IRONFINGER (Hyappatsu hyakuchu)

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Japan 1965
Regie: Jun Fukuda
Drehbuch: Michio Tsuzuki, Kihachi Okamoto
Produzent: Tomoyuki Tanaka, Kenichirô Tsunoda
Kamera: Shinsaku Uno, Kazuo Yamada
Musik: Masaru Sato
Darsteller: Akira Takarada, Mie Hama, Ichiro Arishima
93 min

Temporeicher Nippon Spy-Film

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Es ist ein bisschen erstaunlich, dass ausgerechnet die Japaner, die ja jeden noch so kleinen Genreboom mit unzähligen einheimischen Variationen totreiten, nicht wirklich auf den James Bond-Boom bzw. das Eurospy-Gerippe aufgesprungen sind. INTERNATIONAL SECRET POLICE: THE KEY OF KEYS ist bis zum heutigen Tag nur als diese pseudowitzige Woody Allen-Synchro WHAT’S UP, TIGER LILY? bekannt und als Original in Japan noch nicht einmal auf DVD erschienen.
Die beiden auffälligsten und bekanntesten Nippon Spy Exporte sind IRON FINGER und die Fortsetzung GOLDEN EYES, und das auch nur, weil sie von Godzilla-Man No.2 Jun Fukuda stammen.
Beide sind vom Humor her leider auch nicht viel besser als das Woody-Allen-Unding. Es ist zwar grundsätzlich nicht schlecht, das Spy-Genre mit einem Augenzwinkern zu inszenieren. Die hanebüchenen Geschichten schreien ja fast danach. Aber muss es dann gleich immer dermaßen tumb sein, dass Fremdschämalarm ausgelöst wird?
In IRONFINGER a.k.a. 100 SHOT, 100 KILLED hat Andy Hoshino nicht nur einen internationalen Vornamen, sondern ist es auch: Ein Japaner, der in Frankreich lebt und auch noch verständliches Englisch spricht. Wie James Bond kann er alles, und das noch mit einem Augenzwinkern nebenbei. Er ist einem internationalen Waffenhändlerring auf der Spur und wird unterstützt von der Bombenexpertin Yumi (Mie Hama, später auch als Kissy in JAMES BOND – MAN LEBT NUR ZWEIMAL) und seinem bebrillten, also trotteligen japanischen Kollegen Ryuta. Es gibt alles, was zu einem Spy-Film gehört und das teilweise mehr als nur einmal: Schießereien, Verfolgungsjagden, Explosionen, Entführungen, Gimmicks und natürlich die Love Story zwischen Superheld und -heldin.

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Wie immer liefern die Japaner, in diesem Fall Fukuda und seine Crew, ein optisch opulentes Filmchen ab, das sie wahrscheinlich auch noch in 48 Stunden runter gekurbelt haben. Das ist vom Technischen einfach ganz weit vorn. Ganz viel Bond wird da verramscht und das in einem Tempo, das sogar die Originale hinter sich lässt (aber dennoch zehn Herzinfarkte entfernt ist vom diesbezüglichen Hongkong-Overkill TEMPTRESS OF A THOUSAND FACES). Die Locationswechsel können sich unter Vernachlässigung der Internationalität (ist gleich Budget) auch sehen lassen. Und die Darsteller, tja, die Darsteller leiden eben etwas unter Kasperle-Overacting, vor allem die dritte Hauptrolle des trotteligen Brillenträgers. Aber gut, so isset eben mit die Asiaten, brauchense wohl. Ich zwar nicht, aber ich bin da ja einigermaßen abgehärtet.
Auf jeden Fall beschert IRONFINGER kurzweilige, temporeiche Unterhaltung ohne Längen im Gegensatz zu mindestens 50% der europäischen Gegenstücke. Und wer sich bei Zeugs wie Luc Bessons TAXI-Reihe nicht vor Schmerzen im Sessel windet, wird sich gut amüsieren, vorausgesetzt er/sie kann Japanisch, denn auf der japanischen DVD sind natürlich keine Untertitel drauf. Wobei… mal im Ernst… die braucht auch keiner, weil sooo komplex ist das alles jetzt auch nicht.
Co-Autor des Drehbuchs ist übrigens Kichachi Okamoto, der wie alle großen Regisseure Japans nicht nur jedes Genre bedient hat, sondern mit AGE OF ASSASSINS gleich noch den besten Nippon Spy überhaupt hingelegt hat.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
GOLDEN EYES (Jun Fukuda)
TEMPTRESS OF A THOUSAND FACES (Cheng Chang Ho)
AGE OF ASSASSINS (Kihachi Okamoto)
mochten

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