SNOW WOMAN (Kaidan yuki joro)

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Japan 1968
Regie: Tokuzo Tanaka
Drehbuch: Fuji Yahiro
Produzent: Ikuo Kubodera, Masaichi Nagata
Kamera: Chishi Makiura
Musik: Akira Ifukube
Darsteller: Jun Fujikawa, Shiho Fujimura
79 min

Schnee-Pop vs. Olle Kamellen

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Eine der am herbeigesehntesten DVDs unter Japan-Aficionados ist endlich am 25. Juli 2014 erschienen, zwar nur in Japan und ohne Untertitel, doch die Geschichte ist so bekannt, bzw. so simpel, dass der ganze Film auch ohne die selbigen verstanden werden kann.
SNOW WOMAN beruht auf einem Kaidan, also einer japanischen Geistergeschichte: Ein junger Holzschnitzer und sein Lehrmeister suchen bei einem Schneesturm Zuflucht in einer Waldhütte. Aufgrund der Eiseskälte erfriert der ältere Mann und wird von einem geisterhaften Wesen, der „Yuki Onna“ eben, zum Abtransport ins Jenseits geholt. Der junge Holzschnitzer sieht sie dabei, was eigentlich auch sein Todesurteil ist. Doch die Schneefrau verschont ihn, allerdings unter einer Bedingung: Er darf niemals irgendjemandem von ihrem Aufeinandertreffen erzählen.
Das sind die ersten 15 Minuten und dann kommt die klassische japanische Geschichte um Lug und Trug in einer Dorfgemeinschaft. Der Holzhauer verliebt sich in eine Frau, die der Schneefrau verdächtig ähnlich sieht, nur ganz so käsig ist sie nicht. Weil alle Inzestmutanten plus der Fürst geil auf die Gute sind, gibts sogar noch die versuchte Quotenvergewaltigung und zum Schluss, ja, zum Schluss ist eben die Schneefrau gar nicht glücklich, dass der Holzschnitzer sie an sich selbst verpetzt.

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Wem das etwas bekannt vorkommt: Das „Yuki Onna“-Märchen wurde von Masaki Kobayashi in mittellanger Filmform schon in seinem Episodenfilm KWAIDAN (1964) verbraten und die Geistergeschichte selbst ist in Japan ungefähr so bekannt wie Dornröschen bei uns.
Im Gegensatz zur 45-minütigen Kobayashi-Variante hat aber SNOW WOMAN ein ordentliches Problem. Es reicht eben nicht, wenn eine kleine Parabel auf Spielfilmlänge gestreckt wird, um diese dann mit allen damals beliebten Klischees zu füllen; noch dazu, wenn dieser Kampf um die Spielfilmlänge weniger liebevoll in Szene gesetzt wird als die Schneeszenen. Die entschädigen aber dermaßen hinreichend, dass sie sogar Kobayashis Version übertreffen, was fast schon an Unmöglichkeit grenzt, aber tatsächlich bewältigt wurde (Nur das über allem wachende Auge am Himmel fand ich dort schöner). Die ersten 15 Minuten von SNOW WOMAN sind absolute Anwärter auf den filmischen Pop-Olymp. Das Zusammenspiel von Ausstattung, Maske, Licht, Schnitt und Inszenierung ist etwas vom schönsten, was jemals auf Film gedreht wurde. Danach dümpelts eben leider vor sich hin. Gegen Ende erwacht der Film dann wieder aus seinem Dornröschenschlaf, um noch ein paar gelungene Bilder hervor zu kramen, bevor die Schneefrau im Schneesturm verschwindet. Alles in allem leider ein „mixed bag“, doch allein genannte Schneeszenen sind einen DVD-Kauf wert. Die überflüssigen 60 Minuten kann man ja mit einem Freeware-Programm der eigenen Wahl entfernen und schon ist da einer der schönsten Kurzfilme ever.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
KWAIDAN (Masaki Kobayashi)
THE HAUNTED CASTLE (Tokuzo Tanaka)
SNAKE WOMAN’S CURSE (Teruo Ishii)
mochten

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