GLORIOUS MOMENT – A WOMAN’S ROLL (Haresugata onna emaki)

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Japan 1971
Regie: Isao Hayashi
Drehbuch: Jiro Niizeki
Produzent: Ryoji Ito
Kamera: Kurataro Takamura
Musik: Taichi Tsukimizato
Darsteller: Setsuko Ogawa, Hiroshi Gojo, Hiroyuki Mikawa
69 min

Geisha zwischen Bauer und Fürst

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Über 200 der 850 Roman Porno sind in Japan auf DVD erschienen, viele waren zuvor schon auf VHS erhältlich. Im Zuge von Video on Demand (VOD) kommen immer mehr Veröffentlichungen hinzu, sodass etwa über die Hälfte aller Roman Porno bisher erhältlich sein sollte. Die Kriterien für eine Veröffentlichung damals wie heute sind mir nach wie vor unergründlich. GLORIOUS MOMENT – A WOMAN’S ROLL ist der übliche Schema-F-Bockmist, den Isao Hayashi immer verzapft und ist als DVD erschienen, während ein wahrer Klassiker wie RAPE AND DEATH OF A HOUSEWIFE nur als VHS und VOD dahinvegetiert.
Im Folgenden statt einer Kritik, die beim besten Willen nicht drei Zeilen überschreiten könnte, ein Erfahrungsbericht über das vorsätzliche Martyrium, einen Isao Hayashi-Roman Porno zu konsumieren – und dafür muss man kein einziges Wort Japanisch können:
Es fängt schon an vorm Einlegen der DVD – mit einem Zögern, weil Angst vor 08/15. Hoffentlich nicht über 70 Minuten. Deshalb auf der Rückseite des Covers nachgesehen und erstes Vorurteil bestätigt: Liegt mit 69 min genau in der Ultra-Norm von 65-70 min. Brav, das gilt es also zu überstehen.
Film fängt an mit dem üblichen Establisher eines Tempels anno dazumals (um 1900). Es folgt sogleich die klassische Erzählerstimme mit dem üblichen einleitenden Mist, wie das so war in der Zeit. Einzige Überraschung: Es ist eine Frauenstimme! Das verblüfft! Hayashi wird doch nicht Ambitionen kriegen? Aber vermutlich war einfach nur der Sprecher krank.
Hauptdarstellerin Setsuko Ogawa treibt sich mit Bauernlümmel ist gleich Freund auf Markt rum, ist noch Jungfrau und muss im Puff als Klampfe arbeiten. Auweia, kann mir den Rest schon denken. Das wird wieder was geben.
Schnitt in ein Freudenhaus. Ein hässlicher Typ lässt sich von Geishas harmlos verwöhnen, wirft aber natürlich kein Auge auf die Frauen, die da abhängen, sondern auf die Geisha in der Ecke, die rumtrommelt. Und das ist? Genau, alles klar, die ist bald fällig, ob sie will oder nicht. Im Zweifelsfall wird sie eher nicht wollen, da a) Typ ist hässlich (hört sich jetzt schlimm an, aber ein Typ, der in einem solchen Roman Porno optisch unansehnlich ist, muss Frauen mit Gewalt nehmen, altes Klischeegesetz) und b) Exploitationschraube für Opi muss angezogen werden. Hoffentlich wird gleich gefickt, dann kann ich vorspulen und hab mir fünf Minuten Geräkel und Gefummel gespart. Aber das Glück ist mir nicht hold.
Erst mal neue Szene: Palaver zwischen Augenwerfer und Puffchef. Augenwerfer will Setsuko abwerben für Fürst.
Setsuko sagt das ihrem Freund: Der findet das kacke. Ach?
Wieder zurück im Puff: Ah, jetzt: Setsuko muss Augenwerfer in Zweierkämmerlein bedienen. Laber-Rhabarber, er wird zudringlich, Vorspultaste (er will, sie nicht. Er reißt ihr Klamotten vom Leib, Vergewaltigung, Close-Up auf Setsukos leidende Miene, Cut).

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Außenszene: Setsuko sieht Freund beim Waschen am Fluss, hat Gewissensbisse. Gedankenblase, an Skepsismimik zu erkennen: „Sag ich das mit Vergewaltigung oder nicht?“ Macht sie natürlich nicht.
Jetzt im Haus des Fürsten. Hui, eine echte Lasterhölle. Da lecken direkt zwei Lesben aneinander rum. Fürst findet das so toll, dass er sich auch eine Geisha schnappt und die anbumst (gleich wieder Vorspultaste: Da machen jetzt also vier Leute rum, zuerst nebeneinander, dann miteinander. Da vier Leute, muss nach Adam Riese und der Sollerfüllung des Regisseurs jetzt mehr Filmzeit geopfert werden, logisch. Also wieder drei Minuten abgekürzt). Was haben wir gelernt? Das wird Setsukos Zukunft werden.
Zurück in Setsukos Puff. Nächste Sexszenen (Plural) mit Augenwerfer und Setsuko. Mädel muss ja für Fürst vorbereitet werden. Vorherige Vergewaltigung ist wohl überwunden, jetzt macht sie bereitwillig mit.
Dann wieder Szene Setsuko-Lümmelfreund. Unstimmigkeit zwischen Beiden. Er will nach wie vor nicht, dass sie zum Fürsten geht, Beschwichtigung. Folge: erste Sexszene mit Freund (Vorspultaste, nur eine Minute).
Lümmel geht zu Augenwerfer, will diesem Setsukos Verscherbelung abschwatzen. Augenwerfer holt zwei Geishas (Vorspultaste: eine haut dem Bauernlümmel direkt die Titten ins Gesicht. Der Rest das Übliche. Zuerst sträubt er sich, dann machts ihm Spaß. Zwei Minuten). Jetzt ist er wohl korrumpiert. Wie mags jetzt wohl weitergehen? Das denke ich zuerst, aber nein! Komplette Hirnverschwendung, denn dann müsste der Film jetzt eine Wendung nehmen. Alles, bloß das nicht! Also eher Quotenlogikloch: Die Szene hatte nur den Zweck, dass zwei Frauen am Bauern rumfummeln, eine Auswirkung auf die Geschichte gibt es nicht.
Bauer verspielt sein ganzes Geld in der nächsten Szene, besäuft sich (auch das Klischee muss rein). Jetzt ist auch er dafür, dass Setsuko zum Fürsten geht. Tolle Wurst!
Ein Blick auf die Laufzeit: Horror, gerade mal Halbzeit.
Ich kürz jetzt ab: Das geht also so weiter. Sie tanzt beim Fürst an. Fürst verknallt sich in Setsuko und haut sie vorm ersten Mal mit Rohrstock (Das ist wirklich unüblich, denn solche Szenen gibts bei Hayashi-Schnarchern eigentlich nicht. Da hat wohl ein Jungproduzent angemahnt: Haue muss rein, das vermehrt das Publikum!). Setsuko entdeckt die Lust mit ihm (noch mal Sexszene). Bauernlümmel heiratet aus Gram eine andere (Sexszene Lümmel-Braut). Setsuko gibt Bauernlümmel Abschiedsfick (auch das muss sein: „Eigentlich lieb ich ja dich, aber du weißt ja, wie es ist. Ich Arme“ oder so). Dann Erzählerinstimme: „So kanns gehen blabla.“. Weichzeichner-Bumsszene Setsuko-Fürst. Ende.
Und hier die drei Zeilen: Was für ein Scheißdreck! Sieht ganz gut aus, ist aber unglaublich beliebig inszeniert. Kamerafahrten Pustekuchen, sondern aufgelöst wie ein Fernsehfilm: Totale, Halbnahe, Schuss-Gegenschuss, Details. Unerwartet viele Sexszenen, also Soll-Übererfüllung. Inhalt minus.
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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 4+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
DER JÄGER VON FALL (Harald Reinl)
DAS SCHWEIGEN IM WALDE (Alfred Vohrer)
WALDRAUSCH (Horst Hächler)
mochten.

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