DIE NICHTPROFESSIONELLEN (Neprofessionaly)

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Sowjetunion 1985
Regie: Sergei Bodrow
Drehbuch: Azhar Ayapova, Sergei Bodrow, Alexander Burawskiy
Produzent: Kasach Film
Kamera: Fjodor Aranyschew
Musik: Tulegen Mukhamedzhanov
Darsteller: Valentina Talyzina, Amanguelious Esslbaev, Anis Sadykow
64 min

Das erste No-Future-Sozialdrama der Perestroika

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Sergei Wladimirowitsch Bodrow, nicht zu verwechseln mit seinem Sohn Sergei Sergejewitsch Bodrow (der die Kultfigur Bagrow in Alexei Balabanows BROTHER spielte), war eine der Schlüsselpersonen des Chernukha-Booms in der Glasnost-Ära. Anders als z.B. Alexander Rogoschkin oder Pavel Lungin, die sich nach Rundumschlägen gegen die Sowjetunion schon bald anderen Themen widmeten, blieb der Bewunderer des amerikanischen Genrekinos seiner Neigung zu sozialkritischen Themen vergleichsweise lange treu.
Seine filmische Vorgeschichte ist der von Pavel Lungin nicht unähnlich. Beide arbeiteten in der Industrie als Drehbuchautoren und betraten gleich mit ihren Debütfilmen (Bodrow mit 38, Lungin mit 40) diverse internationale Festivalbühnen.
Bodrows Erstlingswerk DIE NICHTPROFESSIONELLEN brachte ihm sofort den Ruf eines russischen Wim Wenders ein. Wie auch Wenders IM LAUF DER ZEIT begleitet er in Schwarz-Weiß vermeintliche Verlierer auf der Suche nach ihrer nationalen Identität. Bei Bodrow sind das ziellose Taugenichtse, die einfach kapiert haben, dass sie im ökonomischen Fallout der breschnew’schen Stagnation keine Zukunft haben. Rebellieren lohnt nicht, also rumziehen, spielen, abhängen, weiterfahren.

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Die siebenköpfige Amateurband „Rainbow“ fährt mit einem kleinen Bus durch Kasachstan und wird von Kolchosen oder Altersheimen für Konzerte engagiert, einfach nur um der hinterländischen Landbevölkerung etwas „Kultur“ zu bieten. Manch einer aus der Band träumt von einem Musikstudium, die meisten jedoch leben in den Tag hinein, haben keine Illusionen. Ihre neumodische Musik ist vor allem im Altersheim nicht sehr beliebt, doch die Alten gehen trotzdem hin. Gibt ja sonst nichts zu tun. Auch den Musikern ist fad. Da wird dann schon mal eine Kuh geklaut und in den Bus geschleppt. Doch als ihnen ihr Fahrer sagt, dass so etwas mit zwei Jahren Knast enden könnte, erschlagen sie die Kuh, nicht aus Gewaltgeilheit, sondern aus blankem Unvermögen. Als sie auch noch die Besitzerin beim Entsorgen der Kuh erwischt und flüchtet, kommt den Losern beim Verfolgen der Frau gerade noch ein Funken Gewissen hoch und sie lassen sie gehen, ohne ihr auch noch Gewalt anzutun.
DIE NICHTPROFESSIONELLEN wurde schon 1985 in (für einen Low-Budget-Film) üppigen 24 Tagen gedreht, hauptsächlich mit Laiendarstellern, sowohl unter den Jugendlichen als auch den Heiminsassen. Der Schwarz-Weiß-Look sollte den Film in die Nähe vergilbter Fotografien rücken, Erinnerungen an einsame, verlassene Menschen, egal ob alt oder jung. Eine derartig desillusionierte Konzentration auf so hoffnungslose menschliche Sowjetreste entsprach so gar nicht deren Idealen, sodass der Film erst 1987 im Zuge der Zensuraufweichungen unter Glasnost veröffentlicht wurde.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 3+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
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mochten

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