GIRL BOSS GUERILLA (Sukeban gerira)

1972-8-12(SUKEBAN 3) GIRL BOSS GUERILLA
Japan 1972
Regie: Norifumi Suzuki
Drehbuch: Norifumi Suzuki, Takayuki Minagawa
Produzent: Kanji Amao
Kamera: Shigeru Akatsuka
Musik: Toshiaki Tsushima
Songs: Miki Sugimoto „Onna bancho nagaremono“, Morio Agata „Sekishoku ereji“
Sukeban-Darsteller (nach Rollengewicht sortiert): Miki Sugimoto (Sachiko), Reiko Ike (Nami), Ryoko Ema (Rika), Chie Kobayashi (Ukiko), Emi Jo (Yuki), Rinda Kimoto (Linda), Naomi Oka (Okei), Miwako Onaya (Tatsumi), Midori Hiro (Yasu), Kaya Hozumi (Nobuko), Kyoko Tsukasa (Kazuko)
Übriger Cast: Tadashi Naruse (Ichiro), Toru Abe (Tsutsui), Shotaro Hayashi (Nakahara), Michitaro Mizushima (Boxtrainer), Natsuko Miura (Chizuko), Hachiro Oka (Takemi), Hiroshi Nawa (Buddhistischer Priester), Yoko Mihara (Nonne), Morio Agata (Morio Agata)
84 min

Miki Sugimoto 6: „Wenn es um Kohle geht, gibt es keine Regeln. Wir befolgen zwar die Regeln unserer Bande, aber brechen alle gesellschaftlichen.“ (Nami)

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Kann eigentlich ein Film schlecht sein, der sich u.a. die Mühe macht, den Inhalt eines Plumpsklos auszuleuchten? Natürlich nicht.
Norifumi ist zurück. Nach dem etwas schwachen zweiten Sukeban läuft er mit GIRL BOSS GUERILLA zur Höchstform auf. Hier ist alles noch etwas sexyer, brutaler, wilder, eben grotesker, als man es sowieso von ihm gewohnt ist.
Die Sukeban Sachiko sowie Linda, Yuki und Ukiko, ihre Tokioter Mädchenbande „Akanoherumetto“ (Rote Helme), machen einen Motorradausflug nach Kyoto, in die Heimat von Linda. Dort steht gerade das Gion-Festival an.
Kurzer Exkurs: Das Gion Festival (Gion Matsuri) ist eines der größten Feste Japans und dauert den ganzen Juli über an. Die meisten Szenen des Films wurden außen, also „on Location“, gedreht. Das nur als Beispiel für das damalige Arbeitstempo, denn GIRL BOSS GUERILLA hatte seine Premiere am 12. August 1972.
Für unsere kriminellen Mädels ist also das Gion-Fest eine ideale Möglichkeit, ein paar Touristen abzuzocken. Direkt, als sie in die Stadt einfahren, werden sie von vier Motorrad-Viertelstarken angemacht. Auf einem Schotterplatz entblößt Sachiko ohne Umschweife eine tätowierte Brust mit ihrem Bandentattoo, was die Jungs schon mächtig beeindruckt. Doch statt Würstchenversenkung werden die Bubis von der Mädchengang verprügelt. Das Revier ist somit markiert, jetzt heißt es für die Bande, Spesen für Kyoto zu besorgen. Sachiko macht sich an den Trottel Takemi (Hachiro Oka, der nicht nur die Anfangsszene von QUEEN BEE’S CHALLENGE als Freier mit Overacting versaute, sondern noch etwa zwanzig weitere Toei-Filme zu jener Zeit) ran und bumst ihn auf einem Friedhof neben dem Grab seiner toten Frau, „weil sie das irgendwie anmacht“. Yuki macht Fotos von Touristen gegen Geld, ohne es vorher mit ihnen abzusprechen. Linda beklaut Anti-Atom-Hippies und Ukiko bumst einen Büroangestellten, den sie sich am Eingang eines Sexkinos aufgerissen hat. Doch weil sie generell etwas nymphoman und tumb ist, vergisst sie, abzukassieren, wofür sie von der Gang gerügt wird.
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Beim Flanieren durch Kyoto wird die Bande Zeuge, wie eine andere Mädchengang ein paar Schülerinnen ausnimmt. „Ein bisschen Fuß fassen in Kyoto ist ja so schlecht nicht“, denken sich die Rothelme, weshalb Yuki mal eben Yasu aus der anderen Bande verprügelt. Yasus beste Freundin Tatsumi räumt deren Überreste weg und klärt dann Sachiko auf, dass sich in Kyoto die Jungsverprügelung der Rothelme schnell herumgesprochen hat, weshalb Sachikos Bande den Girl-Gangs von Kyoto vorgestellt wird. Derer sind da einige, weshalb die Rothelme vor einer Horde von gut zwanzig Mädels stehen. Die Ober-Sukeban ist Rika (die arme Ryoko Ema, die aufgrund ihres herben Aussehens immer als die Böse herhalten muss) und es folgt die Sukeban-Begrüßung sowie der Catfight zwischen Rika und Sachiko, selbstverständlich mit T-Shirt-Zerfetzung. Nach ihrem Sieg muss aber Sachiko feststellen, dass die Kyoter auf den Kodex der Sukeban scheißen, weshalb Sachiko nach ihrem Sieg nicht der Boss aller Mädels wird, sondern mit ihren Freundinnen kurz davor steht, von den zwei Dutzend Frauen abgestochen zu werden. Doch da folgt Reiko Ikes Auftritt.
Kurzer Exkurs: Das wird von Suzuki auch wie ein Theaterauftritt inszeniert, denn für ein halbes Jahr (Weihnachten 1971 bis Sommer 1972) frönte Reiko Ike ihrer Hoffnung auf eine Sangeskarriere, die aber in die Hose ging, sodass sie pünktlich zu ihrem 18. Geburtstag wieder im Filmbusiness Fuß fassen wollte. Doch Sugimoto war mittlerweile von filmischer Fickdekoration zu einer sehr beliebten Hauptdarstellerin (TOKUGAWA SEX BAN, im April gestartet, und HOT SPRINGS SUPPON GEISHA, im Juli gestartet) aufgestiegen. Auch weil Suzuki der abtrünnigen „Bumerang-Kandidatin“ nicht so recht über den Weg traute, bekam Ike nach der Rückkehr nur eine Nebenrolle.
Ike mimt also die ehemalige Sukeban Nami, die nach einem Streit mit ihrem Bruder Kyoto verlassen hat und die Bandenführung an Rika übergeben hat. Jetzt ist sie zurück und muss gleich diesen Streit schlichten. Und sie ist sichtlich enttäuscht über die moralische Erbärmlichkeit ihrer Nachfolgerin Rika. Sachiko ist also Schwuppdiwupp die Ober-Sukeban von Kyoto nach fünfzehn Filmminuten.
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Bei einer ersten Lagebesprechung mit allen Unter-Sukeban wird aber Lindas Motorrad von Okei, einer glatzköpfigen buddhistischen Nonne, geklaut. Als sie von den Rothelmen gestellt wird, fällt die Nulpe vom Bike und weint viel. Also ab zum Arzt, der erneut von Hachiro Oka gewohnt unlustig gespielt wird.
Nach der ärztlichen Versorgung wird Okei in die Gang aufgenommen. Yuki rattert die Regeln runter:
1) Wer die Bande betrügt, wird hinter einem Motorrad hergeschleift.
2) Wer den Ruf der Bande beschmutzt, wird mit 1000 Peitschenhieben bestraft.
3) Wenn eine aus der Gang getötet wird, wird zurückgeschlagen.
Man merkt: Verglichen mit QUEEN BEE’S COUNTERATTACK werden die Dogmen ganz schön angezogen. Okeis zwingende Titten-Tätowation wird selbstredend direkt vor Ort vorgenommen.
Derweil zocken Nami, Tatsumi und Yasu ein paar Touristen ab und investieren das Geld in Wassermelonen für die Bande. Auftritt Yakuza: Die sehen die Touri-Abzocke als Revierverletzung. Gerade als ein Gerangel droht, beschwichtigt Nami erneut, da ausgerechnet ihr Bruder Nakahara der Rädelsführer ist. Die Yakuza ziehen ab, Sachiko ist sauer auf Nami, dass die Abzocke nicht abgesprochen wurde. Es kommt zum Disput uuuuund zum Catfight. In einem Flussbett wälzen sich die beiden Koryphäen sehr zur Freude der männlichen Zuschauer über zwei Minuten in nassen Klamotten, während im Hintergrund Miki Sugimotos Liedchen „Onna bancho nagaremono“ komplett durchgespielt wird.
Doch es gibt keine Siegerin. Sachiko und Nami sowie Miki Sugimoto und Reiko Ike werden (wieder) beste Freundinnen.
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Konstellationen geklärt, die Handlung kann beginnen. Ukiko und Okei machen Fotos vom Liebesakt zwischen einem buddhistischen Priester und einer Nonne. Als zusätzliches Beweismittel krallt sich Ukiko das pfaffensperma-gefüllte Kondom aus einem Plumpsklo, während die Nonne ihr neben dem ganzen Scheißpapier auf den Kopf pinkelt.
Die Erpressungsverhandlungen mit dem Priester führen Ober-Sukeban Sachiko sowie die Unterbosse Tatsumi und Nobuko. Der Priester blecht widerwillig und bekommt als Dank seinen eigenen Spermapariser ans Hirn geschmissen. Doch beim Sieges-Besäufnis der drei Sukeban kommen mal wieder die Yakuza angeschissen. Die sacken die Mädels ein und schleppen sie zu Tsutsui, Herrn Oberyakuza: Sachiko soll für ihn arbeiten, genau wie es Rika (war sooooo klar) eh schon tut. Nobuko und Tatsumi knicken ein. Nur Sachiko mag eben nicht, Unabhängigkeit und generelles Koten auf männliche Dominanz eben. Also wird sie von Rika vermöbelt.
Das macht Sachiko tendenziell wütend, sodass sie Rika vor einer Kneipe auflauert. Nur die ist da mit Yakuza unterwegs. Das schafft selbst die schlagfertige Sachiko nicht allein. Aber zum Glück kommt der angehende Boxer Ichiro um die Ecke und kloppt die Gute frei. Die Yakuza ziehen ab und Klopperfrau plus Kloppermann bewundern gegenseitig ihre Schlagfertigkeit. Da bahnt sich gar Liebe an. Nach einem kurzen verbalen Abtasten in einem gemütlichen Kneipenambiente gehts auch direkt ab in die Kiste. Mit etwas aggressivem Sexualverhalten beiderseits wird denn auch die angehende Liebe offiziell. Doch Ichiro muss zum Boxtraining in das Ferienresort Nishiizu. Sachiko fährt ihm mit ihren mittlerweile vier Rothelmchen hinterher.
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Filmische Halbzeit, Locationwechsel Nishiizu: Die Rothelmrebellen schlafen natürlich nicht im Hotel, sondern in ihrem eigenen Zelt davor. Das wird auch gleich von Nympho-Ukiko dazu benutzt, einen katholischen Priester abzuschleppen, der ihr aber Tripper anhängt. Als sie das Sachiko beichtet, wird beschlossen, diesen der auch gerade eintrudelnden Tsutsui-Gang anzuhängen. Ukiko lässt also einen nach dem Anderen aus der Yakuza-Bande über sich drüber und steckt sie an, woraufhin eine vermeintlich lustige Szene mit pinkelnden Yakuza inklusive Extrem-Schwanz-Jucken folgt.
Sachiko wiederum fällt am Strand über Ichiro her und jetzt ist es um ihn geschehen. Ein dermaßen dominantes Weib kann er nicht von der Waaterkant stoßen.
Die Tsutsui-Bande ist natürlich nicht zufällig in Nishiizu: Die wollen Ichiros Boxtrainer um Gewinnbeteiligung bei Kämpfen erpressen, weshalb sie seine Tochter Chizuko entführen. Doch das wird nix, denn die Rothelme holen sich das Mädel ziemlich schnell und unaufgeregt zurück.
Jetzt sind die Yakuza richtig sackig und der leicht-flockige Unterton des Films wird merklich zurückgeschraubt. Die Rothelme werden geschnappt und mit Stöcken verdroschen, Sachiko soll sogar der Arm abgesägt werden. Doch erneut kommt ihr Ichiro zu Hilfe. Nur dass es diesmal nicht so gut für ihn ausgeht: Er wird nämlich vor den Augen der Rothelme von Nakahara abgestochen.
Ichiros Tod wird in einer herzerwärmenden Lagerfeuersonnenuntergangs-Romantikstimmung betrauert, während zu optischem Gitarrengeklampfe des Barden Morio Agata das Klavierliedchen „Sekishoku Ereji“ von ihm geträllert wird. Alle weinen und Sachiko will Rache.
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Es geht zurück nach Kyoto. Als Erstes wird der eigene Stall aufgeräumt: Tatsumi und Nobuko werden übelst mit Stöcken verdroschen und Rika hinter Sachikos Motorrad hergeschleift. Doch Sachiko reicht das nicht. Im Alleingang schleicht sie sich ins Tsutsui-Hauptquartier, um Tsutsui selbst zu töten. Das misslingt und Miki Sugimoto AKA Sachiko wird noch übler als in QUEEN BEE’S CHALLENGE gefoltert. Doch Nami kommt sie befreien. Da Nami aber ihren eigenen Bruder nicht töten kann, gerät sie jetzt in die Fänge der Yakuza. Sie wird vom Boss misshandelt und vergewaltigt, allerdings von Nakahara befreit, der anscheinend doch ein bisschen Sorge um sein Schwesterlein hat. Doch sie erteilt ihm eine Abfuhr für immer.
Als Nami in Sachikos Bude zurückkommt, ist die schon am Bauen einer Bombe dran, um der Tsutsui-Gang endgültig den Garaus zu machen. In einem für den sonstigen Film fast retardierenden Moment gelingt ihr das. Zum dritten Mal in Folge sind somit am Ende des Films alle Y-Chromosome tot, und die Rothelme verlassen Kyoto, dahin, wo der Wind sie treibt.
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Von Norifumi Suzuki stammt das schöne Zitat: „Filme sind so ähnlich wie Feuerwerke. Alles, was sie machen müssen, ist für die Leute im Gedächtnis zu bleiben, die sie gesehen haben.“ Und GIRL BOSS GUERILLA ist ein einziges Feuerwerk an Tempiwechsel, manchmal sogar Stimmungsschwankungen innerhalb einzelner Szenen und einem generellen optischen und inhaltlichen Overkill. Wäre sein Opus Magnum nicht die Verfilmung seines eigenen Manga SCHOOL OF THE HOLY BEAST könnte der dritte Sukeban als sein Meisterwerk bezeichnet werden. Hier sind alle Suzuki-Zutaten versammelt und größtenteils auf die Spitze getrieben. Es ist müßig zu überlegen, was er noch so aus dem Hut gezaubert hätte, hätte er diese ganzen Filme nicht einfach so hintereinander runtergekurbelt. Denn gerade dieser Kreativflow und Zeitdruck schien ihn zu immer abstruserem Wahnsinn anzutreiben.
Trotz seines Larger-than-Life-Charakters ist es aber auch Suzukis erster Sukeban, der aus seinen sonst etwas floskeligen, arg manga-ähnlichen Dialogen ausbricht. Die neckischen Streitigkeiten zwischen Sachiko und Ichiro haben fast „Street Credibility“-Qualitäten, wirken teilweise, als würden sich reale Personen unterhalten. Wenn sich Ichiro und Sachiko zum Beispiel uneins sind, wer da wen gefickt haben soll, oder der Spruch von Sachikos Bandenmitgliedern „Hey Boss, warum gehst du so seltsam?“ nach ihrer ersten durchgevögelten Nacht mit Ichiro, sind wirklich amüsante Ausbrüche.
Nicht nur das Drehbuch durchbricht die Plattitüden der Exploitation-Standards. Suzukis Leichtigkeit, mit der er zwischen Genres hin-und herspringt, ist legendär. Aber auch, wie unterschiedlich er Schema F inszeniert. Man nehme die Sexszenen aus GIRL BOSS GUERILLA: Der alberne (und im wahrsten Sinne des Wortes) Gang-Bang Ukikos mit den Yakuza versus die Einleitung zur Strandfickszene ohne Musik, in der die Kamera zuerst die Küssenden umkreist versus die angedeutete Vergewaltigung Namis, bewirken auch drei ganz unterschiedliche Reaktionen beim Publikum: Befreiendes Lachen (wenn man sich auf Suzukis Humorniveau begibt) versus ambivalentem Voyeurismus versus schließlich Ekel und Mitleid.
Suzuki spielt gerne mit den Emotionen des Zuschauers und zerstört gerne Erwartungen. Dass GIRL BOSS GUERILLA vom Bikerfilm zum Yakuzafilm zum Comedy-Klamauk zur Love Story und wieder zurück und kreuz und quer springt, ist typisch. Dass das Ende nach so viel Rumms und Bumms folglich fast desinteressiert ruhig inszeniert wurde, ist kein Budgetkompromiss, sondern Methode.
Gerade weil GIRL BOSS GUERILLA so gnadenlos over-the-top ist, stören auch seine Klamottenkistensequenzen nicht so sehr wie in seinen restlichen Filmen. Dass diese fast immer blasphemischer Natur sind, liegt zum einen natürlich am Anarcho-Provo-Hirn des Herrn Suzuki, andererseits aber ganz konkret an seiner eigenen Biografie: Er war nämlich einige Jahre auf einer katholischen Schule (was in Japan bei ein Prozent Christen durchaus eine Ausnahme darstellt). Da Suzukis Religions-Aversion fast schon penetrant aus seinem Werk hervorsticht, möchte man seine Erfahrungen dort lieber gar nicht wissen.
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Ebenfalls immer wiederkehrend bei Suzuki sind starke Frauencharaktere, und nicht erst bei seinen Sukeban-Filmen. Schon seine achtfache Variation der RED PEONY GAMBLER-Filme als Drehbuchautor (mit seiner schlagfertigen Nichte Junko Fuji in der titelgebenden Rolle der Oryo) war wie eine Blaupause zu seinen Sukeban-Weibern. In beiden QUEEN BEES gab es schon nette Ansätze, aber Sachiko ist wirklich die erste Sukeban in Suzukis Reihe, der man ihre forsche Art, ihren Drang nach Selbstbestimmung und ihre Unabhängigkeit von der Männerwelt abkauft. Das ist kein Mädchen, das nur so tut wie Yuri in QUEEN BEE’S CHALLENGE. Die ist eben anders unterwegs als die gängigen Weibchen, selbst wenn sie sich in einen Mann verliebt, und dann den weichen Kern hinter der harten Schale zeigt. Aber nur soviel, dass sie sich selbst treu bleiben kann. Und dass das Objekt ihrer Begierde ein Boxer ist, passt auch ganz gut zu ihrem eher triebgesteuerten hedonistischen Wesen.
Miki Sugimoto, der damals der Spitzname „Monotone Miki“ wegen ihrer Minimal-Mimik nachgesagt wurde, wird hier vom Drehbuch ausnahmsweise die Möglichkeit gegeben, aus diesem Vorurteil auszubrechen, d.h. sie darf auch mal Lachen oder Weinen, zwei Facetten, die bei sonstigen Rollenanfragen überhaupt nicht gefordert wurden, nach dem Motto: Einmal Titte, immer Titte. Das Paradebeispiel ist hier der völlig überspitzte Comic-Charakter der Rei ihres bekanntesten Films DER TIGER VON OSAKA. Wie so viele Schauwertkolleginnen versuchte Miki mit ernsteren Rollen aus derartigen Klischees auszubrechen, doch sogar in drei Art Theatre Guild-Filmen waren nur ihre äußeren Offensichtlichkeiten gefragt. Bezüglich Schauspiel sollte auch nicht vergessen werden, dass sie von der Straße weg gecastet wurde, ohne Schauspielausbildung, und wie jung sie damals war. Die erste Nebenrolle mit 18 Jahren und ein paar Monaten in SEX CAN BE HILARIOUS (Sekkusu kigeki hanadji bu, Mai 1971, Regie: Shin Takakuwa) bis hin zu ihrem letzten Auftritt mit knapp 24 Jahren in dem atg-Film THE LOVE AND ADVENTURES OF KUROKI TARO, bevor sie sich nach einer Heirat für immer aus dem Filmbusiness zurückzog.
Morio Agatas rührseliges „Red Elegy“-Geklampfe war übrigens ein Riesen-Charthit 1972 mit über 600.000 verkauften Exemplaren. Neben weiteren Hippieklampf-Platten, versuchte er sich auch noch als Schauspieler und schließlich Filmregisseur.
Das Priester-Nonnen-Pimperanto wird von den Alt-Ikonen Hiroshi Nawa und Yoko Mihara dargeboten. Letztere war Ende der 50er ein viel gefragtes Glamourgirl in den Wegbereitern des Pinkfilms, den sog. Ama Eiga, also Japans Bikini-Filme um Perlentaucherinnen.
Genug gesülzt, wer also den Scheitelpunkt des Pinky Violence auch mal genießen möchte, sollte sich die Panik House-DVD von GIRL BOSS GUERILLA besorgen, solange es noch Restexemplare gibt. Und bitte gnädig sein mit den Klamauk-Szenen. Man glaube mir: Es geht noch viiiiel schlimmer.
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P.S: Im Trailer zu GIRL BOSS GUERILLA sind auch zwei Szenen zu sehen, die nicht für den fertigen Film verwendet wurden.
1) Das Glatzkopfen von Okei
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2) Der Catfight von Sachiko und Nami: Hier wurde anscheinend eine „heiße Probe“ mitgefilmt und für den Dreh einfach die Klamotten gewechselt (denn der legendäre Fashion-Style der Sukeban-Filme war die Alltagskleidung der Darstellerinnen)
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 1-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
SCHOOL OF THE HOLY BEAST (Norifumi Suzuki)
THE GREAT CHASE (Norifumi Suzuki)
TERRIFYING GIRLS’ HIGH SCHOOL: LYNCH LAW CLASSROOM (Norifumi Suzuki)
mochten

Alle Screenshots dieser Review stammen von der amerikanischen Panik House-Veröffentlichung. Die Farben sind etwas satter und das Bild etwas heller und schärfer als das der japanischen Toei-DVD (siehe Bildvergleich). Zusätzlich kann die US-Ausgabe mit einem relativ informativen Audiokommentar aufwarten. Dafür glänzt die japanische Toei-DVD neben dem schlechteren Bild mit Untertitellosigkeit, minimalem Bonus (dem Trailer zum Film) und einem Wucherpreis von ca. 40 Euro. Nur das DVD-Cover ist schicker, wenn auch im Vergleich zum Originalplakat zensiert.

comp-us
Panik House-DVD oben, Toei-DVD unten
comp-jap

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