BAIKONUR

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Deutschland/Russland/Kasachstan 2011
Regie: Veit Helmer
Drehbuch: Sergei Acshkenazy, Veit Helmer, Daniela Baumgärtl
Produzent: Veit Helmer, Anna Katschko, Gulnara Sarsenowa, Sergei Seljanow
Kamera: Nikolai Kanow
Musik: Goran Bregovic
Darsteller: Alexander Asochakow, Marie de Villepin, Sitora Farmonowa
91 min

Romantisches Steppen-Märchen in wunderschöne Bilder verpackt

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Alle Jubeljahre erscheinen deutsche Filme, die die generelle Nichtigkeit derselben hinter sich lassen und dementsprechend vom Ausland mehr wahrgenommen werden als in Deutschland selbst. BAIKONUR brachte es zum Beispiel in dem Arthouse-Kino, in dem ich mal Vorführer war, immerhin auf insgesamt fünfzehn zahlende Zuschauer in sieben Vorstellungen. Was doppelt schade ist, denn Veit Helmers vierter Film ist für die große Leinwand gemacht.
In einem kasachischen Dorf in der Nähe des russischen Weltraumbahnhofs Baikonur gilt nicht nur die alte Tradition, dass das, was vom Himmel fällt, auch dem gehört, der es findet. Dort wohnt auch der Twen Iskander (Alexander Asochakow), mit Spitznamen Gagarin genannt, der den Funk Baikonurs abhört und sich nichts sehnlicher wünscht, als selbst Kosmonaut zu werden. Als eines Nachts die französische Weltraumtouristin Julie (das französische Model Marie de Villepin) vom Himmel fällt, verguckt sich Gagarin in die für ihn exotische Schöne, was seiner Kindheitsfreundin Nazira (die kasachische Popsängerin Sitora Farmonowa) und den russischen Behörden nicht wirklich gefällt.

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BAIKONUR verpackt die unendliche Weite der russischen Steppe zusammen mit bisher einmaligen Aufnahmen des sowjetischen Cape Canaveral in ein romantisches kleines Märchen, das durchaus seine Chance nutzt, einige Herzen zu verzücken. Nicht zuletzt durch den wunderbaren Score von Goran Bregovic wird das Publikum zum Zaungast einer Welt am Ende der Welt zwischen Tradition und Fortschritt.
Es gibt nicht viel zu mäkeln an BAIKONUR. Marginal schade ist, dass für eine solche Reise nicht das Cinemascope-Format genutzt wurde. Gewichtiger ist aber Helmers Problem, dass er einige Szenen aus Termingründen bzw. wegen der Trägheit des russischen Apparats nicht drehen konnte, sodass die neben den Landschaftsaufnahmen wichtigste Komponente, nämlich Gagarins Zerrissenheit zwischen (dem auch charakterlich schwebenden) Model und (der wunderschön auf ranzig getrimmten) Popsängerin etwas zu kurz kommt. Es fehlen leider die entscheidenden Momente, die berühmten Kleinigkeiten, um dieses Gefühlschaos dem Zuschauer transparent zu machen, vor allem gegen Ende des Films. Nichtsdestotrotz bleibt eine kleine Ausnahme deutschen Filmschaffens zurück, die zu mehrmaligem Sehen einlädt und in einem Atemzug mit Nikita Michalkows URGA und Joan Chens XIU XIU genannt werden kann.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 90:10

Schulnote: 2+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
ABSURDISTAN (Veit Helmer)
XIU XIU (Joan Chen)
URGA (Nikita Michalkow)
mochten

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