WOLF (Okami – Running is Sex)

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Japan 1982
Regie: Banmei Takahashi
Drehbuch: Satoshi Tomita
Produzent: Director’s Company, Banmei Takahashi
Kamera: Yuichi Nagata
Musik: Ryudo Uzaki, Heart Beats
Darsteller: Jugatsu Toi, Megumi Saki, Toru Nakane, Kazuhiko Hasegawa
61 min

Brachial radikal oder die Punkvariante von THEMROC

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Banmei Takahashi war nicht nur der erste japanische Regisseur, der 1994 in seinem AI NO SHINSEKAI (mit dem originellen deutschen Titel TOKIO DEKADENZ 2) Geschlechtsteile unzensiert zeigen durfte (und das ganz offiziell abgesegnet), er hat auch eine überaus umfangreiche Filmografie vor den (bisherigen) imdb-Einträgen vorzuweisen.
1982 war das erste Jahr, in dem der damals 33-jährige Takahashi, ein Zögling Koji Wakamatsus, seine Arbeitswut als Regisseur etwas zurückschraubte. Nach knapp 60 Pinkfilmen (der erste davon 1972 und unglaubliche VIERZIG Stück von 1979-1981) gründete er in diesem Jahr zusammen mit Kazuhiko Hasegawa, Toshiharu Ikeda, Sogo Ishii, Shinji Somai, Kiyoshi Kurosawa, Kichitaro Negishi, Kazuki Omori und Kazuyuki Izutsu die „Director’s Company“ (ディレクターズ・カンパニー), die etwas jüngere Variante der Art Theatre Guild (atg).
Wem jetzt die meisten dieser Namen nichts sagen, sollte das schleunigst aufarbeiten, denn diese illustre Meute, und nicht die atg, war in den 80ern die kreative Speerspitze der japanischen Filmszene, da die in die Jahre gekommene atg zu diesem Zeitpunkt lieber auf Altbewährtes vertraute als auf Nachwuchsregisseure.
Banmei Takahashis WOLF war dann am 20. November 1982 auch die erste Produktion dieses bunten Haufens (noch vor Kiyoshi Kurosawas KANDAGAWA WARS). Der etwas bizarre japanische Untertitel kommt daher, weil WOLF in einem Triple Feature mit dem ebenfalls 60-minütigen FAREWELL BUDDY (SARABA AIBO – ROCK IS SEX) von Ryudo Uzaki (produziert von Takahashi, nach einem Drehbuch von Uzaki und Kiyoshi Kurosawa) und dem 50-minütigen HARLEM VALENTINE’S DAY (HAREMU BARENTAIN DEI – BLOOD IS SEX) des Schauspielers, Musikers und Regisseurs Shigeru Izumiya gestartet ist. Auch hier war Takahashi der Produzent.
Ich habe unten die VHS-Cover dieser dreistündigen Zuschauerattacke angehängt. Allein Izumiyas Beitrag scheint zu beweisen, dass er es schon vor seinem Prä-TETSUO-Cyberpunk-Meilenstein DEATH POWDER (1986) faustdick hinter den Ohren hatte.
Leider habe ich weder das Blut noch den Rock gesehen, aber ich muss sagen: Allein das Gerenne, also WOLF, hats in sich: Brachial radikal.

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Die beiden Hauptpersonen heißen laut Credits nur Mann und Mädchen.
Der Mann spricht nicht, er grunzt nur. Der Mann lebt nackt in einer Wohnung, in der sprichwörtlich nichts ist außer Müll, Essensreste und ein Kühlschrank. Wenn der Kühlschrank leer gefressen ist, klaut der Mann Essen aus Supermärkten. Der Mann joggt, um Spannungen abzubauen. Wenn das nicht reicht, vergewaltigt er Passantinnen.
Das Mädchen hängt in Discos rum, ist aber gelangweilt von ihrem Freund. Als sie ein Opfer des Mannes wird, folgt sie ihm in dessen Wohnung. Die Beiden beschnuppern sich, lecken sich sauber und ficken – wie Tiere. Die große Liebe, nackt im Müll. Wenn der Kühlschrank leer gefressen ist, klauen sie abwechselnd Essen aus Supermärkten – bis der Mann bei einem Beutezug von aufgebrachten Passanten erschlagen wird. Das Mädchen trägt sein Kind aus.
WOLF ist radikales Kino. Keine Erklärungen, wenig Dialoge und keine Schnörkel. Das passiert einfach und davon ganz viel im Dunkeln der Wohnung, denn die einzige Lichtquelle ist der Kühlschrank. Meistens sind die beiden Liebenden nur zu erahnen. Manchmal verirrt sich auch ein natürlicher Lichtstrahl in die unabgeschlossene Wohnung, wenn nämlich Vertreter in der Tür stehen, die den Totalverweigerern etwas verkaufen wollen. Doch dem Mann und dem Mädchen ist das egal. Es zählt nur der Trieb.
WOLF macht da weiter, wo THEMROC aufhört. Jetzt hast du dich von den Zwängen gelöst und was kommt danach? Wie ernährst du dich, was zählt wirklich?
Ein reiner, ehrlicher Film. Und dank seiner Reinheit auch liebevoll – und fast uneingeschränkt liebenswert.
Punktabzug gibts eigentlich nur, weil mir die nippon-immanente Selbstverständlichkeit der Vergewaltigungs-Ritualisierung immer mehr und immer öfter die Kotze hochtreibt, Kunst hin oder her. Andererseits: Wer für sich diese erbärmliche Seite japanischer Kreativmentalität ausblendet, hat noch nie einen japanischen Film gesehen.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 60:40

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
THEMROC (Claude Faraldo)
DER WOLFSJUNGE (Francois Truffaut)
DAS GROSSE FRESSEN (Marco Ferreri)
mochten

Mangels Quellen ist folgender Clip aus FAREWELL BUDDY (SARABA AIBO – ROCK IS SEX)

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