MAGDALENA – VOM TEUFEL BESESSEN (Beyond The Darkness)

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Regie: Walter Boos (als Michael Walter)
Drehbuch: August Rieger (als Jean Christian Aurive)
Produzent: TV 13
Kamera: Ernst Kalinke
Musik: Hans-Martin Majewski
Darsteller: Dagmar Hedrich, Elisabeth Volkmann, Werner Bruhns, Sascha Hehn
81 min

Perfekte Exploitation-Unterhaltung

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Mein weltgrößtes Vorweihnachtsgeschenk war letztes Jahr Marc Ewerts „Mondo Bizarr“-Screening von MAGDALENA – VOM TEUFEL BESESSEN. Regisseur Walter Boos ist ja einer der ganz großen deutschen Exploitationgötter, was ich bis dahin leider in meiner Ignoranz gegenüber dem deutschen Film überhaupt nicht wusste. Aber auch ich bin ja lernfähig. Ich ging also zu dieser Veranstaltung, erwartete den üblichen Trash-Alarm mit einigen Lachern, die den üblichen Gähnfaktor auflockern. Aber was war das für ein Meisterwerk! Schon der Anfang „Besoffene Nutte torkelt aus Kneipe und in Kirche, in der einer ganz lattenjuppig ans Tor genagelt wurde“ ist so groß, dass die Epilepsie meinerseits nicht weit war. Und über diesen 70er-Jesus wird der blutrote Titel eingeblendet: MAGDALENA – VOM TEUFEL BESESSEN. Es wird Großes folgen, ich spüre es!
Gleich danach wird unsere Titelfigur eingeführt. Magdalena ist ein braves Internatsmädchen, in das nur wenige Minuten später der Teufel in Gestalt einer unsichtbaren Fliege fährt. Ungelügt! Der Deibel selbst ist eine Fliege, d.h. immer wenn Fliegengesumme ertönt, darf sich auf gigantische Method-Acting-Anfälle unserer Magdalena gefreut werden. Es ist fast unglaublich, mit welcher Inbrunst das One-Hit-Wonder Hedrich die Besessene verkörpert, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es wird sich geräkelt, dass Andrei Tarkowski vor Neid erblassen würde, und das nicht nur einmal! Magdalena klatscht dabei ihre granatenharten 70er-Brustimplantate dermaßen an ihre Blusen, dass die Garderobiere bestimmt wie die Hauptdarstellerin nicht nur einmal schweißnass in der Ecke saß. Und das Geräkel ist nur das Vorspiel. Wenn drehbuchbedingt verlangt, geizt die Hedrich auch nicht mit Full-Frontal-Nudity. Die wird zumeist begleitet von einer wahren Schweinkramessenz aus ihrem Schandmaul, die Linda Blair zurück in ihr Puppenbettchen treiben würde. Es ist ein völliges Rätsel, wieso dieser Aphrodite des Prä-Klon-Zeitalters keine größere Karriere vergönnt war.

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Langeweile kommt hier nicht auf. Im Gegensatz zu Slasher-Standardstinkern, bei denen zwischen den Morden ein Wecker auf 10-Minuten-Intervall gestellt werden kann, ist MAGDALENA nicht verschlafbar. Zwischen den Räkelungen sind da verblödete Bullen, Pfaffen am Rande der Verzweiflung, sich kloppende und abmurksende Dorfdeppen, rumpelnde Dachböden, idyllischste Berglandschaften und Wirtshäuser, Elisabeth Volkmann als Internatsleiterin und und und. Die Blutrunst ist zwar rar und technisch erbärmlich, aber Hedrich, Hedrich, Hedrich!
Die zwei „Highest Lights“: Eine Szene mit Sascha Hehn, der das Luder im Auto mitnimmt und zudringlich wird. Wie im Selbsthilfe-Handbuch für Anhalterinnen gelernt, gilt es bei solchen Zudringlichkeiten den Arm des Nötigers mal eben geräuschintensivst zu brechen, was Super-Magdalena ohne Umschweife und Skrupel auch tut. Und das Nonplusultra: Der Mini-Exorzismus, wenn Magdalena den Teufel, diesmal in Gestalt einer Schlange, auskotzt. Das ist nix CGI, das Ding kommt WIRKLICH aus ihrem Mund. Es ist echt bewundernswert, wie gnadenlos die Filmschaffenden damals vor und hinter der Kamera unterwegs waren.
MAGDALENA ist ein Meisterwerk auf allen Ebenen. Ich habe selten einen so kurzweiligen Exploitationer gesehen. Hedrich, Hedrich, Hedrich, wieso nur, wieso bist du nur kurz erglüht?
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 20:80

Schulnote: 1-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
DER EXORZIST (William Friedkin)
DAS OMEN (Richard Donner)
SUKKUBUS (Georg Tressler)
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