Helden sind keine Depps und Pitts, eher das Gegenteil.
ADAM ist fies. Nicht nur, dass Maus und Schwein für den Film gekillt wurden, ein Frosch wird auch noch in Großaufnahme zertreten. „Animal Cruelty“ also von seiner kindischen Seite, als im Sandkasten getestet wurde, ob Frösche beim Kippenrauchen wirklich platzen.
ADAM ist stylisch. Die Locations und das Setdesign bescheren jedem Giallo-Liebhaber ein feuchtes Höschen ohne Handanlegung. Jedes Set wurde mit Bedacht gewählt und die Inneneinrichtung vermutlich 1:1 übernommen. Und im Gegensatz zu z.B. ZWISCHEN BEAT UND BETT fügt sich dieser eigenwillige Fetisch ideal ins Gesamtbild.
Natürlich ist ADAM kein Film für oberflächlich Filminteressierte, die glauben, dass ein Film perfekt sein muss, eher für diejenigen, die das Genie (Wortwahl vorsätzlich gewählt) eines Kindes seiner Zeit zu würdigen wissen und auch Filmkunst genießen können, die im Rahmen der Möglichkeiten Großartiges leistet. Die sehr verstörende Grundstimmung, die Sprunghaftigkeit der Inszenierung und das großartige Setdesign haben sich bei mir zumindest eingebrannt – genau wie die nonstop dudelnde ultrabeschissene Filmmusik, aber das bekräftigt genau genommen nur das Gesamtkunstwerk.
ADAM bleibt hängen.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 2+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
DER EXORZIST (William Friedkin)
GLORIA MUNDI (Nico Papatakis)
DOGRA MAGRA (Toshio Matsumoto)
mochten.

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