GIRL HELL 1999 (Shoujo jigoku ichi kyu kyu kyu)

1999-0
Japan 1999
Regie, Drehbuch, Produzent: Daisuke Yamanouchi
Kamera: Atsushi Sato
Musik: Fumio Kaneko
Darsteller: Natsumi Harada, Yuusuke Kimura, Toshimaru Murai
66 min

Exploitation für Fortgeschrittene

1999-1
1999-2
Der mittlerweile 42-jährige Daisuke Yamanouchi, der als seine Haupteinflüsse Shunya Ito (SASORI), John Carpenter, David Cronenberg, Sam Raimi und Paul Verhoeven nennt, hat in den letzten 15 Jahren 35 Filme gedreht, die meisten davon sind Direct-to-Video-Einträge im Pink- oder AV-Bereich. Angefangen hat er aber mit extrem nihilistischen Sex- und Gewaltorgien. Nach seinem Debüt ONNA NOKO NO HEYA: OTEIRE NAMA CHUKEI!! (1998) hat er von Juni 1999 bis August 2000 sieben dermaßen auf Schocks ausgerichtete Filme veröffentlicht, dass er es in Gore-Kreisen zu einigem Ruhm gebracht hat. Manche davon sind einfach nur schlecht, manche akzeptable Exploitation und sein fünfter Film GIRL HELL 1999 sogar überdurchschnittlicher Schund, der dann doch eine gewisse Beachtung verdient. Ansonsten sind lediglich das Torture Game RED ROOM 1 oder MUZANE mit seinem extrem fiesen Blick auf Sensationsmedien und Snuff-Filme jenseits der Nichtigkeit. Die restlichen Filmchen sind Reviewfutter für Gorebauern.
Wie an den Screenshots ersichtlich ist, darf technisch nicht viel erwartet werden: Um 2000 war das Videobild noch 4:3, Yamanouchi hatte keine großen Lehrmeister, stieg also nicht vom Regie-Assi zum Regisseur auf, und Geld, um den Look anzuheben, war bestimmt auch nicht vorhanden. Nur der Wille, mal so richtig ohne Wenn und Aber auf die Kacke zu hauen.
Auch GIRL HELL 1999 krankt bedingt an diesen Problemen. Doch das spiralenartige Driften der Geschichte in immer noch niedrigere Gefilde ließ mich einige Male an Hisayasu Sato denken, der im gleichen Alter wie Yamanouchi (also Mitte 20) angefangen hat, die Grenzen des Pinkfilms mit ultradreisten filmischen Provokationen auszuloten. Yamanouchi jetzt als Sato jr. zu bezeichnen würde zwar zu weit führen, doch der Titel GIRL HELL 1999 ist Programm.

1999-3
1999-4
Die 17-jährige Misaki (in filmischen Provokationen müssen Schulmädchen immer 17 sein, damit die Ü20-Akteure gerade noch so mit Minderjährigkeit verkauft werden können) ist ein gar liebes Mädchen, das nach der Schule immer einer geistig verwirrten und extrem verwahrlosten Obdachlosen, die eine schmutzige und halb kaputte Kinderpuppe mit ihrer Brustmilch füttert, etwas zu Essen vorbeibringt. Danach lernen wir Misakis dicke Freundin kennen. Die prostituiert sich in einer unschönen Sexszene, um sich den neuesten Modeschnickschnack leisten zu können.
Als Misaki zu Hause ranziges Geschirr wegspült, muss sie apathisch mit anhören, wie ihr Alkoholiker-Vater ihre durch einen Unfall arg entstellte Schwester missbraucht. Nach der Vergewaltigung findet Misaki ihre Schwester gefesselt im Schlafzimmer vor. Missbrauch allein genügt ihrem Vater wohl nicht mehr, sodass er die Tochter immer mehr verstümmelt. Mittlerweile sieht sie mit all den Bandagen schon fast wie eine Mumie aus. Misaki verbindet die neuesten Wunden ihrer Schwester und ritzt sich zur eigenen Bestrafung am Unterarm rum. Ein Drittel des Films ist um und es geht immer weiter runter. Am Ende des Films wird Misaki blutüberströmt an einem Flussufer stehen. In den vierzig Minuten bis dahin werden noch einige perverse Figuren etabliert und äußerst blutig wieder aus dem Drehbuch entfernt. Dass Yamanouchi natürlich all das abfeiert, wo andere wegschwenken, sollte mittlerweile jedem klar sein (und auch, dass ich demzufolge die harmloseren Screenshots genommen habe). Denn Grand Guignol ist verglichen mit Yamanouchis Fantasie ein Kindergeburtstag.
Exploitationfilme sind wie auch Superheldenfilme „Larger than Life“. In den seltensten Fällen vermögen sie es, beim Zuschauer ein wirkliches Mitfühlen zu erzeugen. Doch GIRL HELL 1999 ist, sogar noch verstärkt durch den Videolook, ein extrem niederschmetternder Film. Ja, das ist Japan, ja, das ist Provo, ja, das ist eben Exploitation, aber trotz teilweise plumper transgressiver Intentionen wird der Zuschauer von der generellen Stimmung runter gezogen. Und der Soundtrack verstärkt das nur. GIRL HELL 1999 ist billig, fies und groß.
reda

1999-5
1999-6
Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
RED ROOM 1 (Daisuke Yamanouchi)
MUZANE (Daisuke Yamanouchi)
RED ROOM 2 (Daisuke Yamanouchi)
mochten

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s