GIRL BOSS: CRAZY BALL GAME (Sukeban: tamatsuki asobi)

1974-10-19(SUKEBAN 7) GIRL BOSS CRAZY BALL GAME
Japan 1974
Regie: Ikuo Sekimoto
Drehbuch: Isao Matsumoto
Produktion: Keizo Mimura
Kamera: Juhei Suzuki, Shin Furuya
Musik: Kuni Kawachi
Songs: Mariko Hoshi „Nakuna oppai-chan“, Kuni Kawachi „(??N.N.??)“
Sukeban-Darsteller (nach Rollengewicht sortiert): Yuko Kano (Kyoko), Ryoko Ema (Mina), Ritsuko Fujyama (Yuki), Harumi Tajima (Momoyo), Hiroko (Emi Jo), Sanae Ohori (Mari), Keiko Aikawa (Hanae), Jun Aida (Yoko), Jun Aokawa (Kaoru), Junko Miwa (Tonko).
Übriger Cast: Jo Shiraishi (Goro), Toru Abe (Tachibana), Kantaro Suga (Koike), Yoshinobu Hirose (Katsu), Rie Saotome (Mayumi), Tadashi Naruse (Mayumis Ehemann), Hiroshi Nawa (Yagi), Mariko Hoshi (Club-Sängerin)
87 min

„Für ein Bandenmitglied gibt es kein Gestern und kein Morgen. Es zählt nur das Heute.“ (Kyoko)

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Ausgerechnet Yuko Kano, das Platzbuttergesicht Mina aus GIRL BOSS: ESCAPE FROM REFORM SCHOOL, tritt im siebten und letzten Sukeban die Nachfolge von Miki Sugimoto und Reiko Ike an. Doch die Hormone haben es in den eineinhalb Jahren zwischen Teil 5 und 7 gut mit ihr gemeint. Wie bei Mel Gibson von MAD MAX 1 zu 2 ist die postpubertäre Gesichtsverquellung einem markanten Gesicht gewichen. Den Rest leistet Mascara und schon haben wir hier eine Sukeban, die nicht nur wie eine aussieht, sondern überdies mit Schlagfertigkeit und sogar mit ethischem Überbau ausstaffiert wird, die die Duolithen alt aussehen lässt.
Ikuo Sekimoto im Regiestuhl tut sein Übriges, um GIRL BOSS: CRAZY BALL GAME dermaßen über das Mittelmaß zu heben, dass der Abschluss der Reihe wohlverdient neben dem ersten und dritten Teil stehen kann.
Prologe sind eindeutig Sekimotos Stärke, um das Interesse des verwöhnten Publikums zu gewinnen. Im Vorgänger GIRL BOSS: MANO-A-MANO musste Reiko Ike Prügel im Stakkato-Takt einstecken, hier gehts direkt Mano-a-mano los.
Die Mädchen-Bande Chisakura (was in etwa Hardcore-Kirsche heißt) buhlt um das Territorium von Osaka, das noch einer anderen Mädchen-Bande gehört, die sich Cattleya (eine Orchideen-Art) nennt. Deren Sukeban Kyoko (Yuko Kano) und Mina (Ryoko Ema) stellen sich für einen Revierkampf einander vor. Sogleich wälzen sich die beiden Frauen im Schlamm, Mina zückt entgegen dem Sukeban-Kodex ein Messer, doch Kyoko gewinnt und beschert zufällig Mina eine Narbe an der Stirn. Doch da sind Polizeisirenen zu hören. Direkt in der nächsten Szene wird Kyoko für zwei Jahre in den Knast gesteckt. Lästige WIP-Szenen bleiben uns erspart, denn subito folgen die Credits, die die frisch entlassene Kyoko erneut durch Osaka schlendernd zeigen.
Doch geläutert ist sie nicht und will deshalb ihre alten Kirschen wieder zusammentreiben. Die erste Kirsche ist auch gleich eine Enttäuschung: Mayumi ist kurz angebunden, weil verheiratet und mit ihrem Mann verabredet. Yuki ist Taxifahrerin und Hostess geworden, freut sich aber, ihre alte Sukeban wiederzusehen und lässt sie bei sich wohnen.
Momoyo und Hiroko sind noch immer Kleinkriminelle. Hiroko klaut in Kaufhäusern, wenn Momoyo mit ihrer 92cm-Oberweite ablenkt (Maße deshalb so explizit, da die DVD-Veröffentlichung damit wirbt!). Doch die beiden Leuchten lassen sich ein Kind andrehen, das die Mutter gar nicht wieder haben will. Kyoko taucht auf, Begrüßung und Freude folgt. Und dann kommt der große Unterschied zur alten Sukeban-Generation. Erst kommt Kyokos Rüge „Wieso habt ihr nicht gelernt, groß zu denken?“ und schon ein Plan: Kyoko platzt mit Kimono und dem schreienden Blag in eine Begräbniszeremonie rein und gaukelt der kompletten Gesellschaft plärrenderweise eine uneheliche Zeugung vor. Klar, dass sie nicht zu knapp mit Geld abgespeist wird. Kimono und Kind werden daraufhin der Kimono-Verleiherin angedreht, zusammen mit ein bisschen Geld für Baby-Sachen.

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Da kommt Yuki angerannt und bittet Kyoko, Momoyo und Hiroko ihre beiden Ex-Ganggirls Kaoru und Tonko aus den Klauen von Katsu zu entreißen, der sie für Lesben-Shows knechten lässt. Die Mädels werden befreit, doch – so viel Klischee muss sein – Katsu gehört zur Tachibana-Bande, den Ober-Yakuza von Osaka.
Die Mädels juckt das nicht. Sie feiern erst mal eine Kirschen-Revival-Party.
Momoyo fürchtet, dass sie schwanger ist, was sich aber bei einem Arztbesuch als unbegründet herausstellt. Nach der Diagnose treffen sie Mayumi, die wirklich schwanger ist. Gerade als die zur Tür raus geht, wird ihr Mann von Yakuza angefahren inklusive Fahrerflucht. Die sind nämlich in Eile, weil sie drei Häuser weiter Kyoko entführen müssen.
Kyoko wird zum alten Catfight-Platz geschleppt und wer wartet auf sie? Jawoll, Mina will Rache für die Narbe an der Stirn. Kyoko wird mit einer glühenden Eisenstange übelst gefoltert, aber von einem Typen namens Goro frei gekloppt. Und weil die Orchideen so Luschen sind, haut er alle acht allein in die Flucht. Doch Kyoko ist zu stolz, um sich zu bedanken. Nichtsdestotrotz gibt ihr Samariter-Goro seine Jacke, damit Kyoko nicht ganz so zerlumpt nach Hause muss.
Die einleitenden zwanzig Minuten sind vorbei und jetzt kommt die Handlung in Fahrt. Goro leitet eigentlich einen Nachtklub, ist aber nicht grün mit den Yakuza, da er versucht hat, deren Mädels abzuwerben. Dass die Orchideen für Tachibana arbeiten, ist klassische Sukeban-Filmlogik. Mina ist liiert mit Koike, einem Unterschergen Tachibanas. Sowohl die Orchideen als auch die Yakuza sind aber hinter Yagi her, einem Geschäftsmann, der Diamanten im Wert von einer Milliarde Yen gebunkert hat.
Nach der Eisenstangenfolter wollen die Kirschen Rache und vereiteln eine Diamantenabzocke durch die Orchideen, was mit Nacktbade-Schwelgereien gefeiert wird. Doch noch am Strand kommen die Orchideen an, die etwas sauer sind. Weil aber sechs Kirschen stärker sind als acht Orchideen, müssen Letztere auf ihr Erblühen im Sandstrand hoffen, da sie bis zum Hals von den Kirschen dort eingegraben werden.
Das steigert den Hass seitens der Orchideen. Sogleich werden (im Off) ein paar Kirschen entführt, um Kyoko raus zu locken. Die kommt unverzüglich in ein verlassenes Fabrikgebäude zu Übergabe. Doch Mina will sich (noch) nicht die Hände schmutzig machen, lässt sich aber (auch das ist ungewöhnlich menschlich) auf einen Deal ein, nämlich, dass nur Kyoko stellvertretend für alle Kirschen von Katsu malträtiert wird. Und das passiert auch, und nicht allzu knapp. Der fette Katsu vergewaltigt sie und dann dürfen die restlichen Jungs drüber. Inszeniert ist das ausnahmsweise nicht glorifizierend, dafür aber die Konsequenz. Als die Yakuza abziehen, kommt Goro um die Ecke, und Kyoko möchte, dass er Liebe mit ihr macht. Doch ihm ist das zu ekelig. Erst als sich Kyoko ausgiebigst exploitativ duscht, wird er weich und der Quotenfick kann mit einer Quotenlänge von zwei Minuten zelebriert werden.

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Doch wie gesagt, Kyoko will den großen Kuchen und ergaunert mit Goro und ihrer Bande die Diamanten kurz vor einer Übergabe an die Yakuza. Die sind jetzt hinter den Kirschen her. Rein zufällig latscht Mayumi an den Flüchtenden vorbei und gewährt ihnen Unterschlupf. Doch der ist von kurzer Dauer (Es sind gerade 60 Minuten um und wir sind hier bei Toei. 90 Minuten müssen sein, weshalb es wie folgt weitergeht). Denn bald kommen die Yakuza zu Mayumi. Die Kirschen flüchten weiter, Mayumi will die Bösewichte ablenken, bekommt aber bis zum Kindsabgang aufs Maul und wird dann erschossen. Das fördert erneut Rachegelüste seitens der Kirschen, doch Goro überzeugt die Mädels, dass es besser ist, mit den Diamanten außer Landes zu reisen. Die Diamanten werden aufgeteilt und am Flughafen wollen sich alle wiedertreffen. Yuki wird aber von den Yakuza geschnappt und totgeprügelt, nachdem sie den Fluchtplan ausgeplaudert hat. Die Yakuza fangen die Flüchtigen am Flughafen ein, nehmen ihnen die Klunker ab und schmeißen sie zu Yukis Leiche in den Kabuff. Da wird viel geweint und zum 63.Mal Rache, diesmal wegen Yuki, geschworen. Mit einem Trick gelingt den Kirschen zwar von dort die Flucht, aber die kurz zuvor von Koike gehörnte Mina will einen letzten Mano-a-Mano mit Kyoko. Auch hier wieder eine Überraschung. Mina gibt auf, mit den Worten: „Ich habe nicht wegen der Narben verloren, die man sehen kann, sondern wegen denen, die man nicht sieht. Ich bin nur eine kleine Stricherin, aber du eine ehrenwerte Sukeban.“ Als Bonus petzt sie auch noch, dass die Yakuza die Diamanten auf eine Insel vor Japan geschafft haben.
Der Showdown kann beginnen. Mit einem Motorboot brettern die letzten drei Girlies zusammen mit Goro zu den Yakuza, mit Parasailing-Kyoko hinten dran. Das Gemetzel im Yakuzaquartier folgt sogleich, nachdem (wie auch immer) mit dem Motorboot durchs Fenster gefahren wurde. Neben zig anderen Yakuza wird auch Koike abgeschlachtet, Goro aber angeschossen. Tachibana flüchtet schließlich mit seinem Motorboot, die Kirschen donnern hinterher. Tachibana geht KARUMMS und alles ist gut.
Doch da sind noch drei Minuten Filmzeit: Was nun? Uups, Goro lebt noch. Aber nicht mehr lange. Ungewöhnlich leise krepiert er an seinen Verletzungen. Kyoko, Hiroko und Momoyo schenken der Leiche ihre Diamanten als Grab-Beigabe zur Seebestattung. Die Reihe endet mit der Moral von der Geschicht und einer Nahaufnahme auf Kyoko, die da sagt: „Für ein Bandenmitglied gibt es kein Gestern und kein Morgen. Es zählt nur das Heute.“

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Das Regie/Drehbuch-Duo Sekimoto/Matsumoto hat einiges vom Serienschöpfer Suzuki verinnerlicht, vor allem das Genre-Gehoppe. GIRL BOSS: CRAZY BALL GAME springt munter zwischen den Genres hin und her. Vom Gang-Film zur Love Story zum Heist Movie und wieder zurück. So geglückt wie in GIRL BOSS GUERILLA ist die Liebesgeschichte zwar nicht, kann sich aber in ihrer relativen Spontanität durchaus sehen lassen. Das Heist-Moment macht sogar noch den längst überfälligen Retrosprung zur Eurospy-Welle zehn Jahre zuvor. Lediglich der Yakuza-Schmu nervt wie eh und je, da starr und dumm. Minimale Comedy-Katastrophen gibt es lediglich bei der Diamantenabzocke durch die Kirschenbande, ansonsten hält sich Sekimoto löblich zurück. Und genau wie in GIRL BOSS: MANO-A-MANO nimmt er sich hier statt eines Picknicks noch die schöne Exploitation-Auszeit des Nacktbadevergnügens, das mit einem nicht-instrumentalen Gegenkultur-Schmalzlied des Prog-Rockers Kuni Kawachi unterlegt wurde (Leider konnte ich den Titel hierfür nicht herausfinden, da mal wieder nicht im Vorspann genannt).
Es ist aber leider nicht von der Hand zu weisen, dass sich beim Zuschauer beim Betrachten der Sukeban-Reihe und ihren etwa fünfzig Ablegern eine gewisse Redundanz abzeichnet. Dass Drehbuchautor Isao Matsumoto hier auf der sechzigsten Seite seines Scripts bemerkt hat, dass der Film schon vorbei ist und er erneut Mayumi einführt, um sie abzuschlachten, ist einfach scheiße. Ansonsten glänzt das Script mit einem fast schon nostalgischen Blick auf die Zeit zurück, als die Bösen nur Böse und das Straßenkötertum das Nonplusultra war. Aus diesem kriminellen Subkulturdasein der Mädchenbanden können wohl serien-intern nur zwei Perspektiven folgen. Der Rückzug ins Private oder der Drang zur Berufskriminalität. Beides wird in GIRL BOSS: CRAZY BALL GAME thematisiert, beides scheint nicht die Lösung zu sein. Mayumi büßt die Sehnsucht nach einem normalen Durchschnittsleben mit ihrem Leben und ganz zum Schluss wird der Sprung zum Profi-Verbrecher durch den Beuteverzicht aus Kodexgründen negiert. Der Sukeban-Stillstand darf weiter zelebriert werden.

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Was GIRL BOSS: CRAZY BALL GAME u.a. so sympathisch macht, ist, dass Yuko Kano endlich wieder das toughe Mädchen verkörpert, das manch anderem Eintrag fehlte. Sie darf sogar mehrere Male den Sukeban-Kodex betonen, was den Vorgängern nur im Ansatz vergönnt war: Die Verweigerung Kyokos, die schwangere Mayumi wieder in die Bande aufzunehmen, die finanzielle Unterstützung von Mayumi durch Bandengeld und natürlich der etwas arg romantisierende Schluss, dass Unabhängigkeit und täglicher Überlebenskampf wichtiger als jedes Geld dieser Welt seien. Ikuo Sekimoto gelingt sogar, was Suzuki bis auf einen Ansatz in QUEEN BEE’S CHALLENGE immer egal war: Sogar die bösen Mädchen haben hier Gefühle: Das zeigte sich schon mit Ryoko Emas Geschwisterdilemma im Vorgänger. Hier wird die Figur der Mina mit dem Aufgeben beim finalen Catfight etwas ambivalenter und fast schon liebenswert.
Was aber im Vergleich zu den meisten Sukeban und vor allem zu seinem Vorgänger hervorsticht, ist das erneute Anziehen der Gewaltschraube (Gab es da etwa Schelte wegen Nettigkeit seitens der Produzenten beim sechsten Teil?): Nicht nur, dass einige Gewaltszenen die peckinpah’sche Zeitlupe nutzen, die Gewalt selbst ist verglichen mit den vorherigen Teilen fieser. Dass Mayumi so verdroschen wird, dass ihr zwischen den Beinen das Blut ihres Abgangs herausspritzt, obwohl sie nur ein paar Sekunden später sowieso erschossen wird, ist sogar im Pinky Violence-Kosmos arg asozial. Auch dass Yuki nicht wie sonst einfach nur abgestochen, sondern totgeprügelt wird, ist nicht nett. Einmal ist der Comic-Gewalt-Charakter sogar schizophren. Foltern gehört zwar mittlerweile zum Standard bei Sukeban-Filmen, doch Kyokos Vergewaltigung fehlt größtenteils der Exploitation-Gehalt der Vorgänger. Das ist nicht glorifizierend inszeniert. Fast noch schlimmer ist allerdings der Moment, wenn einer der Yakuza den Abbruch des Gang-Rapes nicht aus Mitleid fordert, sondern weil sich die Vergewaltiger um Wichtigeres, nämlich die Diamantenbeschaffung, kümmern sollen. Schizophren ist die Szenenfolge deshalb, weil Kyoko direkt danach Goro zu Sex auffordert, dieser aber erst nach einer Exploitation-Szene-De-Luxe, nämlich einer schwelgerischen Duschszene, dazu bereit ist.
Fazit: Auch wenn manche Drehbuchwendungen gekünstelt wirken, liefert Ikuo Sekimoto mit dem letzten Sukeban noch einmal ein Feuerwerk an alten und neuen Einfällen ab. Yuko Kano ist nicht nur glaubwürdig, sondern eine großartige Mischung aus „Harte Schale, ehrenhafter Kern“. GIRL BOSS: CRAZY BALL GAME ist der würdige Abschluss des interessantesten Trends des japanischen Kinos der 70er Jahre.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 2+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S COUNTERATTACK (Norifumi Suzuki)
DER TIGER VON OSAKA (Yukio Noda)
GIRL BOSS GUERILLA (Norifumi Suzuki)
mochten

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