BURGLAR (Vzlomshchik)

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UdSSR 1986/87
Regie, Drehbuch: Valeri Ogrodnikow
Produzent: Lenfilm
Kamera: Valeri Mironow
Musik: Viktor Kisin
Darsteller: Oleg Jelikomow, Konstantin Kintschew, Juri Tsapnik, Piotr Semak
83 min

No-Future-Punk, chernukha-style Teil 1: Das Milieu

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Kaum war die Zensur zur Jahresmitte 1986 in der Sowjetunion gelockert, schossen die ersten Jugendkulturfilme aus dem Boden. Sergei Solowjows ASSA und Valeri Ogorodnikows Regiedebüt BURGLAR wurden beide noch im selben Jahr gedreht und kamen 1987 in die Kinos. Im Gegensatz zu Solowjows popkulturellem Overkill dürfte BURGLAR der erste Spielfilm sein, der sich mit der aufkommenden Punkrockbewegung beschäftigte. Für einen Undergroundfilm war er sogar sehr erfolgreich: 14,3 Millionen Zuschauer machten ihn zum fünfzehnterfolgreichsten Film der Sowjetrepubliken 1987.
Der große Held des pubertierenden Senka ist sein großer Bruder Kostya, der nicht nur dank seiner Punkrockband Frauenherzen höher schlagen lässt. Darüber hinaus
stopft sich Kostya nonstop und extrem eklektizistisch alles an westlichen popkulturellen Leitbildern rein, was nur geht. Sein bester Kumpel Howmuch nötigt ihn schließlich zum Diebstahl eines Synthesizers. Diese Bürde nimmt Klein-Senka auf sich, da er um Anerkennung kämpft…
Die Rolle des großen Bruders besetzte Ogorodnikow mit dem Punkrocker Konstantin Kintschew, dem Sänger der damals ziemlich angesagten Undergroundband Alisa. Und der macht (für Musiker ungewöhnlich) seinen Job ziemlich gut, ist eben mehr als nur bei den Aufnahmen anwesend.

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Valeri Ogorodnikow inszeniert sein Debüt fast klassisch westlich. Dokumentation und Fiktion werden nach amerikanischen Vorbildern zu einem unterhaltsamen Zeitgeistporträt, natürlich ohne Happy End, vermischt. Viel Wert wird hier neben der Spielhandlung vor allem darauf gelegt, das Milieu dieser Jugendkultur aufzuzeigen und die rebellischen Nachwuchsbands aus dem Leningrader Einzugsbereich mit einigen Konzertinszenierungen für die Ewigkeit auf Filmmaterial festzuhalten. Neben Alisa dürfen noch die Bands Auktyon, AVIA, Buratino, Kofe und Prisutstviye ihren Teil zum Soundtrack beitragen. Da ja alles im Aufbruch war und sich die Gegenkulturen in Russland noch nicht gegenseitig zu diskreditieren schienen, wurden noch ein paar Aufnahmen von einer No-Wave-ähnlichen Robotdance-Performance eingefügt. Dass bei all der Westhoffnung auch noch stolz ein MTV-Shirt getragen wird und einer der Protagonisten „How much“ heißt, liegt in der Natur dieses Aufbegehrens. Die Staatsmacht sind Bullenschweine, Papa findet das mit der Verrohung der Sitten natürlich auch nicht gut, obwohl er nach dem Tod seiner Frau alles anbalzt, was nicht bis Drei auf dem Baum ist. Die ganz alltägliche Doppelmoral hält somit rasant Einzug in ein kollabierendes Weltbild.
BURGLAR ist bestimmt genauso Meisterwerk für eine bestimmte Zielgruppe der russischen Mittvierziger wie REPOMAN oder SUBURBIA im Westen, für alle anderen eher Rebellion nach Schema F. Zu welcher Gruppe man tendiert ist zweitrangig, ein interessanter Einblick in die NO-FUTURE-Bewegung, chernukha-style, ist BURGLAR auf jeden Fall.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
CRASH – COP’S DAUGHTER (Michail Tumanishvili)
DIE NADEL (Rashid Nugmanov)
DER BOTE (Karen Shakhnazarow)
mochten

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