HUKKLE – DAS DORF (Hukkle)

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Ungarn 2002
Regie, Drehbuch: György Palfi
Produzent: Csaba Bereczky, Andras Böhm
Kamera: Gergely Poharnok
Musik: Balazs Barna, Samu Gryllus
Darsteller: Ferenc Bandi, Jozsef Forkas, Attila Kaszas
75 min

Das Pampa-Popvideo oder der etwas andere Krimi

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HUKKLE hatte ich schon länger auf dem Schirm, mich aber immer drum herum gedrückt. 75 Minuten ungarisches Dorfleben ohne Dialog? Auweia, Narkolepsie vorm DVD-Player, ich hör dir trapsen. Wenn man so etwas aber, wie ich eben, in einem Pulk von 200 Leuten bei Nieselregen in einer Kleingartenanlage, auf umgedrehten Plastikblumentöpfen sitzend, guckt, ist das schon ein Erlebnis: Das ideale Ambiente für einen Film, der nur von Bildern, Geräuschen und Stimmungen lebt.
Die Kapiteleinteilungen auf der englischen DVD fassen den Film gut zusammen: Schluckauf, Spanner, Felder, Maschinen, Besucher, Beerdigung, Bienen, Nachmittag, Polizist, Tode, Ermittlungen, Hochzeit. György Palfi zieht alle Register, um die einzelnen Zutaten so perfekt zu kombinieren, dass tatsächlich keine Langeweile aufkommt. Die melodische Anordnung verschiedenster Geräusche, natürlicher und technischer Herkunft, ergibt einen ganz eigenen Soundtrack.

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An visueller Technik (Kamera und Post-Production) wird auch nicht gespart. Die ganz banalen Dinge ganz makrooptisch groß, ein Mensch geröntgt beim Essen oder ein echt fetter Computereffekt kurz vor Schluss. Der ist aber so jenseitig fett, dass selbst der schlimmste CGI-Feind nicht meckern kann. Dann immer wieder die Ruhe dazwischen, die manchmal ernste, manchmal ironische Schnittfolge oder Bildaufteilung. Und sogar für Tante Trude ist noch was dabei. Denn dass HUKKLE nur zeigt und nichts erzählt, stimmt ebenso wenig. Nebenbei ist es vielleicht auch noch der ungewöhnlichste Krimi überhaupt. Manche Dorfbewohner haben es nämlich faustdick hinter den Ohren.
HUKKLE wurde völlig zurecht weltweit mit Preisen zugeschissen, denn er ist ein ganz großer Lehrfilm für alle, die der Meinung sind: Je Geld, desto kreativ. Billig war Palfis Debütfilm bestimmt auch nicht, nur: Sachen zu entdecken, die schon da sind, und diese für die Zuschauer so zu inszenieren, dass an die eigene Feinfühligkeit appelliert wird, ist eine große Kunst. György Palfi kann das.
HUKKLE ist ein Erlebnis, das im Heimkino bedingt funktionieren, aber eigentlich nur auf der großen Leinwand seine Wirkung entfalten kann. Oder über Beamer im Schrebergarten im Dreck, mit 200 Gleichgesinnten.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 100:0

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
TAXIDERMIA (György Palfi)
DELICATESSEN (Jean-Pierre Jeunet, Marc Caro)
VERSCHWÖRER DER LÜSTE (Jan Svankmajer)
mochten

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