GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S CHALLENGE (Sukeban burusu: mesubachi no chosen)

1972-2-3(SUKEBAN 2) GIRL BOSS BLUES QUEEN BEE'S CHALLENGE
Japan 1972
Regie: Norifumi Suzuki
Drehbuch: Norifumi Suzuki, Takayuki Minagawa
Produzent: Kanji Amao
Kamera: Shin Furuya
Musik: Hajime Kaburagi
Song: Reiko Ike „Sukeban Burusu“
Sukeban-Darsteller (nach Rollengewicht sortiert):
Die Perlen-Bande sind Reiko Ike (Maki), Masumi Jun (Keiko), Yayoi Watanabe (Naomi), Miki Sugimoto (Tomoko), Kuniko Oka (Etsuko), Eiko Azuma (Oryo).
Die Schwarze-Lilien-Bande sind Chiyoko Kazama (Yuri), Miwako Onaya (Kazue), Midori Hiro (Maya), Mikoko Asamatsu (Kyoko), Keiko Saegusa (Masako).
Übriger Cast: Hiroshi Miyauchi (Eizo), Ichiro Araki (Ichiro), Akiko Koyama (Takako, Makis Mutter), Asao Koike (Masayoshi Kurochi), Toru Yuri (Priester), Tatsuo Umemiya (Hiroshi Kosaka)
84 min

„Wir leben so dahin, als gäbe es kein Morgen. Wir entscheiden, ob wir gehen oder bleiben. Wir machen, was wir wollen. Darum geht es uns.“ (Maki)

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Der zweite offizielle Sukeban fängt fast an wie GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S COUNTERATTACK. Diesmal lümmelt die Sukeban Maki mit ihrer „Perlen-Bande“ und ihrem Zuhälterkumpel Ichiro am Bahnhof von Kyoto rum. Sie sprechen ein Schulmädchen an, ob sie nicht ein paar Yen verdienen möchte, indem sie sich für sie prostituiert. Das Mädel willigt ein, weil es sowieso nichts Besonderes sei, da ihre Schule für solche Nebenverdienste bekannt sei. Sie wird einem Freier (=Norifumi-Comedy-Trottel) als Jungfrau angepriesen, steigt mit ihm ins Bett und fickt ihn ins Koma. Dann plündert sie sein Portemonnaie, teilt mit Makis Perlen-Bande und haut wieder mit dem Zug ab.
Kurz danach wird Bandenmitglied Tomoko in einer Bar von der „Schwarze-Lilien-Bande“ aus Osaka angepöbelt, weil die Gang in Kyoto Fuß fassen möchte. Obwohl schlagkräftig, hat Tomoko gegen die fünf Frauen keine Chance: Im Hinterzimmer des Clubs wird sie von der Gang mit zwei Cola-Flaschen filmisch relativ explizit vergewaltigt. Das schreit nach Vergeltung. Die Gangs treffen sich auf dem Parkplatz einer Rennstrecke und hauen sich nach kurzer Vorstellung sofort auf die Mütze, bis der angehende Rennfahrer Eizo angerast kommt und beschwichtigt. Schließlich ist er der Freund der Lilien-Sukeban Yuri. Anscheinend reicht das Wort eines Mannes, denn wie Lämmer hören die elf Frauen sofort mit der Prügelei auf. Vielleicht sollte wie beim ersten Teil einmal auf die Bandenmitglieder eingegangen werden, nur wird das trotz mehr Frauenvolk kürzer als in der letzten Review, da bis auf die beiden Anführerinnen so gut wie keine Charakterzeichnung stattfindet. Die Perlen-Bande besteht aus sechs, die Lilien-Bande aus fünf Mädels. Die Liliengirls sind einfach da, haben (zumindest im Film) keine Namen und sind bis auf Klopp-Szenen nicht wirklich von Belang. Makis Gang besteht aus Keiko, Naomi, Tomoko, Etsuko und Oryo. Diesmal ist Masumi Jun als Keiko die Autoknackerin, Watanabe aus dem ersten Teil ist ihre beste Freundin Naomi und läuft meistens im Kimono rum. Tomoko wird von Miki Sugimoto gespielt und ist hier die Rabiateste der Bandenmitglieder. Etsuko und Oryo ergeht es wie der Liliengang: Sie sind nur Bildfutter für Schlägereien.

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Nach der Schlägerei wird die Beziehung zwischen Eizo und Yuri geklärt, und zwar zur blauen Stunde auf den Resten des Expo1970-Geländes in Osaka (Wer die 20TH CENTURY BOYS-Trilogie gesehen oder die Mangavorlage gelesen hat, weiß, wie legendär diese Expo für Japan war): Er hat nur Rennen im Kopf, sie macht alles für ihn, inklusive von Osaka nach Kyoto ziehen.
Konstellation Eins abgehakt, nun kommt eine quälend lange Comedy-Nebenhandlung, in der Maki einen notgeilen buddhistischen Priester um Kohle prellt. Generell ist das Tempo des zweiten Sukeban-Films deutlich gedrosselter. Vor allem in dieser Szene empfiehlt sich somit die erste Pinkelpause. Priester wird also abgezockt, steht aber unter dem Schutz der Yakuza-Gang von Masayoshi Kurochi. Und dieser Kurochi ist ein gar böser Mann, der einen Callgirlring am Besten mit beiden Gangs als seine Häschen aufmachen will. Die Idee kommt ihm, als er Zaungast wird, wenn die beiden Girlgangs in der Innenstadt von Kyoto erneut aufeinandertreffen. Und diesmal kriegen die Lilien vor allem von Tomoko gut einen verpasst. Die füttert nämlich eine der Lilien mit ein paar Mahjong-Spielsteinen und haut ihr dann so lange auf die Fresse, bis ihr das Blut aus dem Maul läuft.
Doch so können die Streitigkeiten nicht weiter gehen: Ein Kampf Frau-gegen-Frau zwischen den Sukeban muss her. Und das geht so ab: Die zwei Sukeban müssen sich auf den Boden legen und Eizo fährt diverse Male mit dem LKW haarscharf über die Frauen drüber. Wer ohnmächtig wird, verliert. Dass Yuri ohnmächtig wird, passt zu ihrem generellen Weibchen-Gehabe. Geschmäht will sie Kyoto wieder verlassen. Doch da bietet ihr ein Handlanger von Kurochi nach einer biederen Fickszene an, die Lilien unter seine Fittiche zu nehmen. Dass sie als Nutten für ihn arbeiten sollen, wird Yuri erst klar, als sie der Boss höchstpersönlich vergewaltigt. Nebenbei schnappen sich die Yakuza auch noch Tomoko, Etsuko und Oryo aus Makis Bande. Tomoko wird erst mal schön genüsslich gefoltert, bevor die Häschen laufen sollen.
Derweil bahnt sich eine Liebesgeschichte zwischen Eizo und Maki an, nachdem Maki ein frustrierendes Treffen mit ihrer verschollen geglaubten Mutti hatte. Da muss ein Trostfick her und Superhirn Eizo lässt sich da nicht lumpen. Er scheint zumindest ein toller Hecht zu sein, denn Maki ist sofort Feuer und Flamme nach der ersten Kopulation (Warum, weiß nur das Drehbuch). Ich passe mich mit der weiteren Schilderung mal der relativen Lieblosigkeit der Inszenierung an: Kurochi erpresst schließlich Eizo mit Maki als Geisel, für ihn zu einem Drogendeal zu rasen, sodass die Quotenverfolgungsjagd mit einem Polizeiauto noch stattfinden kann. In Zwischenschnitten misshandelt unser sadistischer Oberyakuza schon mal vorsorglich die arme Maki. Natürlich schafft Eizo die Übergabe, bekommt aber als Dank noch ein Auge von Kurochi rausgeschlagen.
Als auch noch nach der Befreiung der Girlgang-Mitglieder Yuri von den Yakuza gekillt wird, läuft Eizo Amok in deren Hauptquartier. Doch, und das ist die einzige Überraschung im Film, die murksen ihn ab. Jetzt wiederum schwört Maki Rache, stellt die letzten Filmminuten dem Yakuzaboss hinterher, bevor sie ihn in der Drehtür eines Kaufhauses äußerst grafisch absticht. Ende.

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Diese etwas lustlose Zusammenfassung lässt vielleicht erahnen, dass GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S CHALLENGE kein Film ist, der begeistert oder zumindest Neues bietet. Ja, es sind wirklich anstrengende 84 Minuten, wenn man vom ersten Teil verwöhnt ist.
Nur gut drei Monate sind zwischen der Veröffentlichung von Teil 1 (27.10.1971) und 2 (3.2.1972) vergangen. Da das Kaufhaus des finalen Massakers sogar noch mit Weihnachtsschmuck behangen ist, ist aber davon auszugehen, dass der zweite Teil noch 1971 abgedreht wurde, also zwei Monate nach der Veröffentlichung des ersten Teils. Eine Woche vor Weihnachten 1971 lief auch noch Norifumis Pinky Violence-Drama INHERITED SEX MANIA in den Kinos an, das er irgendwie auch noch in den zwei Monaten realisiert haben muss. Beides erklärt vielleicht, warum das Drehbuch von QUEEN BEE’S CHALLENGE so dermaßen nicht innovativ und eigentlich generell scheiße ist. Obwohl sich erneut Suzuki und Minagawa dafür verantwortlich zeichnen, scheinen sie vom Erfolg des Erstlings so viel Druck vom Studio bekommen zu haben, möglichst schnell eine Fortsetzung zu produzieren, dass sie mehr oder weniger lustlos mal eben was stenografiert haben.
Der fatalste Drehbuchfehler ist die Variation der Dreierkonstellation aus QUEEN BEE’S COUNTERATTACK: Jetzt buhlen nicht zwei Männer um Reikos Gunst, sondern zwei Banden-Anführerinnen (Ausrufezeichen, denn sollten das nicht harte Mädels sein?) um den luschigen Rennfahrer Eizo, dem sowieso nur Brummbrumm durchs Hirn rattert. Was den Vorgänger so liebenswert machte, war die relativ ausgiebige Charakterisierung der Bandenmitglieder und ihr Streben nach Unabhängigkeit in einer männerdominierten Umgebung. Hier erfährt der Zuschauer nur zwei klischeestrotzende Backgroundgeschichten um die beiden Sukeban. Die Geschichte von Maki? Mutter hat Kind verlassen und Maki buhlt erneut um Nestwärme? Gähn. Noch schlimmer ist die Figur der Yuri (Yuri heißt übrigens übersetzt Lilie), eine Antipathie-Katastrophe sondergleichen. Das soll eine Sukeban sein? Nicht nur, dass sie ihrer Rennfahrerhohlbirne hinterherzieht, in einer Szene bekocht sie ihn sogar inklusive Schürze!

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Die Mitglieder der Schwarze-Lilien-Bande sind anwesend, glotzen blöd und haben Null zu vermelden. Und zwar so null, dass ich noch nicht einmal für die Screenshots rausfinden konnte, wer da mangels namentlicher Anrede wer sein soll. Ansonsten haben nur Masumi Jun und Yayoi Watanabe kleinere Szenen. Miki Sugimoto darf sich zweimal prügeln, davon einmal einstecken und einmal austeilen. Mit Sugimoto kommen wir auch zur wichtigsten Neuerung. Da Ike und Sugimoto von Anfang an nie prüde waren, was Onscreen-Nacktheit betrifft, wurde das jetzt nicht nur für Sex-, sondern auch noch für relativ sinnlose, aber dafür sadistische Folterszenen ausgebeutet. Das heißt Bondage plus Kerzenfolter für Sugimoto und Bondage plus Prügel und Vergewaltigung für Ike. Das freut die Frauenhasser. Und auch Yuri wird vom Oberbösen geschändet, aber fast klassisch bieder mit Schnittgewitter und Raus-Geschwenke; vermutlich nur eine Notlösung, weil Yuri-Darstellerin Kazama nicht blankziehen wollte. Dass der Yakuza-Boss ausschließlich asozial und sadistisch ist, ist leider Standard in der C-Film-Kategorie und, wie schon angedeutet, Rennfahrer Eizo ist ein Langeweiler vorm Herrn. Da ist man fast froh, wenn ihm Übles ereilt. Makis Mutter wird gespielt von Akiko Koyama, die von 1961 bis 2013 mit Nagisa Oshima verheiratet war.
Reiko Ike war, wie von Suzuki im Anwerbungsgespräch prognostiziert, innerhalb weniger Monate zum B-Film-Star avanciert und hoffte wohl nach einer Plattenaufnahme (Das Album „Kokotsu no sekai“, erschienen am 25.12.1971) auf eine Karriere als Sängerin: Noch während der Dreharbeiten zum zweiten Sukeban verkündete sie ihren Rückzug aus dem Filmgeschäft. Doch ihre Sangeskunst war, gelinde gesagt, erbärmlich, die Verkaufszahlen ihrer Platte auch und schon ein halbes Jahr später, pünktlich zu ihrem 18. Geburtstag, kratzte sie wieder an der Tür des Toei-Studios.
Einen Gastauftritt hat dann noch DELINQUENT BOSS-Chef Hiroshi Kosaka als Eizo-Beschützer. DELINQUENT BOSS (FURYO BANCHO) war eine 17-teilige Reihe (1968-74) um eine Rockergang, bei der zwei Pinky Violence-Regisseure ihr Handwerk gelernt haben (Makoto Naito und Yukio Noda). Die Serie selbst kann als Vorläufer der Girlgang-Filme betrachtet werden, ist aber größtenteils schwer verdaulich, da Norifumis Humor dagegen „sophisticated“ ist.
Womit wir auch schon bei dessen Achillesferse sind. Die Kasperle-Acting-Szene mit dem notgeilen Pfaffen dauert zehn Minuten. Da muss man sich schon durchquälen. Naja, immerhin wurde somit Suzukis Standard-Religions-Diskreditierung verwurstet. Eine weitere Szene, in der Naomi und Keiko als Politessen-Cosplay-Nutten ein Auto klauen, ist dafür immerhin ausnahmsweise nicht lächerlich, sondern okay inszeniert, weil Suzuki hier sein bizarres Verständnis von Comedy-Acting in Comedy-Szenen wohl über Bord warf.
Dann sind da einige Logik- oder Handlungslöcher im Drehbuch (oder in der Inszenierung?), die einem Teruo Ishii alle Ehre machen würden. Vor allem die plötzliche Befreiung der Bandenmitglieder aus den Klauen des Kurochi sorgt für Stirnrunzeln.
Dass zum Schluss auch hier wieder alle Männer tot sind, ist zwar theoretisch als Plus anzurechnen, nur leider ist es auch egal. Es kommt eben kein YES-Jetzt-kriegen-mal-die-Typen-ihr-Fett-weg-Gefühl auf, da weder groß Sympathie für Maki und erst recht nicht für Yuri erzeugt wird.
Schade, Herr Suzuki. Exploitation-Exploitation für Dummies oder der klassische zweite Teil eben. Gemessen an manch anderer Pinky Violence-Ware ist GIRL BOSS BLUES: QUEEN BEE’S CHALLENGE zwar immer noch über dem Durchschnitt, doch Norifumi konnte wirklich Besseres leisten, aber eben nur, wenn er wollte.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 20:80

Schulnote: 3-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
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TERRIFYING GIRLS’ HIGH SCHOOL: WOMEN’S VIOLENT CLASSROOM (Norifumi Suzuki)
mochten

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