UNGLEICHE SCHWESTERN (Syostry)

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Russland 2001
Regie: Sergei Sergejewitsch Bodrow (Sergei Bodrow, jr.)
Drehbuch: Sergei Sergejewitsch Bodrow, Gulschad Omarowa, Sergei Wladimirowitsch Bodrow (Sergei Bodrow, sr.)
Produzent: Sergei Seljanow
Kamera: Waleri Martinow
Musik: Kino, Agatha Christie
Darsteller: Oksana Akinschina, Katja Gorina, Roman Agejew, Tatjana Kolganowa
80 min

„Wenn du acht Jahre alt bist, ist die Welt gegen dich. Wenn Du 13 Jahre alt bist, bist du gegen die Welt.”

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Sergei Sergejewitsch Bodrow, Sohn des anerkannten russischen Regisseurs Sergei Wladimirowitsch Bodrow, wurde am 20.9.2002 zusammen mit seinem Filmteam beim Dreh seiner zweiten Regiearbeit von einer Lawine begraben. Sein Vermächtnis, neben einigen Hauptrollen als Schauspieler u.a. in GEFANGEN IM KAUKASUS seines Vaters, ist vor allem die Figur des Danila Bagrow, mit der er in Russland zum Superstar aufstieg. In Alexei Balabanows beiden BRAT/BROTHER-Filmen verkörperte er einen russischen Rambo, der das Herz am rechten Fleck zu haben schien. Das war genau das Maß an Nationalgefühl, was das russische Volk nach dem Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“ suchte.
2001 drehte Bodrow jr. sein Debüt als Regisseur. SYOSTRY handelt von den beiden Halbschwestern Dina und Svetlana, die beide bei ihrer Mutter leben. Die achtjährige Dina ist ein verwöhntes Gör, das von ihrer eher pragmatischen älteren 13-jährigen Schwester nicht wirklich gemocht wird. Neben Svetlanas Berufswunsch, eine Scharfschützin zu werden, um möglichst viele Tschetschenen abzuknallen (warum sie das so selbstverständlich will, muss ja nicht geklärt werden, da SYOSTRY nun mal ein russischer Film ist und deshalb ist das eben so), ist ihr anderes Hobby Bauchtanz. Als Alik, der Mafiosi-Vater der jüngeren Dina, aus dem Knast entlassen wird, möchte die Mafia gerne die eine Million Rubel wieder haben, die ihr bei seiner Verhaftung durch die Lappen ging. Obwohl Alik immer wieder beteuert, dass ihm die korrupte Polizei das Geld abgenommen habe, glauben ihm die Gangster nicht, sodass er die beiden Mädels aus Angst vor einer Entführung in einem Versteck unterbringt. Doch die Kontakte der Mafia sind gut. Sie finden das Versteck. Die beiden Schwestern können zwar kurz zuvor entkommen, befinden sich aber von nun an in einem Zug-Roadmovie, das sie zueinander und quer durch die Vororte von Sankt Petersburg führt.

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SYOSTRY (SISTERS, dt. UNGLEICHE SCHWESTERN) sollte ursprünglich TANETS ZHIVOTA (BAUCHTANZ) heißen, doch wegen einiger inhaltlicher und atmosphärischer Gemeinsamkeiten mit den BRAT-Filmen entschied sich Bodrow für die Titeländerung. Auch wegen einer Nebenrolle, in der Bodrow jr. als Mafiosi Svetlana kennenlernt und sie wegen ihrer Schießfertigkeit als Bodyguard anstellen will, wurde immer wieder geunkt, SYOSTRY sei der inoffizielle dritte Teil der BRAT-Filme, was Bodrow zwar von sich wies, aber bestimmt als Kompliment auffasste. Jenseits davon ist sein Debüt angenehm unaufgeregtes Autorenkino mit Minimalkrimielementen, dem der Zynismus seines Haupteinflusses Balabanow weitestgehend fehlt. Zwar spielt der Film im Gangstermilieu, aber Bodrow ist mehr an der Annäherung seiner zwei minderjährigen Hauptdarstellerinnen interessiert, als an brutalen Milieuschilderungen.
Die beiden Debütantinnen Oksana Akinschina (danach u.a. LILJA 4-EVER) und Katja Gorina spielen trotz ihres Alters ungewohnt überzeugend, was allerdings auch kein Wunder ist, da Bodrow persönliche Gespräche und weniger klassische Castings mit Hunderten von Rollenanwärterinnen hatte. Großen Wert legte er auch auf den Soundtrack im Film, der mit einigen beliebten Underground-Rockgrößen Russlands aufwarten konnte. Dieses Erfolgsprinzip hatte er sich ebenfalls bei Balabanow abgeguckt.
Trotz der Minimalhandlung ohne nennenswerte Wendungen ist SYOSTRY somit ein stimmiges und stimmungsvolles Coming-of-Age-Drama geworden, das aber irgendwie doch wie ein Epilog zu den BRATs wirkt. Was aber ungemein nervt, und sogar das zieht Bodrow jr. Richtung Balabanow, ist der stupide Patriotismus gepaart mit Tschetschenenfeindlichkeit, der immer wieder durch das Drehbuch blitzt. Das mag vielleicht die vorherrschende Meinung des russischen Pöbels sein, kleingeistig bleibt es dennoch.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 70:30

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
BROTHER (Alexei Balabanow)
BROTHER 2 (Alexei Balabanow)
FREIHEIT IST DAS PARADIES (Sergei Bodrow, sr.)
mochten

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