FLYING IS HEAVEN, DIVING IS HELL (Tobu wa tengoku, moguru ga jigoku)

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Japan 1999
Regie: Koji Wakamatsu
Drehbuch: Ei Takatori, De Deguchi
Produzent: Koji Wakamatsu, Ryo Saitani, Ei Takatori
Kamera: Ryuta Miyake
Musik: J.A. Theather
Darsteller: Maya Ono (Remi), Megumi Ichinose (Ai), Sumie Akiba (Junge), Mayu Asada, Satsuzo Yamaguchi, Keita Kimura, Mika Kumagai, Haruno Shiobana, Ruri Misato, Shizuko Kawakami, Rin Honami, Futaba Matsumiya, Mari Furukawa, Shiho Shingetsu, Yuji Matsui, Jyuria Ozawa, Tomomi Kuribayashi, Yuzuki Muroi, Genichiro Takahashi
70 min

Dilettantischer Artsploitation-Müll

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Ich liebe Schneefilme und ich liebe Wakamatsu, aber mein lieber Scholli, was war denn hier los? Es ist kein Geheimnis, dass es in den 80ern nicht gut bestellt war um die japanische Filmkultur, also auch nicht um Wakamatsus Oeuvre. Doch während sich das Gros in den 90ern wieder aufrappelte, lieferte Koji Wakamatsu gegen Ende des Millenniums noch ein Videofilmchen ab, was niemand so wirklich braucht.
Ein Sekten-Reisebus mit zwanzig zumeist weiblichen Insassen bleibt in den japanischen Winterbergen im Schnee stecken. Die Insassen torkeln deshalb durch den Schnee, bis sie ein scheinbar verlassenes Berghotel erreichen. Dort deliriert die Reiseleiterin Remi munter vor sich hin. Deshalb kriegt der Zuschauer extrem kitschig und übersentimental ihr Kindheitstrauma um die Ohren gehauen, denn Papi hat sich damals vor ihren Augen erhängt. Zudem hat sie im Hotel diverse Begegnungen mit einem mysteriösen Jungen (der sich gegen Ende des Films als Frau oder Hermaphrodit entpuppt). Die restlichen Sektenmitglieder inklusive Oberguru werden bald (vermutlich vom Geist des Jungen) abgemurkst, kommen aber als Zombie-Geister wieder und torkeln der armen bekloppten Remi durch den Schnee hinterher. Zum Schluss wacht sie in dem Bus auf, alles war nur ein Traum, die restlichen Insassen sind alle erfroren. Sie torkelt wieder durch den Schnee, bis sie ein Auto mitnimmt. Und wer fährt das Dingens? Der mysteriöse Junge. Ende.

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Ob das jetzt eine Kritik an japanischen Sekten sein soll oder ein Mystery-Horror-Sex-Film oder einfach das erste Script eines Filmstudenten, bleibt mir etwas unergründlich, da ich kein Japanisch spreche. In diesem Fall ist das aber vermutlich von Vorteil, denn die Dialoge sind bestimmt ähnlich gut wie das, was ich optisch ertragen musste. Und das ist schlechtes Videogestümper mit miserablen Video-Slo-Mos, noch miserableren Videoeffekten und einem „gruseligen“ Synthie-Soundtrack, der sich anhört, als hätte man dem Klimperer beim Spielen die Arme um den Kopf gebunden. Dazu Anschlussfehler noch und nöcher, ein dilettantischer Schnitt und wirklich unsinnige Nacktszenen: Als die schwertschwingende Oberzombie-Zenzi z.B. den Freund einer Businsassin im Schneegestöber abmurkst, zieht die sich bei Minus zehn Grad das Oberteil aus und drückt den Sterbenden an ihre fröstelnde Brust. Herr Wakamatsu, wie alt waren Sie 1999? 21 oder 63?
Trotz all dieser Schwachpunkte ist dennoch die Handschrift des „Godfather of Pink“ zu erkennen, also der übliche Kunstquark, den er meistens sinnvoll einstreut und der seinen Exploitation-Fokus dann doch immer über das Mittelmaß hebt. Doch auch das ist hier grauenhaft und nicht nur der Video-Optik anzulasten. Eine Sexorgie im Hotel, das vom Weiß überstrahlte Verschwinden der Remi im Mantel des Jungen/Mädchens oder eine (nicht nur wegen der Temperaturen) mitleidserregende Rekelszene des kompletten weiblichen Casts im Schnee sorgen zusätzlich für Befremdung und nicht Begeisterung.
Auch war ich ein bisschen erstaunt, dass zwei Wakamatsu-Klischees nicht erfüllt wurden. Zum einen wird hier niemand vergewaltigt. Das ist gerade aufgrund des pseudo-transgressiven Kontextes und der sinnfreien Schnee-Nacktszenen erstaunlich (Also wirklich, Wakamatsu-San! Da hätte man doch noch in ihrem ca. 95. Film die ca. 300. Vergewaltigung ins Script schreiben können, so als Kritik an den bösen herrschenden Verhältnissen, versteht sich). Zum anderen bleibt der „Heldin“ Remi eine Nacktszene erspart, aber auch nur, weil Nachwuchsidol und Fernsehschauspielerin Maya Ono damals gerade 16 Lenze zählte.
Naja, wer über hundert Filme gemacht hat, muss auch ein paarmal am Klostein lutschen. Ich bin ja gespannt, was mich erwartet, wenn ich mir demnächst die 80er der Provo-Ikone gönne. Denn Wakamatsu hat (wie auch Norifumi Suzuki) einen Teil der PANTSU NO ANA-Reihe inszeniert, einem der Tiefpunkte japanischen Filmschaffens.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 60:40

Schulnote: 5

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
KAZUYO MATSUI: INPACTUAL PERFORMANCE (Koji Wakamatsu)
IT’S EASIER THAN KISSING (Koji Wakamatsu)
HOLE IN THE PANTS: BLUE STRAWBERRIES (Koji Wakamatsu)
mochten

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