VERSCHWÖRER DER LÜSTE (Spiklenci slasti)

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Tschechien/Schweiz/Großbritannien 1996
Regie, Drehbuch: Jan Svankmajer
Produzent: Jaromir Kallista
Kamera: Miroslav Spala
Musik: Olga Jelinkova, Quay Brothers
Darsteller: Petr Meissel, Gabriela Wilhelmova, Barbora Hrzanova
83 min

Fetischismus leicht und schwer gemacht

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Gleich vorweg: VERSCHWÖRER DER LÜSTE ist der definitive Film zum Thema Fetisch und Svankmajers bester Langfilm, sein surreales Meisterwerk. Bei so viel Fantasie überrascht es nicht, dass u.a. Terry Giliam und Tim Burton zu seinen Bewunderern zählen.
Zum Film: Völlig angemessen dialoglos widmen sich hier sechs ganz unterschiedliche Menschen (drei Männer und drei Frauen) teilweise mit einem Höchstmaß an Aufwand und Detailverliebtheit ihren sehr individuellen auto-erotischen Trieben. Und genau in diesen Szenen zelebriert Svankmajer seine jahrelang perfektionierte Stop-Motion-Technik mit immer groteskeren Einzelheiten, kehrt aber kurz vorm völligen Abdriften in die Spielhandlung zurück.
Wie weit die Personen im Einzelnen gehen, möchte ich hier jeweils nicht nennen, weil es erheblich den Unterhaltungswert des Ganzen einschränken könnte. Nur soviel sei vorweggenommen: Zu zwei Dritteln wird hier keinem gesellschaftlich gängigen Fetisch zur eigenen Lustgewinnung gefrönt. Hier können sogar Japaner noch sehen und staunen… und verschämt schmunzeln.

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Alles ist auf den Punkt, nicht zu lang und nicht zu kurz. Keine Längen wie in KLEINER OTIK und vor allem in WAHNSINN (bei WAHNSINN gesellt sich sogar noch das für Svankmajer untypische Attribut geschwätzig dazu) schmälern hier die Qualität. Der tschechische Master-of-Puppets schafft es in kompakten und in sich geschlossenen achtzig Minuten das Interesse des Betrachters wach zu halten.
Schön, dass sich Svankmajer mit 62 Jahren noch seines Scripts aus den 70ern angenommen hat. Schön ist auch, dass überdies für ein westliches Auge das Prag der 90er den ganzen Film umso zeitloser, weil zeitlich stehen geblieben wirkend, macht. (Da stellt sich die Frage: Könnte der Film 2007 ohne Kulissen- und Kostüm-Tricksereien noch so gedreht werden?) Doch am Schönsten ist es zu wissen, dass sich Svankmajer trotz aller staatlichen Restriktionen immer treu geblieben ist.
reda

Dieser Text war einer meiner ersten kritischen Gehversuche und erschien 2007 leicht abgewandelt in der ofdb

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
KLEINER OTIK (Jan Svankmajer)
INSTITUT BENJAMENTA (Quay Brothers)
WAHNSINN (Jan Svankmajer)
mochten.

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