SEE YOU IN HELL, MY DARLING (Tha se do stin Kolasi, agapi mou)

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Griechenland 1999
Regie, Drehbuch: Nikos Nikolaidis
Produzent: Nikos Nikolaidis, GFC, ET
Kamera: Yorgos Argiroiliopoulos
Musik: Nikos Touliatos
Darsteller: Vicky Harris, Valeria Christodoulidou, Paschalis Tsarouhas
108 min

Nikolaidis persönlichster Film: Die Nekro-Romantik eines Voyeurs

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Kurz vorm Millennium inszenierte Nikos Nikolaidis seinen persönlichen Lieblingsfilm SEE YOU IN HELL, MY DARLING mit seinem ersten Budget an der 100.000-Euro-Marke: Ein gefundenes Fressen für die Psychoanalyse des Herrn Nikolaidis, da sehr persönlich, sehr cineastisch, unbeliebt bei den Kritikern (Misogynie-Vorwürfe!) und ein Riesenflop an den Kinokassen: Nur an die 1000 Menschen wollten den Film im Kino sehen, sodass eine DVD-Veröffentlichung immer nach hinten geschoben wurde.
„SEE YOU IN HELL, MY DARLING lief fast automatisch. Das Drehbuch wurde in einem Rutsch geschrieben, ohne Änderungen. Es ist die Geschichte einer verhängnisvollen Menage a Trois. Zwei Frauen, ein Mann. Der Film taucht ein in ein nebeliges, feuchtes, faulendes Unterbewusstsein, eine Nekro-Romanze über die Dunkelheit und die drückende Hitze von unerfüllten Wünschen und Geistern. Genau da, wo diese wunderbaren fleischfressenden Pflanzen des Film Noir blühen.“ (Nikos Nikolaidis)
Der Aufhänger des Films ist – in blitzlichtartigen Rückblenden angedeutet – fast zu vernachlässigen: Die beiden Frauen Elsa und Vera scheinen zusammen mit einem nicht namentlich genannten Mann bei einem Coup einen Koffer mit wertvollem Inhalt an sich gebracht zu haben. Der Mittäter schwimmt jetzt tot im Pool von Elsas Haus. Beide Frauen scheinen den Mann geliebt zu haben.
Jetzt ist es Nacht, der Koffer wird zur Nebensache, die Femme Fatales lieben und bekriegen sich. Sie entsorgen die Leiche des Mannes im Meer, doch kurz danach begegnet ihm Vera im Garten, lediglich mit zerschlagener Brille, nach Zigaretten fragend. Elsa bringt sich um, oder auch nicht? Gestorben wird hier viel, doch tot ist keiner, oder am Ende etwa doch?

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Es ist mir völlig unbegreiflich, wie dieser Film ein Flop sein konnte. Er wirkt wie die Farbvariante von SINGAPORE SLING – nur erheblich sexier. Nie hat Nikolaidis akribischer auf die Kamera-Umschmeichelung seiner beiden Hauptdarstellerinnen geachtet: SEE YOU IN HELL, MY DARLING ist Nikolaidis feuchter Traum, eine einzige Ode an die weibliche Schönheit, eine Verbeugung vor Frauen – mit all ihren Offensichtlichkeiten: Die innere Zerrissenheit zwischen Warmherzigkeit und knallhartem Auftreten, die Wut und die Verbissenheit beim Kampf um das Subjekt der Begierde, die Solidarität untereinander gegen das „starke“ Geschlecht. Ein assoziatives Kammerspiel, das sich nicht in der Verkünstelung eines EURIDICE B.A.2037 verirrt, sondern in Noir-Bildern schwelgt, die immer wieder erneut jeglichen Ansatz einer linearen Geschichte zerstören und das Krimi-Element nur als Vorwand für den Ping-Pong-Kampf zweier Frauen nutzen, die in der Hölle schmoren – und die sieht bei Nikolaidis eben aus wie sein Haus mit Swimmingpool. Sollte der Mann ein Alter Ego von Nikolaidis sein, ist die Selbstironie schon bewundernswert, denn das Einzige, was den Mann außer seinen Trieben zu interessieren scheint, sind Zigaretten.
Meines Erachtens ist SEE YOU IN HELL, MY DARLING Nikolaidis bester Film, weil er ähnlich wie SINGAPORE SLING tief in die Psyche seines Regisseurs eintaucht, aber im Gegensatz dazu statt Ekelbildern die liebevollsten Bildkompositionen in Nikolaidis Karriere liefert.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
SINGAPORE SLING (Nikos Nikolaidis)
UND VOR LUST ZU STERBEN (Roger Vadim)
MEIN GEIST WILL IMMER NUR DAS EINE (John Derek)
mochten.

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