THE GREAT CHASE (Karei-naru tsuiseki)

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Japan 1975
Regie: Norifumi Suzuki
Drehbuch: Masahiro Kakefuda, Takeo Kaneko
Produzent: Kineo Yoshimine, Kenji Takamura
Kamera: Yoshikazu Yamasawa
Musik: Masao Yagi
Darsteller: Etsuko Shihomi, Eiji Go, Mieko Muramatsu
83 min

Völlig durchgeknalltes Genre-Crossover-Karatekloppfest

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Norifumi Suzukis beliebteste Filme bei Nippon-Aficionados sind eindeutig seine Beiträge zur kurzlebigen Pinky Violence-Welle. Von Sommer 1971 bis Frühjahr 1973 kurbelte er unglaubliche zwölf (!!!) gnadenlose Over-the-Top-Powerfrauen-Filme herunter, die gleichzeitig auch die Höhepunkte dieser Welle markierten. Das Tempo war so ungeheuerlich, dass z.B. Naomi Oka, der in GIRL BOSS GUERILLA eine Glatze geschnitten wurde, im Folgefilm WOMEN’S VIOLENT CLASSROOM lediglich mit Haarstoppeln auftrat. Die Drehgeschwindigkeit spiegelte sich auch in den Filmen wieder. Der Grindhousefaktor war zu dieser Zeit auch in Japan auf dem Höhepunkt: Pinky Violence waren vom Filmstudio Toei produzierte chaotische, ultrabrutale Genremischungen, die in ihrer Ingredienzienmaximierung zu filmischen Comicstrips mutierten. Angesiedelt waren sie zumeist im Frauengang- und Yakuzamilieu. Hier wurden noch die letzten heiligen Kühe geschlachtet. Symptomatisch war hier das Poster zu WOMEN’S VIOLENT CLASSROOM, dem ersten Teil der vierteiligen TERRIFYING GIRLS HIGH SCHOOL-Serie: Hier war neben barbusigen Mädchen die japanische Flagge mit Blut besudelt. Wie gesagt: Die Welle war kurz, selbst Norifumi konnte irgendwann trotz seiner Ideenflut dem Genre nichts mehr hinzufügen. Seine Entscheidung vom Toei-Provinzableger Kyoto in die Produktionshauptstadt Tokio zu ziehen, konfrontierte ihn mit der beginnenden Bruceploitation-Welle und auch mit der von Sonny Chiba gegründeten Karatefilm-Ausbildungsschule „Japan Action Club“. Dort stieg eine der Schülerinnen sehr schnell zum Superstar auf: Etsuko Shihomi. Nachdem Norifumi sein Meisterwerk SCHOOL OF THE HOLY BEAST abgedreht hatte, sollte er eigentlich alle SISTER STREET FIGHTER-Filme mit ihr inszenieren, wurde aber kurz vorher von Kazuhiko Yamaguchi ausgebootet. Aber er durfte stattdessen einen ganzen Film auf die sympathisch-jungdynamische Karateklopperin zuschneiden: THE GREAT CHASE.

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THE GREAT CHASE ist das oft vernachlässigte Bindeglied zwischen Norifumi Suzukis Pinky Violence-Phase, dem Karateboom und seiner Mainstreamphase mit der TRUCK RASCALS-Reihe, für die er wiederum beim nicht-cinephilen Japaner am bekanntesten ist. THE GREAT CHASE verramscht fast alles, was damals angesagt war. Es wirkt fast so, als wollte er vor der TRUCK RASCALS-Familienunterhaltung noch einmal so richtig die Schwarte krachen lassen. Etsuko ist hier nicht nur eine erfolgreiche Rennfahrerin, sondern auch noch eine Martial-Arts-gestählte Geheimagentin, die einer Drogenschmuggelbande das Handwerk legen muss. Es geht Schlag auf Schlag: Gerangel auf einer Seilbahn, eine peitschenschwingende Nonne (Suzukis Lieblingsfetisch), eine riesige Ringerin, eine Prügelei zwischen als Nonnen verkleideten Gangstern im Kirchenset von SCHOOL OF THE HOLY BEAST, Shihomi in diversen knallbunten Kostümen, Masken und Ketten, kleinere Splattereinlagen, gigantische Explosionen bei einer Verfolgungsjagd durch einen Steinbruch, eine Vergewaltigung im Bärenkostüm, Drogen in Leichen und generell unglaublich viel Gekloppe: Luftschnappen oder Pinkelpause verboten. Nach den knapp anderthalb Stunden torkelt der Zuschauer benommen von so viel Wahnsinn aus dem Kino, so auch ich: Neben GIRL BOSS GUERILLA ist THE GREAT CHASE direkt hinter SCHOOL OF THE HOLY BEAST in Norifumis Top Drei anzusiedeln.
Der Film ist nur einen Monat nach 13 STEPS OF MAKI von Makoto Naito erschienen. Der dazugehörige Trailer vermischt beide Filme, obwohl sie inhaltlich bis auf genreübergreifenden Wahnsinn nicht viel gemein haben: ein Dokument der Produktionsgeschwindigkeit und Vermarktung zur damaligen Zeit.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 1-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
GIRL BOSS GUERILLA (Norifumi Suzuki)
13 STEPS OF MAKI (Makoto Naito)
VIRGIN BREAKER YUKI (Yuji Makiguchi)
mochten

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