GIMME SHELTER

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Japan 1986
Regie: Hisayasu Sato
Produzent: Ryu Inou
Drehbuch: Takatoshi Watari
Kamera: Toshihiko Uryu
Musik: Kizu Hayakawa
Darsteller: Mamiko Hiboshi, Kyomi Ito, Ran Minagami, Shu Minagawa
57 min

Gewohnt transgressiver Rundumschlag eines Berufsprovokateurs

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(GIMME SHELTER ist Hisayasu Satos Titel. Weitere Titel des Films: Exciting Eros: Hot Skin / Ekisaitingu ero: atsui hada / Yosei Mami ko masho no yobigoe)
Hisayasu Sato lässt mal wieder die Schwarte krachen, wie eigentlich in fast jedem seiner fünfzig Pinku Eiga, die er zwischen seinem 25. und 35. Geburtstag gedreht hat. Diesmal fast im Minutentakt. GIMME SHELTER ist dermaßen vollgestopft mit Grenzüberschreitungen, dass sogar Japans Vorzeigeprovokateur Koji Wakamatsu zurück auf die Schulbank verbannt wird.
Wenig ist hier nicht los, deshalb eine etwas längere Zusammenfassung: Die 17-jährige Kiriko sitzt mit ihren Eltern am Küchentisch und freut sich über ihre Geburtstagstorte. Es wird geplänkelt und über ihren Zwillingsbruder Eiji abgedröhnt, der sein Zimmer nicht einmal an seinem Geburtstag verlassen will (1.min). Der sitzt in seinem abgedunkelten Kabuff, sieht sich Atombombenexplosionen an und morst (vermutlich grenzdebilen Schweinkram wie „Ich schlachte euch alle ab!“) in die Welt hinaus (3.min). Nachts haben Vati und Mutti Sex, was uns in verschiedenen Stellungen vorgeführt wird (4.min). Kiriko liegt im Zimmer nebenan im Bett, hat einen Kopfhörer auf, der über Wanzen das Geröchel der Eltern in ihre Gehörgänge transportiert (7.min). Sie fingert munter an sich herum, bis sie vor Lust aus dem Bettchen fällt, den Kopfhörer aus ihrer Stereoanlage reißt und das Gestöhne nun auch ihr Zimmer erfüllt (10.min). Eiji morst und kritzelt mit Schweißperlen derweil vor sich hin, bis er, nach einem Kollaps auf seinem Schreibtisch, zum Kühlschrank in der Küche stürmt und wie ein Tier selbigen leer frisst (11.min).
Am nächsten Morgen geht Papa zur Arbeit, Kiriko zur Schule und Mutter guckt Glotze in der Küche. Eiji morst unmunter vor sich hin (14.min). Papa belästigt im U-Bahn-Gequetsche einen anderen Fahrgast (15.min). Kiriko und ihre Lehrerin tauschen im Klassenzimmer eindeutige Blicke und Gesten aus (17.min). Kiriko liest ein Comic auf dem Schuldach (18.min). Die Lehrerin masturbiert ausgiebigst mit einem Tampon auf einem Schulklo (20.min). Kiriko hat sich in der Kabine nebenan versteckt, kommt raus, kriegt von der Lehrerin eine gescheuert (21.min). Mutter sieht sich Aerobic in der Glotze an, hampelt nach, wird geil, zieht sich aus, wälzt sich fingernd auf dem Küchenboden (23.min). Eiji sitzt im Kabuff und verpasst sich Stromschläge (24.min). Vater holt sich derweil auf einem öffentlichen Klo auf eine Sportzeitung einen runter (25.min). Auf dem Schuldach haben Kiriko und die Lehrerin Sex. Nach ihrem Höhepunkt pumpt die Lehrerin Kiriko mit einer Spritze ihr Regelblut ab und spritzt es ihr mit den Worten „Ich hasse Kinder wie dich!“ ins Gesicht (31.min).

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Eiji im Bad: In bester Bob Geldof-THE WALL-Manier rasiert er sich alle Haare ab, inkl. Augenbrauen (32.min). Mutter frönt in der Küche ihrer Fresssucht, bis die Glotze explodiert. Eiji kommt hereingestürmt, haut Mutter k.o. (33.min). Eiji bindet Mutti in seinem Kabuff aufs Bett, vergewaltigt sie und stopft ihr eine Rasierklinge ins Maul, bis sie stirbt (39.min). Während Kiriko mit dem Fahrrad nach Hause fährt, ist in kurzen Rückblenden zu sehen, dass sie ihre Lehrerin ermordet hat (40.min). Kiriko legt sich in ihr Bettchen und träumt, wie sie zwei Sexpuppen (die Mutti und Vati ähneln) am Küchentisch mit einer Kettensäge zerlegt, bis Innereien herausquillen (42.min). Kiriko träumt, wie sie ihr Bruder auf dem Schuldach vergewaltigt (45.min). Als Kiriko bei Eiji anklopft, zerrt er sie in sein Kabuff und vergewaltigt sie neben der toten Mutter (48.min). Vater spricht einen Stricher an. Der holt die Polizei. Vater flüchtet, läuft vor ein Auto und ist tot (51.min). Eiji frisst vorm Kühlschrank. Nach ein bisschen Sploshing schlägt er sich so lange selbst auf die Fresse, bis er stirbt (53.min). Kiriko kommt hinzu, sieht den toten Bruder, summt grenzdebil ein Kinderliedchen (55.min). Kiriki fährt mit dem Fahrrad durch die Stadt und hängt sich auf einer belebten Straße an einer Straßenlaterne auf (56.min). Abspann (57.min).
Da geht so einiges, oder? Der hier angesammelte Kosmos der familiären Perversionen ist für Sato ziemlich repräsentativ, lediglich der doppelte Boden, in dem zumeist der Hauptdarsteller das Geschehen abfilmt, fehlt hier. Ansonsten wird keine Perversion ausgelassen. GIMME SHELTER ist nur einer der ganz vielen essenziellen Rundumschläge eines zurecht berüchtigten Autorenfilmers, der die Freiheiten des Pinku Eiga für seinen ganz persönlichen Rachefeldzug gegen die viel gerühmte Zurückhaltung der Japaner nutzte. Satos nihilistisches Festmahl ist in diesem Fall hier nicht nur inhaltlich die konsequente Weiterführung des „Cinema of Transgression“ auf (annähernd) Spielfilmlänge, sondern auch musikalisch: Der Weg zur allmorgendlichen Routine wird mit einem ironischen Funpunk-Lied unterlegt, das auch textlich die heile Familienwelt der Japaner aufs Korn nimmt. Und als sich Eiji selbst totschlägt, dröhnt übelster Knüppelcore über die Szenerie.
GIMME SHELTER ist das filmische Pendant zu einer Massenkarambolage und ideal für eine Zwangsräumungsparty: Der Geschichte kann auch ohne Ton über Beamer gefolgt werden. Gewürzt mit etwas „Lightning Bolt“ aus den Boxen kann dieser filmische Leckerbissen bei einer harmonischen Indoor-Lagerfeuerrunde durchaus für Wohlbefinden sorgen.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
NAKED BLOOD (Hisayasu Sato)
SECRET GARDEN (Hisayasu Sato)
FUGA MUSIC FOR ALPHA AND BETA (Hisayasu Sato)
mochten

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