DIE TOLLEN ABENTEUER DES MONSIEUR L. (Les Tribulations d’un Chinois en Chine)

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Frankreich/Italien 1965
Regie: Philippe de Broca
Drehbuch: Daniel Boulanger
Vorlage: Jules Verne
Produzent: Georges Dancigers, Alexandre Mnouchkine
Kamera: Edmond Sechan
Musik: Georges Delerue
Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Ursula Andress, Jean Rochefort
105 min

Der Prototyp des Action-Abenteuer-Kinos

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Der Vater des europäischen Action-Abenteuer-Kinos heißt ganz klar Philippe de Broca (1933-2004). In ABENTEUER IN RIO (1964) und DIE TOLLEN ABENTEUER DES MONSIEUR L. (1965) hetzte Jean-Paul Belmondo durch unzählige exotische Locations, immer mit einigen Gangstern im Nacken, die ihm nach dem Leben trachteten. Die Drehbücher waren dünn, die Verfolgungsjagden sind Filmgeschichte. Während ABENTEUER IN RIO noch durchaus eine klassische Krimihandlung nachgesagt werden konnte, die sich über den südamerikanischen Kontinent erstreckte, pfiff de Broca mit DIE TOLLEN ABENTEUER DES MONSIEUR L. auf logische Begründungen und lieferte eine mit zahlreichen Slapstickmomenten gefüllte Hetzjagd durch Asien, deren Tempo noch heute staunen lässt.
Dem reichen Schnösel Arthur geht die Dekadenz seines Lebens dermaßen auf die Nerven, dass er nach einigen gescheiterten Selbstmordversuchen Profikiller engagiert, um sich ermorden zu lassen. Doch kaum ist der Auftrag unter Dach und Fach, verliebt er sich in die Stripperin Alexandrine und ist nur noch auf der Flucht vor seinen Häschern. Von da an wird durch Nepal, Malaysia, Hongkong und Indien gerannt, geprügelt, gestolpert, gefallen, gestrampelt, geschossen, etc. ohne Sinn und Verstand.
Belmondo ist hysterisch, sein Diener Leon eigentlich der wahre Held und Ursula Andress darf nicht nur mit ihrem Bond-Bikini, sondern auch mit einem Rückwärts-Striptease glänzen.

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DIE TOLLEN ABENTEUER DES MONSIEUR L., dank eines vermutlich zehnseitigen Drehbuchs sehr lose auf Jules Verne basierend, ist ein durchgängiges Actionfinale und hat gerade deshalb mit dem gleichen Problem wie INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES seines Fans Steven Spielberg zu kämpfen: Nach einem wohldosierten ersten Teil wird das Prinzip „Höher schneller weiter“ ohne die Komma dazwischen eigentlich etwas ermüdend. Vor lauter Rumms und Bumms sehnt sich der Zuschauer nach der nächsten Quotenknutscherei. Dann ist da dieser plumpe Slapstickhumor, der eigentlich einfach etwas zu dumm ist, dass er noch funktionieren könnte. Aber … es muss zum einen gesagt werden, dass ohne den Vorreiter de Broca der japanische Super-De-Broca Norifumi Suzuki wohl niemals zu solchen Höchstformen wie in seinen SUKEBAN-Filmen aufgelaufen wäre. Und seltsamerweise verzeiht man Filmen mit zunehmender zeitlicher Distanz auch ihre Schwächen, da sie eben Prototypen waren. Man nehme den eigentlich extrem tumben HALLOWEEN von Carpenter, den viele damals zurecht als dummdreist abgetan haben und den viele heute völlig zurecht als Klassiker bezeichnen. Die Zeit heilt viele Wunden und deshalb ist DIE TOLLEN ABENTEUER DES MONSIEUR L., da Wegweiser, einfach genial.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
ABENTEUER IN RIO (Philippe de Broca)
GIRL BOSS GUERILLA (Norifumi Suzuki)
INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES (Steven Spielberg)
mochten

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