THE ODD ONE DIES (Liang ge zhi neng huo yi ge)

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Hongkong 1997
Regie: Patrick Yau
Drehbuch: Wai Ka Fai
Produzent: Johnnie To (Milky Way)
Kamera: Siu-Keung Chen
Musik: Raymond Wong
Darsteller: Takeshi Kaneshiro, Carman Lee
89 min

Romantisches Außenseiterdrama als Actionfilm getarnt

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Die kleinen Dinge zählen, nicht das Gefuchtel mit den Knarren. Dieses Gefuchtel ist zwar im Hongkongkino mindestens genauso wichtig und ermüdend wie 400 Drehbuchseiten an Dialog im deutschen Film, doch Patrick Yau hat vor 15 Jahren einfach mal drauf gekackt. Natürlich geht es auch in THE ODD ONE DIES um zwei Killer, aber die sind nicht wirklich gut in ihrem Job: Mo verspielt lieber das Geld für Auftragsarbeiten und sein weibliches Gegenstück würde sich zwar gerne an bösen Buben rächen, doch von Knarren hat sie nicht wirklich Ahnung.
Mo ist cool, fast schon über-cool, die Fluppe muss ins Gesicht, immer, und dann noch eine. Es ist wichtig, ein cooler Killer zu sein, wichtiger als der Job. Ein cooler Wagen muss auch her, doch Autofahren sollte man damit auch können und nicht wie Mo die Karre nach zehn Metern vor eine Laterne knallen. Eigentlich hat Loser-Mo nur drei Punkte für sich: Sein Aussehen, seine Hartnäckigkeit und seine Respektlosigkeit. Wenn er aus einer Spielerhölle rausfliegt, vor der Tür so richtig auf die Fresse bekommt, dann einfach wieder aufsteht und blutverschmiert an den Spieltisch zurückkehrt, bleibt nicht nur den „harten Jungs“ die Spucke weg.
Dann trifft Mo auf Dreadlock-Lumpi in weiblich. Auch sie ist cool, quarzt ebenfalls nonstop und hat Stinkefüße. Und während Lumpi schläft, wäscht ihr Mo die Stinkesocken, heimlich, doch sie beobachtet ihn dabei. Das zieht selbstverständlich mehr als Rauchen und so bahnt sich die Liebe ihren Weg. Cool und cool gesellt sich gern, doch Lumpi will nicht in einer Kaschemme flachgelegt werden, sondern im Luxushotel. Das gestaltet sich für die beiden Punks nicht leicht. Als sie es dann doch geschafft haben, wird sich auf die Kopulation vorbereitet wie beim allerersten Mal: Es wird sich geduscht und Blümchen in die Wanne gestreut, die Zähne geputzt (inkl. Zahnfleischbluten), die Zehennägel säuberlich in den Aschenbecher geknipst. Knallharte Killer unter sich eben.

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THE ODD ONE DIES lebt erzählerisch von drei Dingen: Wiederholungen, dem akribischen und sarkastischen Zelebrieren von Kleinigkeiten und einem unglaublich guten Score, der das liebenswerte Außenseiterdasein seiner Helden noch multipliziert. Die Kameraarbeit passt sich dem an. Manchmal wirbelt sie herum, manchmal gleitet sie mit, aber in Bewegung ist sie immer, bis sie einmal wortwörtlich einfriert. Den Genuss schmälernd sind theoretisch die hongkongtypischen melodramatischen Zipperlein, doch über die kann eben, weil systemimmanent, hinweg gesehen werden. Manchmal darf Romantik eben auch melodramatisch sein. Ach so, Äkschn gibts auch, aber auch nur weil Äkschn rein muss, sonst geht da ja in Hongkong keiner rein.
Zum Unterstreichen meiner Meinung zitiere ich hier ein bisschen aus der ofdb. Ein gewisser Soze teilt meine Meinung nur bedingt:
„Was ist das? Okay, ich habe mir wirklich nicht viel erwartet (5 € Schnäppchen), aber dieser langatmige, billige, actionlose und vor allem sinnlose Film ist keine 10 Cent wert! Ich bin wirklich alles andere als ein Eastern-Hasser (z.B. Bullet in the Head-> Wahnsinn!), aber so etwas hätte ich mit einer Knallpistole und zwei Freunden im Wohnzimmer besser hingekriegt. Reine Zeitverschwendung!!“
Weils so schön ist, die Meinung von Jet Li noch hinterher:
„Dieser Film ist einfach nur langatmig. Man wartet immer drauf das Kaneshiro in eine wilde Ballerei vewickelt wird(ist hier aber nicht der Fall) Der Hauptdarsteller Takeshi Kaneshiro redet kaum und der Rest des Films ist einfach nur superlangweilig. Ich habe mir die DVD am Samstag für 7€(zum Glück hab ich nicht mehr gezahlt)gekauft und muss sagen das ich es schon bereue. In dem Film gibt es so gut wie keine Schießerei. Vielleicht zum Schluss schießen ein paar Gangster eine kleine Menge an Kugeln durch die Luft und das war es auch schon. Die Musik im Film klingt wie in einem Kinderfilm. Die Athmosphäre hätte man auch um längen besser machen können. Manche vergleichen den Film mit Violent Cop oder Sonatine. Ich finde der Film ist es nicht mal wert mit den zwei genannten Kitano verglichen zu werden.Hätte Multitalent Takeshi Kitano die Hauptrolle und Regie des Films übernommen wäre sicherlich ein prima Film entstanden.“
Und so schließe ich mich ihnen an: THE ODD ONE DIES hat einfach alles, was ein Kultfilm braucht (-> Wahnsinn!)
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 60:40

Schulnote: 1-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
TRUE ROMANCE (Tony Scott)
DRIVE (Nicolas Refn)
WILD AT HEART (David Lynch)
mochten

Hier noch das wunderschöne, fast quadratische Bild der deutschen DVD im Vergleich zum Bild der Hongkong-DVD (die allerdings zu farbsatt, lediglich letterboxed und ca: 1,68:1 statt 1,85:1 ist).
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Und noch die Fake-DVD eines Fans. Zeit wirds, meine lieben Janusköppe von Criterion! Aber Seijun Suzuki hat ja auch ein paar Jahre gebraucht.
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