BAD GIRL MAKO (Furyo shojo Mako)

mako0
Japan 1971
Regie: Koretsugu Kurahara
Drehbuch: Yasuharu Hasebe, Saburo Kuroki
Produzent: Eiichi Imado
Kamera: Yoshihiro Yamazaki
Musik: Hajime Kaburagi
Darsteller: Junko Natsu, Tatsuya Fuji, Akira Onodera, Jo Shishido
83 min

Nikkatsus letztes Double Feature vor Roman Porno, Teil 2: Groll statt Wut

mako1
mako2
Wir schreiben den 25. August 1971, d.h. Nikkatsus STRAY CAT ROCK-Reihe lag schon seit Januar bei den Akten und es gab eine immense Nachfrage nach Girlgang- und Neo-Taiyozoku-Filmen. BAD GIRL MAKO, der letzte „New Action“-Film von Nikkatsu wurde mit dem gewalttätigen Jugenddrama WET SAND IN AUGUST für ein letztes Double Feature gepaart. Danach ging das Studio in eine Kreativ-Brainstorming-Pause, denn es schrieb so rote Zahlen, dass dringend ein Kurswechsel stattfinden musste. Der Rest ist Geschichte. Ab dem 20. November 1971 veröffentlichte Japans ältestes Filmstudio siebzehn Jahre lang fast ausschließlich Hochglanz-Sexfilme unter dem Label „Roman Porno“. Doch zum Action-Abschied ließen sich die Verantwortlichen nicht lumpen und das letzte Doppelprogramm davor war ein Abschied mit RUMMS.
BAD GIRL MAKO geht gleich in der ersten Szene in die Vollen. Mako und ihre Mädchengang verprügeln im Hinterzimmer einer Bowlingbahn einen Typen. Das weckt hohe Erwartungen, denn bis auf die Ausnahme in GIRL BOSS GUERILLA blieben Prügeleien im Girlgang-Genre immer in den Geschlechterreihen, d.h. die Mädels hauten sich zwar gegenseitig immer aggressiver aufs Maul, doch die viel stärkeren und böseren Jungs waren auch meistens in den übergeordneten Banden vertreten und kamen auch physisch als Gegner nicht infrage.
Mit der Prügelszene ist schon mal Makos Bande hinreichend charakterisiert. Wenn Mako und ihre Girls nicht gerade anderen Männern und Frauen aufs Maul hauen, treiben sie sich in der lokalen Disco rum, in der Mako sofort von einem adretten Bubi namens Hideo angetanzt wird. Die tut so, als würde sie mit ihm zum Poppen fahren, zückt aber ein Messer und raubt Hideo mit Unterstützung ihrer Bande aus. Als die Mädels am nächsten Tag schulmädchen-verprügelnderweise durch die Straßen von Yasuoka flanieren, wird Mako von Hideos Bande gekrallt und kriegt ihrerseits von Hideo aufs Maul (wohlgemerkt: Sie wird nicht vergewaltigt). Damit ist für Hideo die offene Rechnung erledigt. Nur dass Tanabe, Makos großer Bruder, das mit der Entführung spitzkriegt, und der ist Unterboss der Yakuza-Oberbande „Yasuoka-Gumi“ von Pausbäckchen-Jo-Shishido. Tanabe und die wirklich harten Jungs sind jetzt hinter Hideos Bande her und rammen einem aus der Hideo-Gang ein Messer ins Bein. Hideos Bande rächt sich, indem sie ein paar Callgirls aus Tanabes Puff befreien, etc. pp.

mako3
mako4
Die Gewaltspirale schraubt sich immer weiter hoch, bis ein paar Leichen, männlich wie weiblich, in Seen oder Gossen enden. Dass sich Mako und Hideo verknallen und das alles nicht gut endet, ist wohl auch sonnenklar. Man hat ja WEST SIDE STORY gesehen. Die allerletzte Einstellung von BAD GIRL MAKO, also die allerletzte Einstellung vor der Umstellung zu Roman Porno, zeigt in extremer Nahaufnahme das Gesicht von Mako: Eine Träne kullert über ihre Wange. Na, wenn das nicht Symbolismus De Luxe ist!
Koretsugu Kurahara, acht Jahre jüngerer Bruder von Action-Ikone Koreyoshi Kurahara, hat mit BAD GIRL MAKO ein beeindruckendes Debüt inszeniert. Okay, die Geschichte ist schon sehr Standard für damals, aber die Gangart entspricht schon den action-orientierteren Einträgen der STRAY CAT ROCK-Reihe. Ist auch kein Wunder, weil Yasuharu Hasebe das Drehbuch zu BAD GIRL MAKO geschrieben hat. Wie heißt es im Buch „Queen of Japanese Movie“ so schön: „There was a sense of anger behind STRAY CAT ROCK, but there was a sense of grudge behind BAD GIRL MAKO.“
Es gibt jedenfalls einige Bekannte zu begutachten. Tanabe wird von Tatsuya Fuji gespielt, der neben Meiko Kaji in allen fünf STRAY CAT ROCK die männliche Hauptrolle spielte. Dem Rest der Welt ist er vor allem durch seinen Schwanz bekannt, der des Öfteren erigiert in Nagisa Oshimas IM REICH DER SINNE zu sehen ist. Jo Shishido, japanischer Superstar mit dem peinlichsten „Body Modification“-Spleen der Filmgeschichte, hat eine kleine Nebenrolle als Oberfiesling. Ein gewisser Ralph Jaser, ein amerikanischer Schauspieler, den die IMDB komplett ignoriert, darf hier schon mal seine Arschloch-Rolle aus der Anfangssequenz von DER TIGER VON OSAKA antesten.
Und dann ist da natürlich Junko Natsu in der Hauptrolle der Mako. Sie hatte ihr Leinwand-Debüt in VIOLATED ANGELS (1967) von Koji Wakamatsu. Leider hat sie es durch den Sugimoto-Ike-Fokus des westlichen Pinky-Violence-Booms vom Bekanntheitsgrad her nicht wirklich aus Japan rausgeschafft, war aber schon die Hauptdarstellerin der dreiteiligen GIRLS JUNIOR HIGH SCHOOL-Reihe (Nov.1970 – Jan.1971), der Blaupause zur TERRIFYING GIRLS’ HIGH SCHOOL-Serie (Okt.1971 – Dez.1973).
Man sieht: Hier ist einiges an Inzest vertreten. Und um noch die Überleitung zu WET SAND IN AUGUST zu schaffen: Die STRAY CAT ROCK-Filme wurden zu drei Fünfteln von Yasuharu Hasebe inszeniert, für die zwei Fünftel Coming-of-Age-Lastigkeit war Toshiya Fujita zuständig, der Regisseur von WET SAND IN AUGUST.
reda

mako5
mako6
Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
WET SAND IN AUGUST (Toshiya Fujita)
STRAY CAT ROCK: SEX HUNTER (Yasuharu Hasebe)
GIRL BOSS GUERILLA (Norifumi Suzuki)
mochten

Die letzte Träne: Von NEW ACTION zu ROMAN PORNO

Die letzte Träne: Von NEW ACTION zu ROMAN PORNO

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s