TRAPPED IN LUST (Aiyoku no wana)

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Japan 1973
Regie, Vorlage: Atsushi Yamatoya
Drehbuch:Yozo Tanaka
Produzent: Genjiro Arato
Kamera: Toshihiro Asakura
Musik: Kazuo Sugita
Darsteller: Michio Akiyama, Teruko Amano, Genjiro Arato, Moeko Ezawa
73 min

Action-Psycho-Thriller inklusive sexuellem Surrealismus

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Atsushi Yamatoya war vorrangig Drehbuchautor für so ziemlich jeden bekannteren Gegenkultur-Regissseur Japans in den 60ern und 70ern (z.B. Wakamatsu, Adachi, Watanabe, Seijun und Noribumi Suzuki, Fujita, Sone, Hasebe, Naito). Etwas unbekannt sind leider seine eigenen Arbeiten als Regisseur.
Die Versatzstücke seiner Regiearbeiten sind alle ähnlich. Die Protagonisten sind Randfiguren der japanischen Gesellschaft. Nach einer einführenden Schilderung ihrer Umgebung oder Außenwelt wendet sich die Geschichte zu den Innenwelten ihrer Charaktere hin, die wegen ihrer Zerrissenheit immer mehr von ihren eigenen Albträumen verfolgt werden. Mit surrealen Bildern wird nicht gespart, Stück für Stück wird dem Zuschauer der rationale Boden unter den Füßen weggezogen. Paranoia und Schizophrenie greifen um sich, eine Auflösung oder Erlösung gibt es nicht. Jeder Zuschauer sieht seinen eigenen Film und fügt die Bausteine anders zusammen.
Yamatoyas vierter und letzter Film TRAPPED IN LUST passt genau in dieses Schema. Auch hier kippt die Geschichte nach einer konventionellen ersten halben Stunde, in der der Alltag eines hochprofessionellen Auftragskillers gezeigt wird, in eine Zwischenwelt. Besonders bemerkenswert bleibt die Schlüsselszene des Films: Eines Nachts wacht der Hitman im Haus seiner Geliebten auf und beobachtet durch ein Schlüsselloch, wie ein Mann im Trenchcoat mit einer lebensgroßen weiblichen Bauchrednerpuppe seine Geliebte und seinen Auftraggeber (gespielt von Yamatoya selbst) mit einer Pistole in Schach hält. Yamatoya wird erschossen und in der nächsten Szene wird die Geliebte von der Bauchrednerpuppe vergewaltigt!

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Im weiteren Verlauf gibt es eine Verfolgungsjagd mit einem anderen Killer, und zwar mit Luftgewehren, in der sich die Kontrahenten je ein Auge ausschießen, und eine finale Konfrontation mit dem Bauchredner-Trenchcoat-Duo, das ab und an auch mal die Rolle wechselt (Der Trenchcoat-Mann wird zur Puppe und umgekehrt). Hört sich alles wahnsinnig an, ist es auch und lässt den Zuschauer ohne Erklärungen zurück.
TRAPPED IN LUST ist nicht nur typisches Yamatoya-Regie-Terrain, sondern zudem eine lose Fortsetzung von Seijun Suzukis BRANDED TO KILL (1967). Schon nach seiner Beteiligung an jenem Gemeinschaftsprodukt aus acht Drehbuchautoren schrieb Yamatoya ein Drehbuch über den Hitman No.1, der in Suzukis Film nur eine Nebenrolle hatte. Das Projekt wurde jedoch auf Eis gelegt, bis er in dem Schauspieler Genjiro Arato einen Geldgeber und Hauptdarsteller für seinen Film fand. Das fertige Produkt passte aufgrund seines Sex-Gehaltes hervorragend in die Roman Porno-Reihe von Nikkatsu, die den Film dann auch verliehen. Der Film galt nach seiner Kinoauswertung lange als verschollen, bis zwanzig Jahre später die Negative wieder auftauchten.
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P.S.(8.8.2014): Der Film ist dank arrowfilms endlich mit englischen Untertiteln als Bonus auf der Bluray-Veröffentlichung von BRANDED TO KILL erhältlich!

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
VIOLENT VIRGIN (Koji Wakamatsu)
INFLATABLE SEX DOLL OF THE WASTELANDS (Atsushi Yamatoya)
BRANDED TO KILL (Seijun Suzuki)
mochten

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