DAS ENDE DES REGENBOGENS (End of the Rainbow)

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Bundesrepublik Deutschland 1979
Regie, Drehbuch: Uwe Frießner
Produzent: Clara Burckner
Kamera: Frank Brühne
Musik : Alexander Kraut, Klaus Krüger, Michael Nuschke, Matthias Kaebs
Darsteller: Thomas Kufahl, Slavica Rankovic, Henry Lutze, Heinz Hönig, Udo Samel
105 min

Authentisches End-70er-Jugenddrama

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Uwe Frießners Debütfilm erschien genau ein Jahr nach der Buchveröffentlichung von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, war somit nach Walter Boos DIE SCHULMÄDCHEN VOM TREFFPUNKT ZOO der zweite Film, der 1979 vom Drogen-und-Stricher-Berlin-Boom profitierte. Und er ist das genaue Gegenteil von Boos schnell heruntergekurbeltem Exploitation-Heuler: 43 Drehtage im Winter 1978/79 und ein halbes Jahr Post-Production, bis der Film als 16-auf-35mm-Blow-Up im September 1979 im Kino startete.
DAS ENDE DES REGENBOGENS nimmt Bezug auf einen gewissen Andy, der 1976 in der WG des Regisseurs hauste. In Frießners Verfilmung heißt Andy Jimmi, ist 17 Jahre alt, nicht sonderlich helle, aber gewaltbereit und kriminell. Stricher soll er laut allen Besprechungen auch sein, aber das ist Nebensache, denn eigentlich für den Film und Jimmi egal. Er ist einfach ein pubertierendes Fähnchen im Wind, das sich ohne Ausweis nicht anmelden kann und ohne Geburtsurkunde keinen Ausweis bekommt. Denn der liegt in der Bude seiner Trabantenstadt-Eltern, also seinen asozialen Geschwistern, der hilflosen Mutter und dem prügelnden Vater.
Jimmi zeckt sich in einer WG ein, ist und bleibt unfreundlich, unbeholfen und sexuell uneindeutig, aber die 70er-Jahre-Hippies sind eben noch post-baader-meinhof-solidarnosc-gestählt, weshalb sie ihn nicht einmal nach dem Diebstahl und dem Verprassen der WG-Kasse rausschmeißen. Irgendwann verliebt sich Jimmi in die gleichaltrige und ebenso sozial gestörte Gabi. Jimmi sucht sich endlich einen Job, doch Gabi fängt an, Drogen zu nehmen und immer weniger Interesse an ihm und ihrem Leben generell an den Tag zu legen. Jimmi fängt also wieder an, krumme Dinger zu drehen. Der Kreislauf geht weiter, das Nachwort setzt den Schlussstrich: „Dieser Film ist Andy gewidmet. Nach jahrelangem vergeblichen Versuch, Herr seines Lebens zu werden, beschloß er, 18-jährig, wenigstens Herr seines Todes zu sein. Mit einer Planmäßigkeit, die ihm zum erstenmal Erfolg versprach, setzte er nach wochenlanger Vorbereitung zwischen dem 15. und 18.2.76 seinem Leben ein Ende.

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DAS ENDE DES REGENBOGENS ist genau der Film, der CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO hätte werden können: Eine durch das sehr genaue Drehbuch vorgegebene Sozialstudie über End-70er Jugendliche, die die Straße ihrer zerrütteten Familie vorziehen. Frießner vertraute hierbei auf eine Mischung aus Laien und Profis. Die Straßenkinder sind durch die Bank Heimkinder ohne gymnasialen Hintergrund, wohingegen die WG u.a. mit den Jung-Schauspielern Heinz Hönig und Udo Samel besetzt wurde. Obwohl die Dialoge absolut authentisch wirken, sind sie nicht improvisiert, sondern der wirklich großartige Hauptdarsteller Kuhahl musste das erste Mal in seinem Leben etwas auswendig lernen, und dann gleich ein äußerst umfangreiches Drehbuch. Denn aus Straffungsgründen entfernte Frießner im Schnitt eine ganze Stunde Material, weil der Film sonst viel zu lang geworden wäre. Das Ergebnis wurde mit Auszeichnungen überhäuft, über das Goethe-Institut durch die ganze Welt geschickt und war allein in Berliner Kinos das erste Vierteljahr ausverkauft.
Bei offiziellen Stellen war der Film natürlich nicht beliebt, da Frießners Drehbuch und die Locationswahl (siehe angehängte Screenshots) das Ansehen Deutschlands schädigen würden. Große Probleme gab es auch mit einer anfänglichen 16er-Freigabe durch die FSK, was jedoch von Regie und Produzentin mit Kritikerunterstützung auf eine 12er-Einstufung heruntergehandelt werden konnte.
All diese Rangeleien haben sich gelohnt. Seltsam ist es dennoch, dass der Film so in Vergessenheit geraten ist, denn bis auf das etwas lästige Nachwort ist DAS ENDE DES REGENBOGENS sehr weit entfernt vom klassischen deutschen Betroffenheitskino und eine echte Perle des Autorenkinos der 70er.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 80:20

Schulnote: 2+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO (Uli Edel)
OUT OF THE BLUE (Dennis Hopper)
SUPERMARKT (Roland Klick)
mochten

Impressionen Berlin 1979
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