GIRL BOSS: MANO-A-MANO (Sukeban: taiman shobu)

1974-1-15(SUKEBAN 6) GIRL BOSS MANO-A-MANO
Japan 1974
Regie: Ikuo Sekimoto
Drehbuch: Tatsuhiko Kamoi, Masahiro Shimura
Produzent: Naoyuki Sugimoto
Kamera: Shin Furuya
Musik: Kenjiro Hirose
Song: Carol „Funky Monkey Baby“
Sukeban-Darsteller (nach Rollengewicht sortiert): Reiko Ike (Keiko), Ryoko Ema (Eri), Ritsuko Fujiyama (Miwa), Rika Sudo (Yukie), Rena Ichinose (Setsuko), Harumi Tajima (Harumi), Jun Aida (Mitsuyo), Keiko Takano (Yuki), Midori Shirakawa (Kiyoko).
Übriger Cast: Tsunehiko Watase (Kuroki), Toru Abe (Oshima), Tadashi Naruse (Kenichi, Schrotthändler), Mitsuko Aoi (Mayumi, Oshimas Nr.2), Yasumori Hikita (Watanabe), Toru Yuri (Mimura), Kinji Nakamura (Endo), Hachiro Oka (Sexkinogast), Miki Nakai (Kyoko), Rie Saotome (Nobuko)
87 min

„Wenn zwei Typen mit der selben Frau schlafen, werden sie Brüder genannt. Was heißt das wohl für dich und Keiko?“ (Yakuza zu Eri)

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Zum Geleit: Der sechste Sukeban wird aus unerfindlichen Gründen des Öfteren als DIAMOND SHOWDOWN gelistet, was absolut hanebüchen ist, da weder im japanischen Titel noch in der Geschichte irgendwelche Diamanten vorkommen (sehr wohl aber im siebten Teil: Da hat wohl jemand was verwechselt). Der japanische Titel heißt eigentlich „Mann gegen Mann“, was bei Frauenkloppereien aber auch eher unsinnig wäre. Wer auch immer die geschlechtsneutrale Übersetzung Mano-a-mano wählte, hat den Kern gut getroffen, denn Catfights gibts in GIRL BOSS: MANO-A-MANO einige.
Die Koryphäen des Pinky Violence waren Norifumi Suzuki und Teruo Ishii. Munter sprangen sie dabei zwischen Jidaigeki (also Rentnerfilmen, die in der Edozeit spielten) und Gendaigeki (über das moderne Japan, die eher die junge Generation adressierten) hin und her. Doch es gab noch drei weitere Regisseure, die ganz erfolgreich Pinky Violence bedienten bzw. versuchten, das Genre wiederzubeleben.
Makoto Naito war Wegbegleiter der Erstgenannten, wobei er fast nur auf Gendaigeki spezialisiert war. Yuji Makiguchi durfte zu Hochzeiten des Genres nur als Regieassistent arbeiten, inszenierte aber ab 1975 einige Nachwehen, die sich mit viel Sex, extremer Gewalt und extrem dummem Humor hervor taten.
Ikuo Sekimoto, der vorher ganz klassisch als Drehbuchautor und Regieassistent Erfahrungen gesammelt hatte, feierte mit den letzten beiden Sukeban seinen Regie-Einstand, wobei sich sein Grundton eher an Norifumi Suzuki als an Sadao Nakajima orientierte.
Mit Nakajimas GIRL BOSS: ESCAPE FROM REFORM SCHOOL bekam Miki Sugimoto ihren eigenen Eintrag in der Reihe kredenzt, in GIRL BOSS: MANO-A-MANO war jetzt Reiko Ike dran. Und Sekimoto haute gleich in die Vollen. Soviel Einstecken wie in den ersten sechs Minuten bis zu den Credits musste die Prügel-Ikone Ike noch nie am Stück.

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GIRL BOSS: MANO-A-MANO fängt direkt mit einer Sexszene an. Yakuzaboss Oshima bumst seine Geliebte Mayumi. Plötzlich kommt Keiko (Reiko Ike) ins Schlafzimmer gestürmt, mit einem Messer bewaffnet, um Oshima abzustechen, da er wohl für den Tod ihrer Schwester verantwortlich war. Im folgenden Gefecht gibt es den schon fast klassischen Toei-Lichtwechsel inklusive Verschwinden der Kulissen, die Szenerie wird abstrakt. Als Keiko den bösen Yakuza absticht, spritzt das Blut so lange gegen die Kamera, bis sich die komplette Leinwand rot gefärbt hat.
Da wacht Keiko schreiend auf, es war nur ein Traum, oder besser: Eine Erinnerung, wie sich bald herausstellt. Keiko sitzt im Knast in einer Sammelzelle. Da ihr Gebrüll auch die Zellengenossinnen geweckt hat, wird sie so richtig vermöbelt, vor allem von der Sukeban Miwa. Bei der Essensausteilung am nächsten Tag gleich wieder: Zuerst kriegt Keiko aufs Maul, dann ihren Reis ins Gesicht und wird schließlich gezwungen, selbigen vom Boden zu fressen. Szene 4 zeigt eine nackte, gefesselte, bibbernde Keiko in der Sammelzelle. Miwa scheint erneut dafür verantwortlich zu sein. Sie teilt Keiko mit, dass sie in drei Tagen rauskommt. Sollte Keiko ein Hühnchen mit ihr zu rupfen haben, sei sie jederzeit willkommen, sich bei ihr, Miwa, der Sukeban der sog. Sonnenblumen-Bande zu melden.
Jetzt erscheinen die Credits, allerdings ohne Filmtitel. Die Szenen, die in den Vorspann montiert wurden, zeigen, wie Keiko nach und nach vom Küken zur angesehenen Sukeban im Gefängnis aufsteigt. Der Titel erscheint schließlich doch ganz am Ende der Credits, als Keiko den Knast verlässt.
Nicht weit vom Knast entfernt trifft sie auf die ehemalige Zellengenossin Yukie, die zusammen mit ihrer besten Freundin Setsuko, einer ehemaligen Hostess, in einem Zelt haust, da sie ihr Vater nach dem Knast sofort vor die Tür gesetzt hat. Die drei trampen in die Stadt und werden von dem Mechaniker Kenichi in dessen Schrottkarre mitgenommen.
Als sich die drei Mädels anschließend in einem Restaurant den Wanst vollfressen und nicht zahlen können, kommen Yakuza an und wollen eine Million Yen für das opulente Mahl. Doch Keiko ist hart wie Kruppstahl. Als der Name Oshima fällt, fragt Keiko, ob denn die Narbe an Oshimas Wampe immer noch jucke. Der Konflikt ist somit vorprogrammiert, Keiko hat eine Woche die Kohle zu beschaffen, und Setsuko wird bis dahin als Geisel behalten.

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Doch Setsuko muss warten, denn das Hühnchen mit Miwa steht noch aus. Keiko und Yukie locken die Sonnenblümchen an, indem sie ein paar Girlgang-Mitglieder ausrauben. Die restliche Bande lässt nicht lange auf sich warten. Nachdem sich alle ordentlich auf die Glocke gegeben haben, offenbart sich, dass Miwa das Sukeban-Dasein hingeschmissen hat und Eri (wie immer die Böse: Ryoko Ema) jetzt Sukeban ist. Naja, Catfight Keiko-Eri folgt, Eri verliert, Keiko jetzt Chefin, Eri sackig, das Übliche also.
Jetzt, da Keiko die Obersonnenblume ist, geht sie mit Yukie und den Neuzugängen Mitsuyo, Kiyoko und Yuki ein bisschen Geld eintreiben, und zwar von Setsukos Hostess-Zechprellern.
Gerade als Oshima einen Immobiliendeal abwickeln will, indem er seinem Geschäftspartner Setsuko verscherbeln will, knallt Keiko die Million auf den Tisch. Setsuko ist somit ausgelöst, aber das war es dann auch schon mit dem ach so ehrenvollen Yakuza-Kodex. Oshima juckt die Narbe auf der Wampe doch eher sehr, sodass Keiko im Getränkelager von den Yakuza verdroschen wird. Gerade als sie Keiko auch noch vergewaltigen wollen, kommt Kuroki dazwischen, ein Yakuza von der Kanto-Gang, die über Oshimas Bande steht, und die den Immobiliendeal veranlasst haben.
Jetzt wird es ähnlich wirr wie bei Norifumi Suzuki, aber immerhin etwas ungewöhnlich für Sukeban-Verhältnisse. Kuroki stellt sich nach einigem Hin und Her als der verschollene Bruder von unserer bösen Eri heraus, was er Keiko nach einem sexuellen Stelldichein erklärt. Doch weil Eri nichts davon weiß und ihr von den Yakuza eingeredet wurde, dass sie Kuroki in ihrem Vollsuff vergewaltigt habe, will sie ihn und Keiko abschlachten. Das passiert ausgerechnet in der Autowerkstatt von unserem Schrottautofahrer Kenichi, hinter dessen Werkstatt die Yakuza wegen dem Immo-Deal her sind. Zusätzlich ist Kenichis Liebling auch noch die Ex-Sukeban Miwa, die ihm zuliebe der Kriminalität abgeschworen hat, was alles noch komplizierter macht. Kurz bevor sie sich massakrieren, wird aber die Geschwisterkonstellation um Eri und Kuroki dann doch denselbigen mitgeteilt und fast ist alles gut. Doch wo wäre jetzt der Vorwand fürs finale Massaker? Aha, da kommen auch schon die Yakuza um die Ecke gefahren und ballern Brüderchen und Schwesterchen ab. Auch Kenichi muss dran glauben, als er Miwa vor einer Vergewaltigung durch die Yakuza retten will. Und was heißt das laut Sukeban-Milchmädchen? Yep, fast alle Männer sind tot, jetzt muss nur noch das Yakuza-Quartier gestürmt werden, damit auch bloß kein Männlein übrig bleibt. Und so ist es auch. Oshima wird in seinem Auto zu einem Kubikmeterwürfel gepresst, bevor die Mädels mampfenderweise auf Kenichis Abschleppwagen in den Sonnenuntergang reiten.

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Ikuo Sekimoto macht seine Sache gut, sogar ziemlich gut. Allein der Stakkato-Anfang sichert einige Pluspunkte. Ebenso, dass er in dem ganzen Wirrwarr noch die Zeit findet, eine Szene unterzubringen, in der unsere sechs Girlies mit dem Fahrrad aufs Land fahren, picknicken und zum Schluss wilde Hunde einfangen, die sie gebraten an einem Würstchenstand verkaufen. Dann ist da noch die obligatorische japanische Pinkelszene, die insofern überspitzt wird, da die pinkelnde Harumi vor Rausch in der eigenen Pisse einpennt.
Begrüßenswert ist auch, dass Sekimoto zwar etwas von Suzukis Genre-Gehoppe vererbt bekam, aber nicht seinen tumben Humor. Bis auf eine widerliche Grimassier-Szene mit Ober-Comedytrottel Hachiro Oka, der in einem Sexkino Kiyoko unter den Rock fasst, während ihm Mitsuyo einen runter holt, halten sich komödiantische Unfälle in Grenzen. Die Girlgang wird wie bei Norifumi so nebenbei charakterisiert, wobei auf manche mehr, auf manche weniger Gewicht gelegt wird. Und auch von den Bildern her kann Sekimoto mit einigen äußerst gelungenen Kompositionen glänzen.
Alles in allem also eine runde Sache, die durchaus Kurzweil bescheren würde, wenn wir nicht schon das Jahr 1974 schreiben würden. Dafür ist GIRL BOSS: MANO-A-MANO dann fast zu harmlos. Der Fokus lag bei Sekimoto dann auch mehr auf Gewalt als auf Sex, aber die Intensität derselbigen war rückläufig. Der Boom war so gut wie vorbei, sogar der vierteilige Sukeban-Spin-Off TERRIFYING GIRLS HIGH SCHOOL lag schon in der Vergangenheit. Wer nicht schon Sonny Chibas Karate-Gekloppe oder Motorrad-Bandenfilmen hinterherlief, für den waren noch die beiden Endpunkte der Welle, SCHOOL OF THE HOLY BEAST und DER TIGER VON OSAKA, von Interesse, ansonsten hatte sich der Wahnsinn für Toei erledigt. Potenzielles Zielpublikum musste wohl oder übel bis zur Vergewaltigungs-Pentalogie des Yasuharu Hasebe der Konkurrenz Nikkatsu 1976 warten.

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Was noch? Zuerst dachte ich, dass in den Credits diesmal die Musikeinlagen vergessen wurden, was aber wohl schon damals am Management der Rockabilly-Truppe Carol gelegen haben muss. Denn das Girlie-Picknick wurde mit ihrem Hit „Funky Monkey Baby“ unterlegt, aber eben nicht genannt. Die Plattenfirma wird übrigens auch als Grund für das Nichterscheinen der DVD von Makoto Naitos Pinky Violence-Klassiker BANKAKU ROCK im Jahre 2011 vermutet, denn diese wurde kurz vor dem Veröffentlichungstermin wieder zurückgezogen. Auch hier waren einige Songs von Carol vertreten.
Das mit den Rollenangaben ist auch so eine Sache. Mir ist schon des Öfteren aufgefallen, dass Toei falsche Angaben in ihren Credits haben (Ich gehe einfach mal davon aus, dass diese ihren Ursprung bei Toei selbst haben müssen, da alle japanischen Quellen dieselben Fehler aufweisen). In GIRL BOSS: MANO-A-MANO wird Rika Sudo immer mit Yukie angesprochen, steht aber als Sachie Matsuo in den Credits. Da die zweite Yuki im Film aber nie mit Namen angeredet wird, könnte das einfach mal verwechselt worden sein, genauso wie z.B. die Schnulzenträllerin Hiromi Sairaiji im ersten Sukeban als Midori Yamada genannt wird. Aber das mal nur so am Rande.
GIRL BOSS: MANO-A-MANO taugt jedenfalls, aber „Watch out for Sukeban 7“, denn das ist der bessere Sekimoto und der sehr würdige Abschluss der Reihe.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S COUNTERATTACK (Norifumi Suzuki)
GIRL BOSS GUERILLA (Norifumi Suzuki)
TERRIFYING GIRLS’ HIGH SCHOOL: WOMEN’S VIOLENT CLASSROOM (Norifumi Suzuki)
mochten

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