DREDD

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Großbritannien/Südafrika 2010-12
Regie: Pete Travis
Vorlage: John Wagner, Carlos Ezquerra (Comic)
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Anthony Mantle
Musik: Paul-Leonard Morgan
Darsteller: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey
91 min

„She feminized him with her Teeth…“

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Da muss schon was passieren, damit ich meinen Blog mit einem aktuellen Blockbuster „verunreinige“. Ist es auch. DREDD ist mir passiert. Mittlerweile schon fünfmal und der Soundtrack wird rauf-und runtergedudelt, wenn ich frohlockend durch die Ostblock-Betonwüste Berlin ziehe. Optisch sieht der Film verdammt nach Hollywood aus, die Regiewahl auch (Der neue Trend: Arthouse-Regisseure sollen Actionkrachern vermeintlich mehr „Tiefe“ verleihen), doch umso größer dann das Erstaunen, das DREDD eine britisch-südafrikanische Koproduktion ist – und schon hab ich „Second Thoughts“: Vielleicht bumst Dredd deshalb seinen weiblichen „Rookie“ nicht an. Vielleicht gibt es deshalb keine melodramatischen Zwangsschnörkel, die die Unterhaltung verwässern, zerbreien und unerträglich machen (bestes Beispiel: Die überpeinliche Fickszene in CRANK). DREDD ist ein Jungs-Film, ganz klar. Jungs-Film ohne Wenn und Aber. Alles ist da Jungs. So schön superlativ und schnörkellos, dass ich erstaunt war, wie so ein Ding bei den Geldgebern auch und erst recht jenseits von Hollywood durchgeboxt werden konnte: Der Übermachomensch Dredd, die übersüße kleine Kadettin, die überböse Ma-Ma (ein Freudscher De Luxe), viele Drogen, viel Gewalt und jede Figur redet nur das Allernötigste. Alle Äkschnfuim-Formeln pur.

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In Zeiten übelsten Marvel-Mülls und halb garer DC-Adaptionen ist der Indie-Nazi Judge Dredd ein Diamant. Zumindest wie ihn Drehbuchautor Alex Garland aufs Wesentliche reduziert und Pete Travis inszeniert: Dredds Welt und sein Gehirn ist schwärzer und weißer. Es gibt die Guten und die Bösen. Dazwischen nichts. Also wirklich nichts. Dredd ist mundfaul. Dredd ist korrekt, fast überkorrekt. Dredd hat eine weiche Seite, aber nur im Nebensatz. Dredd hat immer seinen Helm auf. Dredd tackert sich die Wampe zu und macht böse Löcher bei den Bösen. Dredd walzt sich durch. Kompromisse gibt es nicht. Klar, fascho ist er, irgendwie. Aber das verzeih ich ihm. Zumindest ist er geradeaus, in jeder Hinsicht, was man leider von den anderen Auge-um-Auge-Kandidaten nicht behaupten kann, deren fragwürdiges Wertesystem im Gehirn der Konsumenten schon so etabliert ist, dass es nicht mal mehr hinterfragt wird.
„Sind eben Superhelden, die dürfen das, weil sie super sind.“
Aso. Na dann.
„Aber mach das bloß nicht nach.“
„Wo bist du denn super?“
Zurück zum Film: Scheppert eben durch, manchmal reicht das.
Und wenn dann der Satz kommt: „SCHIIS A PÄÄÄS“, dieser Satz mit diesem P drin, dieser Buchstabe, der wie nichts anderes die Beaker-Mundwinkel des Judge Dredd charakterisiert, sterbe ich jedesmal vor romantischem Frösteln. Weil ich vielleicht doch ein Mädchen bin. Genau wie Dredd.
Dann kommt sein Schlussmonolog, der den knappen Einleitungsmonolog noch mehr reduziert, erneut der extrem von Chemical Brothers, Crystal Method und Trent Reznor beeinflusste Soundtrack. Und dann Loop auf Anfang, bis ich jeden One-Liner auswendig kann. Und so begrüßenswert die Fan-Petition für einen zweiten Teil auch ist: Das kann nur nach hinten los gehen.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
8 BLICKWINKEL (Pete Travis)
TAKEN (Pierre Morel)
SPEED (Jan de Bont)
mochten

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