GIRL BOSS REVENGE (Sukeban)

1973-1-13(SUKEBAN 4) GIRL BOSS REVENG
Japan 1973
Regie: Norifumi Suzuki
Drehbuch: Norifumi Suzuki, Takayuki Minagawa, Kiyohide Ohara
Produzent: Kanji Amao
Kamera: Toshio Masuda
Musik: Masao Yagi
Songs: Miki Sugimoto „Onna bancho nagaremono“, Hiromi Sairaiji „Kyodai“
Sukeban-Darsteller (nach Rollengewicht sortiert): Miki Sugimoto (Komasa), Reiko Ike (Maya), Ryoko Ema (Ryoko), Hiromi Sairaiji (Momoko), Misuzu Ota (Suzue), Naomi Oka (Ranko), Rika Sudo (Mine, Untersukeban Schulmädchen), Rena Ichinose (Kazumi), Midori Hiro (Tomoe), Emi Jo (Yuki), Jun Midorikawa (Ritsuko)
Übriger Cast: Hiroshi Miyauchi (Tatsuo), Ichiro Araki (Ichiro), Bin Amatsu (Hirotake Yodo, Yakuzaboss), Masataka Naruse (Shuji), Naito Katsumasa (Mikami), Tatsuo Endo (Shozo Ninomiya), Yoko Mihara (Fumiko Ninomiya), Hiroshi Nawa (Bando)
87 min

Miki Sugimoto 7: „Ihr Yakuza redet immer nur von Ehre, wir Sukeban halten auch etwas davon.“ (Komasa)

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Als Norifumi Suzuki gefragt wurde, warum er die Sukeban- und Kyofu-Joshikoko-Reihen an andere Regisseure abgegeben habe, meinte er, er hätte das Gefühl gehabt, dem Genre nichts mehr hinzufügen zu können. Das ist z.B. GIRL BOSS REVENGE mehr als deutlich anzumerken, denn da ist sie wieder: Die Flapsigkeit. Ähnlich schlimm wie beim zweiten Sukeban. Auch hier schreien wieder Desinteressen beim Drehbuchschreiben (und das, obwohl sogar diesmal noch ein dritter Autor mitgeholfen hat) und an einer runden Inszenierung um Hilfe. Das lässt schon der Titel erahnen: Diesmal einfach nur noch „Sukeban“, weil eh schon wurscht. Doch hier erst mal die Geschichte.
Ein Gefängnisbus mit zehn weiblichen jugendlichen Straftätern ist auf dem Weg ins Gefängnis. Im Bus geraten Komasa (Miki Sugimoto) und Ryoko (Ryoko Ema) aneinander, inklusive Sukeban-Gruß, werden aber von Maya (Reiko Ike) beschwichtigt. Auf einer Anhöhe kippt ein LKW vor ihnen leere Ölfässer aus, die den Gefängnisbus stoppen. Im folgenden Durcheinander stellt sich heraus, dass der LKW von Ryokos Lakaien gefahren wird. Ryoko flüchtet auch sofort. Alle anderen Mädels nutzen das Chaos ebenfalls zur Flucht zu Fuß. Ein Vierergrüppchen, bestehend aus Komasa, Momoko, Suzue und Ranko schlägt sich u.a. durch einen Steinbruch, in dem gerade eine Sprengladung explodiert.
Komasa will nach Osaka, damit der vierte Sukeban erneut in einer anderen Stadt spielen kann. Da die anderen drei Mädels nicht wissen, was sie mit ihrer Freiheit anfangen sollen, würden sie gerne mitkommen, mit Komasa als Sukeban. Die drei Girls stellen sich ihr und uns vor: Momoko (Hiromi Sairaiji) hat schon in QUEEN BEE’S COUNTERATTACK ein Liedchen geträllert. Hier wurde sie von ihren Eltern rausgekickt und singt gerne, was uns später noch ein erneutes Jammerlappenliedchen von ihr bescheren wird. Die Hünin Suzue (Misuzu Ota) ist neu im Sukeban-Universum und die Tochter eines Bullen. Ranko (Naomi Oka) ist eine nymphomane Ex-Nonne, was sie uns durch das Verschieben einer Perücke vorführt, unter der zwei Zentimeter lange Haarstoppel zum Vorschein kommen.
Kurzer Exkurs: Naomi Oka spielte die Nonne-goes-Sukeban im dritten Sukeban-Film GIRL BOSS GUERILLA. Im Trailer dazu wurde eine HOLY MOUNTAIN-ähnliche Kahlscher-Szene mit ihr verbraten, die es nicht in den fertigen Film geschafft hat. GIRL BOSS REVENGE erschien nur fünf Monate später (mit erneut zwei Suzuki-Filmen dazwischen): Nur ein weiteres Beispiel für das hohe Arbeitstempo. Es wurde schneller gedreht als Haare wachsen können. Bezüglich Jodorowskys HOLY MOUNTAIN: Hier zitierte keiner den anderen, da beide Filme 1972 gedreht wurden und Jodorowskys Film erst 1973 in Cannes Premiere hatte. Also blanker Zufall, bzw. eher ein Hinweis auf den Post-Hippie-Buddhismus-Hype weltweit.
Die Mädels haben sich also vorgestellt und Komasa gibt der neuen Truppe den Namen Jipushi („Gypsies“). Jetzt erst folgen die Credits, unter denen wir die Vier durch Osaka flanieren sehen. In GIRL BOSS REVENGE könnte es jetzt noch wilder zugehen als in allen anderen Sukeban vorher, denn die Jipushi haben gleich mit zwei Yakuza-Gangs und zwei Girlgangs zu tun. Doch das löchrige Drehbuch dezimiert das sehr schnell.
Maki ist die Sukeban einer Schulmädchen-Gang, ist aber verschütt seit dem Gefängnisbusvorfall, weshalb Mine ihren Job übernommen hat. Maki ist bei den Hokuryukai, den Ober-Yakuza, etwas unbeliebt, da sie deren Boss versucht hat, abzustechen. Ihr Stecher wiederum ist Tatsuo mit einer Yakuza-Unterbande: Er ist mit Maki liiert, seit er sie vor einer Vergewaltigung durch die Hokuryukai gerettet hat, jetzt aber zwei Millionen Yen wegen der Messer-Aktion auftreiben muss, um Maki freizukaufen.

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Es gibt noch eine kleine Nebenhandlung um den Pornobildchen-Verkäufer Ichiro, der nicht nur ein alter Freund von Tatsuo ist, sondern auch noch gerne Komasa als Darstellerin in seinen Super-8-Pornos hätte. Um Eindruck bei ihr zu schinden, verführt Ichiro ihr und den Jipushi zuliebe noch die Ehefrau des Regierungsbeamten Ninomiya, bannt das auf 8mm und zeigt Ninomiya das fertige Produkt, mit Beethovens Neunter untermalt. Die Erpressung geht nach hinten los, weil (wie wir aus allen anderen Sukeban-Filmen vorher gelernt haben) Erpresste immer unter dem Schutz der jeweiligen Ober-Yakuza stehen.
Die Jipushi geraten neben solchen Problemen auch mit der Schulmädchen-Bande aneinander, doch nach einem Gerangel kommt auch noch die weitaus gefährliche Kurokikudan-Bande unter Führung von Ryoko hinzu, so das sich zweimal hintereinander im Film gekloppt werden kann. Die Kurokikudan sind Lakaien der Hokuryukai und sollen für sie Mädels ranschaffen, für ihren Türkisch-Bad-Puff. Es kommt ähnlicher Käse wie in QUEEN BEE`S CHALLENGE, d.h. die Jipushi und die Schulmädchen werden eingesackt, um im Puff zu arbeiten. Ryoko fährt den LKW dahin. Aber Komasa, die sich aus unerfindlichen Drehbuchgründen nicht nur einmal mit den Yakuza anlegt und deshalb auch eine langwierige Foltersitzung erdulden muss, kann alle Mädels befreien. Zusätzlich hat sie auch noch Makis Tatsuo angebumst, was jetzt Maki doppelt unglücklich macht, denn Komasa will die Schulmädchen in ihre Bande integrieren. Es kommt zum Catfight, der aber vom rückgratlosen Tatsuo abgebrochen wird, da er Maki beim Ober-Yakuza anschleppen soll, damit dieser sie endlich vergewaltigen kann, was auch dann passiert. Aber Komasa befreit Maki (Sukeban-Solidarnosc oder so), weil sie mehr Kodex als Tatsuo in sich hat. Blöd ist nur, dass Momoko bei der Befreiungsaktion draufgeht. Maki wiederum ist sackig auf Tatsuo, dass er sie für die Vergewaltigung verscherbelt hat, und will ihn in einem leeren Stadion abschlachten. Doch sie hat ein zu weiches Herz und leckt ihn lieber ab. Gottseidank wird er aber dennoch von einem Yakuzakiller direkt im Stadion erschossen, sodass Maki und Komasa jetzt einen Vorwand haben, in einer äußerst langweiligen Action-Szene das Yakuza-Hauptquartier zu stürmen, einige abzumurksen und die ganze Chose in die Luft zu jagen. Die Schlussszene ist dann noch mäßig witzig, da die verbleibenden vier Girls, also Komasa, Maki, Ranko und Suzue ein Feuerwehrauto, ein Polizeiauto, einen Tanklaster und einen Leichenwagen geklaut haben, mit denen sie in den Sonnenuntergang brettern. Amen.

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Wie auch QUEEN BEE’S CHALLENGE ist auch GIRL BOSS REVENGE kein schlechter Vertreter der Girlgang-Filme, wenn man nicht weiß, dass es auch anders geht. Am Augenscheinlichsten ist die Folterdauer an unserer Hauptdarstellerin Miki Sugimoto: Die Schänderei im zweiten Film dauerte lediglich 40 Sekunden, im dritten Teil waren es schon knapp zwei Minuten und beim vierten Teil wird die klassische Popsongmarke von fast vier Minuten erreicht. Es ist eine Sache, vor allem im Exploitationfilm, auf die Gelüste des Zielpublikums einzugehen, aber es ist bedauerlich, wenn Streckung und Intensität solcher Szenen deshalb immer mehr ins Gewicht fallen, um andere Schwachpunkte aufzufangen: Zuuum Beispiel die Quotenbösewichtin Ryoko, die einfach für die letzte halbe Stunde aus dem Film verschwindet (Nach Komasas Befreiungsaktion muss sie jetzt mit ihren Mädels als Strafe im Puff arbeiten), das aufgesetzte Interesse der Momoko, bei der Rettung Makis dabei sein zu wollen, wo jeder Depp weiß: Die wird jetzt hops gehen, damit sich gerächt werden kann. Der noch dümmere Sinneswandel der Maki, ihrem hochgradig rückgratlosen Liebhaber noch die 2042.Chance zu geben, nur um vom Drehbuch her eine Rechtfertigung für das Quotenmassaker zu haben.
Dann sind da wieder die Weibchen-Krankheiten. Maki ist nicht wirklich für Voll zu nehmen, lediglich Miki Sugimotos Rolle der Komasa knüpft zumindest im Ansatz an das Tough-Chick-Gehabe des dritten Teils an. Weiter geht es mit der relativen Lieblosigkeit der Bildgestaltung: Für die Screenshot-Suche zum dritten Teil musste ich Einiges aussortieren, hier war ich froh, auf sechs einigermaßen vorzeigbare Bilder zu kommen.
Suzuki ist nach Nonstop-Pinky-Violence sichtlich müde geworden. Zwischen Sukeban 3 und 4 wurden noch der erste Kyofu-Joshikoko TERRIFYING GIRLS’ HIGH SCHOOL: WOMEN’S VIOLENT CLASSROOM und der Edo-Klamauk THE LUSTFUL SHOGUN AND HIS 21 CONCUBINES gedreht.

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Alles spricht hier dafür, dass Suzuki geistig schon eher an den überaus gelungenen Doppelabschluss dieser Turbo-Kreativphase seines Lebens dachte, nämlich SEX AND FURY (Februar 1973) und TERRIFYING GIRLS’ HIGH SCHOOL: LYNCH LAW CLASSROOM (März 1973), noch einmal zwei Meilensteinen des Pinky Violence, die das unglaubliche Pensum von zwölf Filmen in zwanzig Monaten abgeschlossen haben. Danach zog er von Kyoto nach Tokio, um für das Toei-Mutterschiff zu arbeiten (Der Einstand dort war für ihn allerdings nicht so einfach, aber das ist eine andere Geschichte).
Was gibt es zu GIRL BOSS REVENGE sonst noch zu sagen? Dass natürlich noch viel mehr Girlies theoretisch anwesend waren, als die sechs hier mit Screenshots, diese aber wieder so Null eingeführt wurden, dass weder Screenshot-, noch Namenszuordnung möglich waren. Auf dem Achtergrüppchen-Foto ist die dritte Emi Jo, Rika Sudo die vierte und die sechste Midori Hiro, der Rest steht in den Sternen, aber nicht in den Credits. Yoko Mihara und Hiroshi Nawa sind auch wieder mit dabei und der Pornobildchen-Käufer ist Komimasa Tanaka, ein extrem angesehener Schriftsteller Japans.
Der einzige Pluspunkt von GIRL BOSS REVENGE gegenüber allen vorangegangenen Teilen ist der fast vollständige Verzicht auf Klamauk, aber das rettet dann in der Summe der einzelnen Teile auch nicht mehr wirklich was.
Ich möchte die Besprechung hier mit der Reihung 3-1-4-2 schließen, was die Güte-Reihenfolge von Norifumis Sukeban-Beiträgen abkürzen soll. Weiter geht es mit dem fünften Teil von Sadao Nakajima, der mit fast dokumentarischen Inszenierungen bekannt wurde, weshalb auch Nr. 5 dank Geschichte und Regie eher als Sukeban 0 durchgehen würde.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 20:80

Schulnote: 3

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S CHALLENGE (Norifumi Suzuki)
GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S COUNTERATTACK (Norifumi Suzuki)
TERRIFYING GIRLS’ HIGH SCHOOL: WOMEN’S VIOLENT CLASSROOM (Norifumi Suzuki)
mochten

Alle Screenshots dieser Review stammen von der japanischen Toei-DVD, die zwar die üblichen Toei-Krankheiten vorzuweisen hat, aber nicht so schlimm wie sonst. Das Bild ist relativ scharf, der berüchtigte Toei-Grün/Blau-Schimmer nicht ganz so offensichtlich. Untertitel (keine), Preis (Wucher) und Extras (1 Trailer) leider so erbärmlich wie beim Vorgänger.
Die amerikanische DVD von Media Blasters wurde nicht mit so viel Liebe angefertigt wie GIRL BOSS GUERILLA von den Panik House Kollegen. Das Bild ist manchmal sehr unscharf, der Kontrast ist zu hoch, die Farben tendieren zu sehr ins Blau und am rechten Bildrand rattert den ganzen Film über fast so etwas wie ein VHS-Streifen durch. Leider ist auf dieser DVD aber ein extrem informatives Interview mit Norifumi Suzuki, dass aber auch auf youtube veröffentlicht wurde. Beide DVDs sind also suboptimal, weshalb ich mich für das geringere Übel entschlossen habe.
Beispiel siehe hier:
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Toei-DVD oben, Media Blaster-DVD unten
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