GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE (Dan Oniroku: Shoujo mokuba-zeme)

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Japan 1982
Regie: Fumihiko Kato
Drehbuch: Takashi Ishii
Vorlage: Oniroku Dan(Kurzgeschichte)
Produzent: Koshi Okumura, Naoya Narita
Kamera: Kazumi Sugimoto
Musik: Fujio Sato
Darsteller: Serina Nishikawa, Shiro Shimomoto, Asami Ogawa
68 min

Zärtliche Härte

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Es ist an der Zeit, mal eine Lanze zu brechen für das viel gescholtene SM-Untergenre des Roman Porno. Natürlich sind nicht wenige davon misogyn weit über Gebühr, doch manche Beiträge nähern sich dem Thema so ambivalent, dass eine simple Verteufelung bzw. Lobhudelei nicht möglich ist. Ich nehme hier Bezug auf einen gewissen reda, dessen Kurzreview im SPLATTING IMAGE Nr.85 zu GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE in etwa dem Niveau kichernder pubertierender Mädchen entspricht, die mit einem solchen Verhalten ihrem inneren Kampf zwischen emotionaler Unreife und heimlicher Bewunderung Ausdruck verleihen: „Der völlig durchgeknallte GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE beweist, wie over-the-top Roman Porno sein können. Der sonst eher für Durchschnittskost berüchtigte Fumihiko Kato lässt es in seinem Debüt über die sadistischen Neigungen des Lehrers Muraki und die masochistischen der Schülerin Nami so krachen, dass die Grenze zur Groteske des Öfteren überschritten wird: Da treiben es die Eltern von Nami AUF ihr, der Lehrer wird VON zwei Schülerinnen vergewaltigt und Namis Mutter wird in der Missionarstellung von zwei Männern NEBENEINANDERliegend GLEICHZEITIG penetriert. Zum Schluss kriegt der liebe Muraki nach einer 20-filmminütigen Bondage-Session an Nami (inklusive Dildo-Holzpferd, blau gefärbtem Einlauf und einer darauf folgenden grünen Dünnpfiff-Fontäne) einen Herzkaspar und benötigt dringend Wasser, um seine Medikamente runterzuspülen. Doch da keine Wasserflasche aufzufinden ist, pinkelt Pragmatiker-Nami dem Sterbenden kurz entschlossen in den Mund. Ende. Ob jetzt das meiste davon auf der Vorlage von Oniroku Dan oder dem Drehbuch von Takashi Ishii beruht, sei dahingestellt, es darf jedenfalls herzlich gelacht werden.“
Gewiss, so kann der Film zusammengefasst werden, wenn SM-Thematik und -praktiken als reines Spektakel für RTL2 verstanden werden. Doch trotz aller Exzesse, die hart an der Grenze zur Satire sind, gelingen Kato mit seinem Debüt dermaßen ambitionierte Momente, dass es schlicht ignorant ist, diese zu vernachlässigen. Die Summe der einzelnen Zeile kann zwar den goldenen 70ern im Roman Porno nicht das Wasser reichen, für die 80er und vor allem Debütant Kato ist GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE ein gelungener Eintrag. Einige Ideen davon hat Drehbuchautor Takashi Ishii bestimmt schon zur üblichen Oniroku Dan-Schrottvorlage hinzugefügt (vor allem, dass nicht wenige Sexszenen im Regen stattfinden), der progressive inszenatorische Rest stammt von Fumihiko Kato.

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Hier einige Beispiele für das Verlassen des Oniroku Dan-Trampelpfads: Der oben angesprochene Dreier mit der Mutter endet, als Nami Zeugin der Szenerie wird und feststellt, dass einer der Männer ihr begehrter Muraki ist. Nami flüchtet angewidert, verfolgt von Murakis Kumpel. Es folgt eine zweiminütige Handkamera-Plansequenz, in der der Mann im strömenden Regen über Nami herfällt und vom hinterher eilenden Muraki in die Flucht geschlagen wird. Nami und Muraki liegen dann noch eine ganze Minute im Regen, langsam aufeinander zurobbend. Während sich die Kamera entfernt, verhüllt Muraki die halb nackte Nami wieder mit den Resten ihres Kleids.
Namis masochistische Träume sind bis auf den Inzesttraum mit ihren Eltern ebenfalls verregnet, überwiegend blau ausgeleuchtet und bisweilen trotz gewisser Härten durchaus erotisch in Szene gesetzt (Hört sich für jemanden, der noch nie einen Roman Porno gesehen hat, vielleicht seltsam an, aber die meisten Sexszenen in diesem Genre kranken an Rekeleien und Mimikentgleisungen jenseits dieses Sonnensystems).
GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE funktioniert auch gut als potenzieller Kultfilm für die SM-Community. Die zärtliche Sexszene nach der Dildopferd-Session wagt etwas, das in den meisten SM-Roman Porno vor Exploitationgier vernachlässigt wird, nämlich, dass das alles aus Liebe gemacht wird (Deshalb sei vielleicht an dieser Stelle der belgische Film SM RICHTER empfohlen, der das etwas arthousiger auf den Punkt bringt). Und das Ende ist sowieso das Nonplusultra des japanischen Pinkelfetischs.
GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE kann also sogar drei erwachsenen Zielgruppen zum Antesten angeboten werden: Dem bierseligen „Bah, ist das durchgeknallt“-Bauern dank Stakkato-Provokationen, dem Cineasten wegen einiger ambitionierter Kompositionen und der Community wegen eines ansatzweise einfühlsamen Umgangs mit der Thematik. Das sind ja drei Wünsche auf einmal, aber ein Kinderüberraschungsei ist es sowas von NICHT.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
BONDAGE (Noboru Tanaka)
SM RICHTER (Eric Lamens)
MAITRESSE (Barbet Schröder)
mochten.

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Ein Gedanke zu „GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE (Dan Oniroku: Shoujo mokuba-zeme)

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