WET WEEKEND (Nureta shumatsu)

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Japan 1979
Regie: Kichitaro Negishi
Drehbuch: Fumio Konami
Produzent: Naoya Narita
Kamera: Shohei Ando
Musik: Hiroyuki Asaoka
Darsteller: Junko Miyashita, Nobuyasu Ando, Ako
71 min

Hervorragendes Beziehungsdrama trotz Roman Porno-Korsett

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Der 1950 geborene Kichitaro Negishi gehört zur Regiegarde der zweiten Roman Porno-Generation, also den Regisseuren bei Nikkatsu, die ihr Handwerk im Sexfilmgewerbe gelernt haben. Nach je einem Assistentenjob bei Toshiya Fujita und Yasuharu Hasebe, stieg er schon in die Regiekategorie auf. Beide Lehrmeister, die abwechselnd Filme für die Pinky Violence-Blaupause STRAY CAT ROCK gedreht hatten, definieren auch Negishis Stil: Sozialdramen (Fujita-Einfluss) mit Krimielementen (Hasebe-Einfluss). Sein Fokus auf soziale Themen brachte Negishi einigen Kritikerzuspruch und Vergleiche mit den beiden Ikonen in diesem Bereich, Tatsumi Kumashiro und Noboru Tanaka, ein.
Negishis dritter Roman Porno WET WEEKEND glänzt mit einer – eigentlich wie fast immer – hervorragenden schauspielerischen Leistung seiner Hauptdarstellerin Junko Miyashita. Sie spielt die Tippse Shimako, die ein Verhältnis mit ihrem Chef Junichiro hat. Der verspricht ihr immer wieder, dass er seine Frau Noriko für sie verlassen will.
Als Shimako den Einbrecher Hiroshi in ihrer Wohnung überrascht, wird sie NICHT von ihm vergewaltigt, sondern schlägt ihn k.o. Die beiden unterhalten sich, nähern sich an, doch das Verlieben gestaltet sich etwas kompliziert.
Da bald Noriko erneut von Junichiro schwanger wird, dämmert es Shimako, dass sie lediglich Beckenbodentraining für ihren Chef war. Zusammen mit Hiroshi und dessen Exfreundin/Zeitvertreib/Hobby/Matratze/Mätresse Toko schmiedet Shimako einen Plan: Da Noriko des Öfteren Shimako als Babysitter für ihren Sohn Akemi einsetzt, wollen die Drei den Kleinen entführen und Lösegeld erpressen.

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Soweit, so Standard. Was aber Negishis Kleinod trotz zweier Quotenvergewaltigungen, die unbedingt untergebracht werden müssen, von üblichem Roman Porno-Schmu abhebt, ist sein Fokus auf die Post-Hippie-Dreierkonstellation um Shimako, Hiroshi und Toko. Da ist dann die Kehrseite der freien Liebe zu begutachten, wenn sich bei beiden Frauen Desinteresse und Revierkampf abwechseln; am offensichtlichsten in einer Szene nach einem Saufgelage der Menage a Trois, wenn die von Hiroshi zurückgewiesene Shimako ihn bei der Vergewaltigung von Toko unterstützt, um wieder in seiner Gunst zu steigen. Zudem kann Shimako nicht wirklich von ihrem Chef loslassen, was sie immer wieder zu Alkoholexzessen und Basislagerwechseln zwischen eigenem Heim und Hippie-Ranzkaschemme treibt. Ganz am Ende steht sie allein da, packt ihre Koffer, einer ganz anderen Zukunft entgegen.
Trotz einer klassischen Roman Porno-Figurenkonstellation gelingt es Kichitaro Negishi, seinen Charakteren mit scheinbar erzählerischen Nebensächlichkeiten Leben einzuhauchen. Genau das hebt eben die guten Roman Porno-Regisseure von den schlechten ab. Neben A WOMAN WITH RED HAIR (ebenfalls mit Miyashita in der Hauptrolle) von Tatsumi Kumashiro ist zweifellos WET WEEKEND das beste Roman Porno-Sozialdrama des Jahres 1979.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 1-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
A WOMAN WITH RED HAIR (Tatsumi Kumashiro)
SECRET CHRONICLE: SHE-BEAST MARKET (Noboru Tanaka)
A WOMAN CALLED ABE SADA (Noboru Tanaka)
mochten

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