FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT (Le foto proibite di una signora per bene)

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Spanien/Italien 1970
Regie: Luciano Ercoli
Vorlage: Ernesto Gastaldi, Mahnahén Velasco
Drehbuch: Ernesto Gastaldi
Produzent: Alberto Pugliese, Luciano Ercoli
Kamera: Alejandro Ulloa
Musik: Ennio Morricone
Darsteller: Dagmar Lassander, Susan Scott, Pier Paolo Capponi, Simon Andreu
98 min

Überdurchschnittlich gute Giallo-Popart-Perle

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Minou, die Frau des reichen Geschäftsmannes Peter, wird eines Nachts von einem Mann verfolgt und gedemütigt. Außerdem teilt ihr der scheinbar Verrückte mit, dass ihr Ehemann ein Mörder sei. Als tatsächlich ein Mann, der Schulden bei Peter hatte, tot aufgefunden wird, will der Verrückte Minou erpressen. Deshalb trifft sie sich erneut mit ihm, wird von ihm vergewaltigt und auch noch dabei fotografiert. Minou wendet sich an ihre Freundin Dominique, die ihr helfen will, doch mit ihrer Vorliebe für pornografische Fotos nicht wirklich vertrauenswürdig erscheint. Kurz: Verdächtig sind sie alle, doch wer will hier Minou in den Wahnsinn treiben?
Filmtitel in den 70ern sind ein Kapitel für sich. Schon der internationale Titel „Forbidden Photos of a Lady Above Suspicion“ versuchte hier was vom Oscar-gekrönten Erfolg des Elio-Petri-Klassikers „Investigation of a Citizen Above Suspicion“ abzuschröpfen, doch der deutsche Verleiher setzte noch einen drauf: FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT, was für ein Titel! Nachdem 1969 noch Hexen bis aufs Blut gequält wurden, sollten 1970 generell Frauen bis zum Wahnsinn gequält werden (aber das mit dem Wahnsinn klappte ebenso wenig, sodass dann noch Zombies Frauen zumindest im Titel schänden mussten, aber das war noch später). Whatever, was sich zunächst wie ein ultrareißerischer Titel anhört, der mit dem Film nicht das Geringste zu tun hat, entpuppt sich leider nach Sichtung dann doch zumindest als peinlicher Spoiler, der das Regiedebüt von Luciano Ercoli dennoch in ein etwas falsches Licht rückt.

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Luciano Ercoli war ursprünglich Produzent, doch kein wirklich guter, weshalb er Schuldzuweisungen mit einem eigenen Ausflug in den Regiestuhl drosseln wollte. Gialli waren angesagt, die Fallhöhe somit auf ein Minimum reduziert. Weiblicherseits engagierte Ercoli die hippe Dagmar Lassander (Die Femme Fatale aus FEMINA RIDENS) und seine eigene Freundin Nieves Navarro (a.k.a. Susan Scott) als Hauptdarstellerinnen und schuf eine Giallo-Perle, die die Lowbudget-Blaupause zu zwei höher budgetierten Gialli wurde.
Die relativ simple Geschichte übersteigerte Ercoli noch in den beiden Nachfolgern LA MORTE CAMMINA CON I TACCHI ALTI (1971) und LA MORTE ACCAREZZA A MEZZANOTTE (1972). Die waren wegen Unmengen an Plot Twists inhaltlich zwar unvorhersehbarer, aber optisch reichten sie nicht mehr an den Erstling heran. Denn vor allem die liebevolle Kameraarbeit von Alejandro Ulloa hebt FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT weit über das technische Mittelmaß des Giallo der damaligen Zeit. Style over Substance möchte man meinen, doch sogar die Geschichte ist stimmig, auch wenn Hardcore-Giallo-Fans der geringe Bodycount verstören dürfte. Ein marginales Drehbuchmanko ist lediglich das Rumgeeiere von Minou im letzten Filmdrittel, wenn eigentlich schon längst offensichtlich ist, dass jemand den Filmtitel wahr machen möchte, doch tut dies dem generellen Vergnügen keinen Abbruch mehr. In Bava-Lichter getauchte Locations, wunderschönes Set Design und die poppigen Kleider der beiden damaligen Ikonen Lassander und Scott machen FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT zu einem kleinen Popart-Juwel, das problemlos neben die ganzen Bavas, Argentos, Fulcis, Lenzis, etc gestellt werden kann.
P.S.: Nach Sichtung des Bonusmaterials der BLUE UNDERGOUND-DVD musste ich ein wenig schmunzeln, da sich wohl Drehbuchautor Ernesto Gastaldi bei Ercoli beschwert hatte, dass alle drei männlichen Hauptrollen mit Schwarzhaarigen besetzt seien und diese somit schwer auseinanderzuhalten seien. Nun ja, die Befürchtungen waren berechtigt, das Whodunit wird dadurch nicht erleichtert…
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
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mochten.

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