KINGS OF CRIME (Vory v zakone)

OLMERA
Sowjetunion 1988
Regie, Drehbuch: Yuri Kara
Vorlage: Vazil Iskander
Produzent: Ladia Studio (Gorky)
Kamera: Wadim Semyonowitsch
Musik: Wladimir Spiwakow
Darsteller: Anna Samochina, Valentin Gaft, Vladimir Steklow, Boris Schcherbakow
89 min

Erster Mafia-Exploitationfilm der Sowjetunion

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Glasnost brachte nicht nur arthouselastige Rosskuren zutage, sondern auch weniger anspruchsvolle Genrefilme. Der Prototyp für den Schundboom war Yuri Karas KINGS OF CRIME.
Das Landei Rita wird gleich zu Filmbeginn als etwas skrupellos eingeführt. Schön mit Verjüngungszöpfchen versehen, pimpert sie mit einem Bauernburschen, der direkt ein Mütterchen erschlägt, das die Beiden überrascht. Klein-Rita geht schnurstracks nach Hause und tut so, als wär nichts gewesen.
Jahre später (der Film spielt gegen Ende der Breschnew-Ära) ist sie zum Liebchen des lokalen Paten aufgestiegen. Da wird geschossen, gemeuchelt und erpresst, wie es sich für die Mafia gehört. Als es ihrem Paten zu heiß wird, muss sich Rita von ihm trennen. Sie verliebt sich in einen Archäologie-Quotenschönling, zieht sich wieder aufs Land zurück, wird aber dort von ihrer Vergangenheit eingeholt.
Der Orignaltitel „Vory v zakone“ heißt übersetzt „Diebe im Gesetz“ und bezeichnet die russische Mafia. KINGS OF CRIME ist ein klassischer Mafia-Exploitationheuler, der sich technisch und inhaltlich ungefähr so überraschend bewegt wie ein deutscher Durchschnitts-TATORT. Wichtig ist er dennoch, da er der erste Sowjet-Film mit unabhängigem Verleih und Blaupause für noch miserablere Actionfilme war. Etwa 70 Millionen (!!!) Zuschauer machten KINGS OF CRIME zu einem der größten Kinoerfolge der Perestroika-Ära überhaupt. Repräsentativ für seinen wegbereitenden Charakter war auch der ironische Untertitel seiner Auszeichnung auf dem Filmfestival von Odessa: Die drei K, die da erfunden wurden, standen für: Konjunktur, Kommerz und Kitsch.

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Für einen Westler ist es eigentlich fast unglaublich, auf welchem optischen Niveau sich dieser Film bewegt. Da steht 1988, aber wären nicht ein paar zeitlich eindeutige Autos im Film zu sehen, könnte das alles auch Mitte der 60er spielen. Ich fühlte mich fast an die türkischen Müllfilme erinnert, die nach Einführung des Satellitenfernsehens auch über türkische Fernsehsender nach Deutschland flackerten. Das Bild der KINGS OF CRIME-DVD hat jedoch fast keine Laufstreifen und die Schauspielkunst liegt auch über den türkischen Pendants, was aber nichts heißen mag, denn unter Blinden ist jemand mit grauem Star auch noch irgendwie König.
Der Nachholbedarf an Trivialität im Actionbereich ist da arg zu spüren, wenn auch noch zaghaft umgesetzt, denn die Exploitationkultur musste ja in der Sowjetunion erst mal aufgebaut werden: Dank des 60er-gemahnenden Looks gibt es z.B. einen Nippelblitzer bei Anna Samochina zu begutachten, einer ziemlich beliebten russischen Schauspielerin, die hier in einer ihrer ersten Rollen zu sehen war. An Gewalt wird auch nicht gespart: Ein glühendes Bügeleisen wird da schon mal auf einer Bierplauze vergessen. Dann gibt es da noch den Handabsäge-Gag aus MAD MAX auf Russisch, die klassische Bondage-Szene, in der Ritas Hupen aus ihrem knallroten 80er-Kleidchen rauswackeln, eine Verfolgungsjagd (bei dem ein Kinderwagen inklusive Kind geplättet und mit dem Auto u.a. über eine Rampe gesprungen wird, damit auch mal über eine Rampe gesprungen wurde), einige Schießereien und das fast schon obligatorische Nicht-Happy End.
Somit ist das alles dann doch ein ganz guter DVD-Ersatz, wenn zeitgleich weitaus uncharmanterer, aber inhaltlich ähnlich bodenloser Amidreck wie DER ANSCHLAG (2002) in der Glotze läuft.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 10:90

Schulnote: 3+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
IM ALLEINGANG (Michail Tumanishvili)
PHANTOMKOMMANDO (Mark Lester)
HARD TO KILL (Bruce Malmuth)
mochten

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