DIE SCHULMÄDCHEN VOM TREFFPUNKT ZOO (Confessions of a Campus Virgin)

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Bundesrepublik Deutschland 1979
Regie: Walter Boos
Drehbuch: George Elmer
Produzent: Karl Spiehs
Kamera: Klaus Werner
Musik: Gerhard Heinz
Darsteller: Katja Bienert, Marco Kröger, Benjamin Völz, Evelyn Gutkind-Bienert
84 min

Bahnhofskino von seiner anstrengenden Seite

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Schulmädchen Katja Bienert als Petra besorgt für ihren Junkie-Freund Michi Heroin, wenn sie sich nicht gerade davor ekelt, wie ihre drogensüchtige Freundin Doris Freiern die Sporen zu geben.
Ausschließlich auf Schauwerte bedachter Film über Drogenabhängigkeit und Prostitution in Berlin, der seine völlig unglaubwürdige Story mit Handlungselementen einschlägiger Sexfilme versetzt. Eine reißerische Mischung aus Schulmädchenreport und Schmierenmelodram.“ (Filmdienst)
Hm, also irgendwie trifft da der Filmdienst ausnahmsweise den Nagel auf den Kopf. Allerdings war ich erstaunt, dass DIE SCHULMÄDCHEN VOM TREFFPUNKT ZOO nicht ganz so schlimm war wie befürchtet. Es existiert eine fortlaufende Handlung und für deutsche Exploitationverhältnisse ist er routiniert gemacht, zwar im unteren Routinebereich, aber immerhin nur 90% lustlos.
Das Ding erschien im Juli 1979, um von dem gerade anlaufenden Boom des im September 1978 erschienenen Stern-Buches „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zu profitieren. Das Resultat ist das Filmdebüt der zur Drehzeit zwölfjährigen Katja Bienert, die sich zusammen mit ein paar anderen volljährigen Mädchen vor der Kamera rekelt, und das teilweise nackig (Zwar sagt Bienert wiederholt in Interviews, dass sie zur Drehzeit elf gewesen wäre, was aber weder mit der Buchveröffentlichung noch diversen Frühlingsbildern des Films korrespondieren würde. Und im Sommer 1978 konnte noch kein Mensch den Erfolg des Buches erahnen, auch keine Exploitation-Routiniers).

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Ansonsten ist DIE SCHULMÄDCHEN VOM TREFFPUNKT ZOO für seine Erscheinungszeit erstaunlich bieder, mit einem kindischen Humor, der beim Drehbuchautor doch eher Weltfremdheit als Feldforschung offenbart. Die Drogenszenen sind nur angedeutet und von daher extrem ruchlos. Selbiges gilt eigentlich auch für die „Sexszenen“. Natürlich ist das alles mit vermeintlich zeitgeistigen Ausdrücken gewürzt, aber das Gesamtbild ist doch sehr 1970. Jegliche Hoffnungen auf ein schmieriges Zeitdokument werden auch zerstört, da die drei bis vier Außenaufnahmen vom Bahnhof Zoo nur als Establisher herhalten dürfen. Der gesamte Innenschmu wurde anscheinend in Studiosets oder Wohnungen von Freunden der Crew gedreht, was nicht gerade das Auge verzückt.
Als Großmeister der Inszenierung hat sich Herr Boos, bis auf seinen Exploitation-Meilenstein MAGDALENA: VOM TEUFEL BESESSEN, noch nie hervorgetan, aber immerhin habe ich diesen Boos-Film ohne Vorspultaste überlebt. Nährwert trotzdem Null. Nennenswert, weil symptomatisch, ist lediglich eine Szene, in der Petra in eine wilde, dekadente Party stolpert. Alle Gäste und Prostituierten sitzen auf Flokatiteppichen und -barhockern. Sogar an den Wänden hängt das Fell. Auf einer Art Glücksrad wird eine nackte Frau im Kreis gedreht, die sichtlich gelangweilt glotzt, genau wie alle anderen im Raum und auch der Zuschauer. In dieser fast fassbinderesken Apathie harmonieren Kunst und Rezeption für einen kurzen Augenblick. Walter Boos ist begnadet darin, eigentlich Lüsternes zur Lustlosigkeit zu degradieren.
Dennoch frage ich mich immer wieder, wie viele Trottel wohl auf den Filmtitel hereingefallen sind, da die immensen Produktionskosten bestimmt um ein Vielfaches wieder eingespielt wurden.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 0:100

Schulnote: 4+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
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mochten

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