DAS LETZTE ROTKÄPPCHEN (Le dernier chaperon rouge)

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Frankreich 1996
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Carlo de Boutiny, Jan Kounen
Produzent: La Petite Reine, Tawak Pictures, Canal Plus, La Sept Arte, Cineteve, Centre National de la Cinematographie, Vol de Nuit, Mac Guff Ligne, Oibo, Monteurs Studio, Thomas Langmann, Jan Kounen
Kamera: Tetsuo Nagata
Musik: Jean-Jacques Hertz, Francois Roy, Brune Roman
Darsteller: Emmanuelle Beart, Marc Caro, Gerald Weingand, Alexandra Gonin
26 min

Kurzfilm-Meisterwerk jenseits von Gut und Böse

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Es war einmal eine Königin, die ein gar hässlich Blag, einem Monster gleich, gebar. Ekel ergriff sie ob solcher Hässlichkeit, dass sie das Monster (Marc Caro) im Wald aussetzte. Dort lebte das Monster einsam und verlassen, bis eine Atombombe mit Tausenden von Rotkäppchen aus dem Mittelpunkt der Erde emporstieg. Eines der Mädchen war schöner als das andere und das Monster wollte ein Stückchen von dieser Schönheit besitzen. So kam es, dass das Monster ein Rotkäppchen nach dem anderen abschlachtete, bis nur noch eins übrig war. Das letzte Rotkäppchen (Alexandra Gonin) tanzte gern. Das Monster wollte aber auch tanzen. Mit Hypnose bannte es das Rotkäppchen und war gerade dabei, ihm die Beine zu verstümmeln, als sich das Mädchen befreien konnte und das Monster tötete.
Die Jahre vergingen und das Rotkäppchen mit den Krüppelbeinchen wartete und wartete und wartete, bis sie ein altes Mütterchen (Diana Payne Myers) war. Ihr innerster Traum vom Tanzen hielt sie am Leben. Das Warten war nicht umsonst, denn schließlich entstieg das allerletzte Rotkäppchen (Emmanuelle Beart) der Bombe. Dies Rotkäppchen hatte eine aufgespritzte Oberlippe, tanzte und sang sogar. Doch das war dem Mütterchen wurscht, es wollte nur die Beine. Und es hatte von dem Monster die Hypnosetricks gelernt. Der verwunschene Wald, in dem das Häuschen des Monsters stand, war bevölkert mit frohlockenden Fabeltieren, unter denen sich auch ein Hase (Stephane Chivot) und ein Wolf (Gerald Weigand) befanden. Das Mütterchen schnappte sich den Hasen und lockte damit das Spritzlippenkäppchen herbei. Doch der Wolf hatte sich in das Käppchen verguckt und kam, um sie zu retten…

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Unglaublich, sogar nach dem x-ten Konsum immer noch der Hammer! Das hier ist der definitive Beweis, dass die technische Raffinesse und sein Faible für moralisch grenzwertig Charaktere bei Jan Kounen’s Langfilmdebüt DOBERMANN kein Zufall war, sondern die konsequente Steigerung zu seinen Kurzfilmen. Vier Stück hatte er davon gedreht, einer wahnsinniger, genialer und asozialer als der andere. DAS LETZTE ROTKÄPPCHEN von 1996 war schließlich sein Meisterstück (das sogar mit einer direkten Überleitung zum Langfilm endet): Ein Märchen-Fantasy-Science-Fiction-Splatter-Musical, das vor Ideen nur so platzte. Es gibt keine einzige Sekunde in diesem Vorzeigebeispiel für innovative Möglichkeiten, die nicht mit absoluter Liebe zum Detail in Szene gesetzt wurde. Das fängt an bei den Studiokulissen, geht über die Spezialeffekte seines Werbekollegen Marc Caro, über das Zusammenspiel von Kostüm, Maske, Kamera, Licht bis hin zur fantastischen Geschichte, die – wie es sich für ein gutes Märchen gehört – mit einigen Horroreffekten garniert ist, die definitiv nichts für Kinder sind. Die Romantik im klassischen Sinne kommt ebenfalls nicht zu kurz und sogar der Bezug zum Originalmärchen wird über kleine Nebenwege auch noch hergestellt. Musicaleinlagen sind der Graus fast jedes Nichtamerikaners, doch hier passen sie ideal zur fabelhaften Geschichte. Wenn es ein ultimatives Kurzfilm-Meisterwerk auf diesem Planeten gibt, dann ist das DAS LETZTE ROTKÄPPCHEN.
Schade, dass dieser Kurzfilm zwar auf einigen DVDs veröffentlicht wurde, aber immer nur letterboxed. Wo ist die Scheiß-Bluray?
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 80:20

Schulnote: 1+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
VIBROBOY (Jan Kounen)
DOBERMANN (Jan Kounen)
CAPITAINE X (Jan Kounen)
mochten

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