LOVE HOTEL (Rabu Hoteru)

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Japan 1985
Regie: Shinji Somai
Drehbuch: Takashi Ishii
Produzent: Yoshiyuki Kaino
Kamera: Noboru Shinoda
Musik: Daisuke Hayashi
Darsteller: Minori Terada, Noriko Hayami, Rie Nakagawa
88 min

Shinji Somais perfekte Arthouse-Sexploitation-Symbiose

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Nachdem der wegen Mietschulden bei den Yakuza in Misskredit gekommene Muraki diverse Yakuza in seinen Geschäftsräumen vorfindet, als sie gerade seine Frau vergewaltigen, besäuft er sich und lässt seinen Frust an der Prostituierten Nami in einem Liebeshotel aus. Als sich Beide zwei Jahre später wiedertreffen versuchen sich der Ex-Kunde und die Ex-Nutte erneut anzunähern, können aber den kurzen Moment im Liebeshotel nicht wieder zurückholen.
Es gibt Filme, die weder durch Zusammenfassungen und erst recht nicht mit Screenshots angemessen besprochen werden können. LOVE HOTEL ist Shinji Somais Meisterwerk der Langsamkeit. Mit noch nicht einmal 40 Schnitten (kurze Establisher-Shots eingerechnet) in anderthalb Stunden Film skizziert er zwei einsame Seelen, die sich nichts sehnlicher als Harmonie wünschen, dazu aber nicht fähig sind. Das schönste Film-Ende dieser Welt liefert Shinji Somai noch so nebenbei ganz unspektakulär ab, wenn Nami fast auf Murakis Exfrau trifft (die eine kommt, die andere geht) und über den kompletten Abspann die Kirschblüten regnen.
Ideales Anschauungsmaterial also für Filmstudenten: Die sollten dazu verdonnert werden, sich diesen Film anzusehen, um vor Augen geführt zu bekommen, wie Filme jenseits von Konditionierungen interessant inszeniert werden können.

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LOVE HOTEL ist der wohl beste Roman Porno überhaupt, ganz einfach, weil er eigentlich gar keiner ist, sondern eben ein Shinji Somai-Film. Von der Director’s Company produziert, übernahm Nikkatsu für ihre Roman Porno-Reihe den Vertrieb. Die üblichen drei Pimper-Nummern sind zwar enthalten, aber – wie fast alle restlichen Szenen – am Stück inszeniert. Eigentlich ist LOVE HOTEL noch nicht einmal ein Sexfilm. Er hat bis auf eine etwas rüde Sexszene am Anfang nichts vorzuweisen, das ins Roman Porno-Korsett passen würde, außer vielleicht der Produktionszeit: Der Film wurde in zehn Tagen gedreht.
Das Drehbuch stammt von der Ikone der japanischen Rape-and-Revenge-Filme, Takashi Ishii, der in den 80ern auch etwas anders gelagerte Drehbücher geschrieben hat, als die zu den Filmen, die er später selbst gedreht hat. Hervorzuheben ist zusätzlich der melancholische Score, der diese traurige Ménage à trois angemessen untermalt.
LOVE HOTEL wurde auf dem Yokohama Film Festival mit Preisen überschüttet. Insgesamt sechs Auszeichnungen räumte er dort ab: nicht schlecht für einen “Sexfilm”, der wie kein anderer dieses “Genres” die Grenzen zwischen Kunst und Exploitation ad absurdum führt.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
DIE PIPI-REITER (Shinji Somai)
KAZA-HANA (Shinji Somai)
STRAIGHT STORY (David Lynch)
mochten

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