CRASH – COP’S DAUGHTER (Avariya – doch menta)

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Regie: Michail Tumanishvili
Drehbuch: Juri Korotkow
Produzent: Mosfilm
Kamera: Boris Bondarenko
Musik: Viktor Babuschkin
Darsteller: Oksana Arbuzowa, Vladimir Ilin
93 min

No-Future-Punk, chernukha-style Teil 2: Die Systemstabilisierung

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Michail Tumanishvili scheint eine Art russischer John Milius zu sein. Sein stupid-lustiger IM ALLEINGANG, die Sowjet-Antwort auf RAMBO, ist deshalb auch sein bekanntester Film. Sein 1989 gedrehter CRASH hätte bestimmt unter einer anderen Fuchtel ein interessantes Sozialdrama mit Action-Einlagen sein können, aber leider ist es nur verschwendete Lebenszeit.
Avariya (übersetzt in etwa „Crash“) ist der Punkerspitzname einer Pubertierenden, die mit ihrer Verwandtschaft nicht klarkommt. Die meisten Reibereien hat sie allerdings mit ihrem Vater, der zu allem Klischee-Überfluss auch noch ein Herr Wachtmeister ist. Sie haut also öfter mal von zu Hause ab, hängt tagelang mit diversen Punks ab, bevor sie ihr Vater meistens nach einer Verhaftung von einer Polizeistation abholt. Als Avariya von einer Gruppe Yuppies/Prolls vergewaltigt und auch noch entführt wird, dreht Papa durch und befreit die Tochter im ersten Crashtestderby des sowjetischen Films.

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Wie BURGLAR schon drei Jahre zuvor, thematisiert CRASH die Punkerszene Russlands, diesmal in Moskau. Der große Unterschied zwischen beiden Filmen ist allerdings, das Ersterer vollständig mit seiner Randgruppe sympathisiert, somit fast schon europäisches Autoren-Sozialkino sein will, wohingegen sich CRASH auf allen Ebenen an amerikanisches Erzählkino anbiedern will. Das fängt schon mit der Drehbuchstruktur an: Der arme gebeutelte Polizisten-Papa hat’s mit seinem Gör nicht leicht. Die Vergewaltigung seiner Tochter durch eine Horde Asozialer kommt ihm da fast schon wie gerufen und treibt sie deshalb indirekt wieder in seine Arme, nach dem Motto: „Mein russischer Charles-Bronson-Papa ist doch ein Guter, will doch nur das Beste für mich“, somit Happy (?) End: Das Gör wird vermutlich jetzt weniger um die Häuser ziehen. Ziemlich reaktionärer Dreck also, der anscheinend in Russland so was wie ein Kultfilm geworden ist, da auch die DVD fast wie remastered und nicht so hingerotzt aussieht wie die meisten DVD-Veröffentlichungen von 80er-Jahre-Filmen.
Der zweite extrem peinliche Anbiederungsversuch ist die oben genannte Autoverfolgungsjagd, bei der zugegebenermaßen einiges zu Klump gefahren wird. Aber diese Szene ist erzählerisch für die Geschichte so überflüssig wie ein Kropf. Das kann der große Bruder drüben im sonnigen Kalifornien besser vertuschen.
Positiv bleibt hier lediglich hervorzuheben, dass der Film mit ein paar wunderbar gestellten Punker-Polizei-Rangeleien aufwarten kann, die Punkband Chudo-Yudo das erzromantische Liedchen „Sex-Terror“ trällert und die Trabantenstadt-Impressionen natürlich traumhaft desolat sind. Aber dafür reicht einfach auch eine Doku, die Spielfilmhandlung bleibt einfach Müll aus der untersten Schublade.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 20:80

Schulnote: 5

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
IM ALLEINGANG (Michail Tumanishvili)
DIRTY HARRY KOMMT ZURÜCK (Clint Eastwood)
DEATH WISH 3 (Michael Winner)
mochten

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