NEGRESCO – EINE TÖDLICHE AFFÄRE (Negresco)

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Bundesrepublik Deutschland 1968
Regie: Klaus Lemke
Drehbuch: Max Zihlmann, Klaus Lemke, Ingo Hermes
Produzent: FIOR Film
Kamera: Michael Marszalek
Musik: Klaus Doldinger
Darsteller: Gérard Blain, Ira Fürstenberg, Paul Hubschmid
86 min

Interessantes Stillleben, pendelnd zwischen Godard und Franco

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Der arg coole Fotograf Roger (Sprich: Roschee) ist ein Lebenskünstler, der gerne bei den Reichen und Schönen mitspielen möchte. Als er in einem Fotostudio Aufnahmen der Millionärsgattin Laura Parish (Sprich: Pährisch) sieht, wittert der Gigolo seine Chance. Er schmeißt sich an die Olle ran, die, wie es sich für ein Millionärsluder gehört, dagegen nicht viel einzuwenden hat. Die Beiden vögeln sich das Hirn raus (im Off), hauen ab an die Côte d’Azur (u.a. ins berühmte titelgebende Hotel Negresco), verprassen des Luders Kohle und hängen schließlich in einer üppigen Villa bei den Ganovenkumpels ihres Mannes ab. Doch Unsympath Roger will Geld machen, das Bumsen ist nur Mittel zum Zweck, weshalb er in der Villa rumschnüffelt und dabei über geheime Dokumente des Millionärs stolpert. Diese Neugier bekommt ihm nicht, genauso wenig wie Laura das Ludertum, sodass beide auf die Abschussliste ihres Gatten kommen.

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Ob ich das jetzt alles richtig wieder gegeben habe, wage ich zu bezweifeln, da mir die innere Logik (so sei sie denn da) des Films verborgen blieb, aber genau das macht ihn zu einem sehr unterhaltsamen Zeitdokument. NEGRESCO ist wundervoll sinnfreies Geplänkel im positivsten Sinne und dabei Godards DIE VERACHTUNG nicht unähnlich, nur dass Lemke so unverkopft ist, dass er auf Kunst und dreiundzwanzig Metaebenen scheißt. Er tut vielmehr so, als würde er hier eine Krimigeschichte mit leichten Eurospy-Anleihen drehen, doch viel wahrscheinlicher ist es, dass die Produktionsgelder hauptsächlich genutzt wurden, um auf südlichen High-Society-Spielwiesen in bestem Jess-Franco-Sinne Frau Fürstenberg und ihren arg kleinen Liebhaber Gérard Blain in diversen Hotelzimmern wenig leidenschaftlich, aber umso mehr zombiesk prä-fassbinderisch abzulichten. Diese snobistischen Apathieansätze (gewollt oder nicht) in sonnendurchfluteten Motiven heben den Film angenehm von ähnlichen Krimi-B-Movies der End-60er ab, die vor lauter James Bond-Reise-Anbiederung nie zum Stillstand kommen und in Wirklichkeit auch nicht mehr erzählen als Lemke. Der Höhepunkt des unkinetischen Rumgelümmels findet im zweiten Drittel des Films statt, wenn die beiden Liebenden in der italienischen Villa mit anderen Kleinganoven abhängen. Hier regiert endgültig das Stillleben und kein James Bond junior. Eastmancolor liefert denn auch bisweilen sehr schöne Eindrücke vom Leben, Lieben und Sterben in diesen Settings und Kreisen, sodass sich schwelgerisch in den Heimkinosessel oder die Kinositze gefläzt werden kann. Schade nur, dass dieses Kleinod nicht, wie damals bei solchen Filmen weit verbreitet, in Cinemascope gedreht wurde. Ansonsten: Großes Kino.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
48 STUNDEN BIS ACAPULCO (Klaus lemke)
DIE STRASSE NACH SALINA (Georges Lautner)
FEUERDRACHE (Leslie Martinson)
mochten.

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