KRIMINAL

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Italien/Spanien 1966
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Umberto Lenzi, David Moreno
Vorlage: Max Bunker (Fumetto)
Produzent: Giancarlo Marchetti, Claudio Teramo
Kamera: Angelo Lotti
Musik: Romano Mussolini
Darsteller: Glenn Saxson, Helga Line, Andrea Bosic
95 min

Fumetto-to-Film in langweilig

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Ich weiß nicht, wie erfolgreich KRIMINAL war, aber wenn ja, wäre es schon erstaunlich. Denn zwei essenzielle Komponenten verhindern einen Erfolg. Glenn Saxson, der Darsteller des KRIMINAL, ist ein schmieriger blonder Jüngling mit absolut null Charisma. Erschwerend kommt hinzu, dass sein Charakter nichts von einem moralischen Sieger a la DIABOLIK hat, der „steals from the rich and gives to the girls„. KRIMINAL ist einfach nur konsequent skrupellos und geldgierig. Er muss Frauen nur ansehen und schon gieren sie danach, mit ihm im Bett zu landen. Doch wie die männliche Variante einer schwarzen Witwe werden die Frauen danach um ihr Geld erleichtert und dann abgemurkst, manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge. Diese Amoralität macht noch nicht einmal vor seiner Exfrau halt, die nur knapp einem Bombenattentat seinerseits entgeht.
Ihm auf den Fersen ist Inspektor Milton vom Scotland Yard. Gleich zu Beginn des Films kann Kriminal seiner Hinrichtung entgehen, da Milton ihn entkommen lässt, um so an die von Kriminal gestohlene britische Krone zu kommen. Doch Kriminal kann seine Beschatter austricksen und wirklich entkommen. Die Krone gibt er freiwillig zurück, da man sie wegen ihres Bekanntheitsgrads nicht verscherbeln kann! Also auf zum nächsten Verbrechen: Kriminal will die Diamanten einer Gräfin erbeutet, die aber zwei Kurier-Zwillinge (Helga Line in einer Doppelrolle) mit echten und gefälschten losschickt. Trottel Kriminal klaut die falschen und muss sich nun die echten erbumsen, was ihm auch gelingt.

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Ähnlich langweilig wie meine Beschreibung ist leider auch der Film. Umberto Lenzi hatte zwar mit einem vergleichsweise üppigen Budget und vor allem dank Kameramann Angelo Lotti das Glück, einige nette Bilder auf Technicolor bannen zu können, ansonsten plätschert die vom Regisseur geschriebene Fumetto-Adaption extrem unspannend vor sich hin. Hinzu kommen teils unglaubliche Drehbuch-Rohrkrepierer vom Innovativ-Schlages einer ALARM FÜR COBRA 11-Folge, ein Anti-Held, der bei jedem seiner Streifzüge die Maske abzieht (wieso hampelt der dann überhaupt mit dem Skelett-Kostüm rum?) bis hin zum ultra-anti-klimatischen Finale, das man eigentlich schon gesehen haben muss, um es zu glauben.
KRIMINAL und seine Fortsetzung MARK OF KRIMINAL sind filmgeschichtlich nur von Interesse, da hier über zwei Mal neunzig Minuten versucht wurde, einen wirklich unsympathischen Kriminellen als Hauptfigur zu etablieren, was aber nicht einmal für mich, der Antihelden liebt, funktioniert. Ich bezweifle, dass es dem Publikum 1966 und 1968 anders ging.
Die 1968 erschienene Fortsetzung ist eine weitere Besprechung nicht wert, da sie nur marginal besser als das Original ist. Exploitation-Großmeister Lenzi war nämlich nicht beteiligt und GEFAHR DIABOLIK gerade erschienen, sodass MARK OF KRIMINAL zumindest mit wirklich schönen Film-to-Comic-Freeze-Frames (die im ersten Teil nur den Vorspann vergoldeten) während der Geschichte glänzen kann, ansonsten aber ähnlich dahindümpelt wie der erste Teil.
Schade, Ansatz und Bilder gut, Geschichte(n) uwaaah!
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 3-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
MARK OF KRIMINAL (Fernando Cerchio, Nando Cicero)
GEFAHR DIABOLIK (Mario Bava)
SATANIK (Piero Vivarelli)
mochten

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