ON THE OUTSKIRTS, SOMEWHERE IN THE CITY (Na okraine, gde-vo gorode…)

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Sowjetunion 1988
Regie: Valeri Pendrakowski
Drehbuch: Vladislaw Romanow
Kamera: Gasan Tutunov
Musik: Edison Denisov
Darsteller: Alexander Larionov, Andrei Manannikov, Anton Scheremetjew
79 min

Vergessene Sozialdrama-Perle mit Mariupol als Kulisse

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Mariupol schien als Kulisse für den Niedergang der Sowjet-Industrialisierung prädestiniert zu sein. Im selben Jahr wie KLEINE VERA entstand dort der weitaus kleinere Film von dem damals 27-jährigen Valeri Pendrakowski. Ähnlich wie der große Sozialblockbuster zeigt er die Schattenseiten eines totalitären Systems anhand der schulischen und pubertären Probleme von zwei Jungs, die ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol, Liebe und Gewalt machen. Sie stolpern dabei durch eine extrem marode Stadt, die fast wirkt, als wäre da seit dem Zweiten Weltkrieg nichts passiert. Hier scheint keine Sonne, hier regiert der Smog. Die Winterkälte hat auch beim Nachwuchs um sich gegriffen. Ein Lehrer versucht sich für einen der Jungs einzusetzen, wird aber von einer jugendlichen Clique verprügelt und fast tot liegen gelassen. Die Schüler haben ihre Lektion gelernt und lassen ihre Wut an den liberaleren Vorbildern aus. Der Film endet, wie er begonnen hat, mit einer Totalen von Fabrikschornsteinen, die durch den Smog schimmern.

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ON THE OUTSKIRTS, SOMEWHERE IN THE CITY ist einer dieser Filme, die von der Filmgeschichte übersehen wurden. Selbst die beiden Standardwerke „Zero Hour“ von Horton/Brashinsky und „Before The Fall“ von Anna Lawton haben dieses Kleinod verpennt. Dabei ist er doch so schön anzusehen. Es gibt kein einziges Filmbild jenseits der Klassenräume, das nicht die absolute Tristesse stilisiert. Andererseits war es auch nicht schwer, so etwas einzufangen: Die pseudosozialistische Welt war ja so primitiv verlogen, dass ein Kameramann eigentlich nur einen Schwenk machen musste und schon wurde das Vorzeigeidyll ersetzt durch ranzige Strände, kaputte Industrieanlagen und Häuserruinen, die von mausgrauen Menschlein, die trübselig in die Zukunft blickten, frequentiert wurden. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Filmemacher in der Sowjetunion die Friede-Freude-Eierkuchen-Welt hinter sich ließen. Manch einer ging da zwar verschütt, aber – und das ist ja das Schöne am Film: Es sind Zeitdokumente, die für immer da sein werden, wenn man sie zurück ans Tageslicht bringt.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
KLEINE VERA (Vasili Pichul)
DER BOTE (Karen Shakhnazarow)
LIEBE JELENA SERGEJEWNA (Eldar Ryazanov)
mochten

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