RUBBERS (Rabazu: Oou Onna)

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Japan 2010
Regie: Takafumi Watanabe
Drehbuch: Ai Yamazaki
Produzent: Yuji Hiratai, Tatsuyuki Izuka
Kamera: Nobuhisa Ito
Musik: Spannko
Darsteller: Aino Kishi, Hiroshi Yamamoto
77 min

Das entschleunigte Liebesdrama einer Gummifetischistin

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Zugegeben: Das Poster zu RUBBERS ist nicht ganz so weit vom dazugehörigen Film entfernt wie das deutsche Poster von FOLTERMÜHLE DER GEFANGENEN FRAUEN. Aber nicht wenige Kinogänger und vor allem DVD-Käufer waren wohl etwas enttäuscht, keinen Pink-Schweinkram, sondern ein leises Beziehungsdrama präsentiert zu bekommen, das versucht, den Zuschauern die Sorgen und Ängste von Fetischisten begreiflich zu machen.
Das Glamour-Model Aino Kishi spielt die introvertierte Gummifetischistin Sayoko, die sich den idealen Arbeitsplatz für ihren Fetisch gesucht hat: Sie arbeitet in der Essensverpackungsabteilung einer Fabrik, in der aus Hygienegründen mit Einweghandschuhen gearbeitet werden muss. In kurzen Rückblenden wird der Auslöser ihres Fetisches angedeutet: Mit der Bewunderung von Tokusatsu-Superhelden in ihrer Kindheit, dem später der Geruch und das Gefühl von Gummi folgte und was sie jetzt als erwachsene Vollblutfetischistin sogar Gummiunterwäsche tragen lässt.
Aus Angst vor sozialer Ausgrenzung hält Sayoko ihren Fetisch geheim, was allerdings schwierig wird, nachdem sie ihr neuer Kollege Shinji anbalzt und in ihrem Bad einen schwarzen Latex-Catsuit zum Trocknen vorfindet. Von diesem Moment an stolpert Shinji über alle peinlichen Vorurteile, die uns das Free TV über diese Perversen gelehrt hat.

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RUBBERS ist ein ansatzweise gelungenes Toleranz-Plädoyer für Gummifetischisten. Der Exploitationgehalt ist demzufolge gering. Bis auf eine Selbstbefriedigungs-Szene Sayokos, die sich wie ein Schnitzel über ihren Catsuit-Neukauf freut, findet das Kokettier-Poster keine filmische Entsprechung. Und diese Szene hat sogar noch erklärenden Charakter, da der Fetisch an sich ja immer schon als Sexersatz diente.
Regisseur Watanabe liefert einen schwer zu definierenden Mischmasch an Ambition und Banalität ab. Erfreulich sind die langen, fast unbewegten Einstellungen mit einer frustrierten oder sinnierenden Sayoko, die generelle Langsamkeit der Erzählung und die schauspielerischen Leistungen, vor allem Aino Kishis, die vorher nur in Fotoapparate grinsen oder für den AV-Bereich die Beine breit machen durfte. Traurig stimmen mal wieder die flachen Bilder, die leider repräsentativ für das japanische Unkino des 21. Jahrhunderts sind.
Besonderer Wermutstropfen ist aber, dass RUBBERS anscheinend der erste Arthousefilm überhaupt ist, der Partei für diese Szene ergreift, und dann noch so beiläufig. Die fernsehgerechte Inszenierung sollte diesem Umstand eigentlich ausnahmsweise zugutekommen, wenn da nicht dieser prähistorische Grund wäre, der eine Ankunft beim Tante Trude-Zielpublikum verhindert: Das Filmposter/DVD-Cover von geistig Zurückgebliebenen für geistig Zurückgebliebene.
Auf der anderen Seite der Münze darf angezweifelt werden, ob RUBBERS das Zeug zum Kultfilm in der Latex Community hat, da Sayokos Schlabberkondom dem Zweithaut-Faktor und somit der szene-favorisierten Mischung aus Schweiß- und Gummigeruch entgegen wirkt.
There are eben many roads to Hell.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 80:20

Schulnote: 2-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
JUSTIFY (Insung Hwang)
PREACHING TO THE PERVERTED (Stuart Urban)
IRMA VEP (Olivier Assayas)
mochten

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