CALL OF THE PISTIL (Kashin no sasoi)

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Japan 1971
Regie: Masaru Konuma
Drehbuch: Fuyuhiko Hagi
Produzent: Kei Ijichi
Kamera: Shohei Ando
Musik: Tsukimizato Taichi
Darsteller: Keiko Maki, Hajime Mitamura, Tatsuya Hamaguchi
66 min

Dubioser Mumpitz um Vergewaltigung als Therapie

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Schlechte Werbung ist auch Werbung und manchmal gibt es Filme, die sollten besser für eine Besprechung ignoriert werden. Aber wenn sich jemand vorgenommen hat, das Roman Porno Genre chronologisch zu durchleuchten, wäre Ignoranz auch Selbstzensur, deshalb:
Nachdem das dritte Roman Porno Double Feature einen kurzen Abstecher in den Bereich des sog. Sweden Porno machte (beide Filme wurden von dem Schweden Christer Holmgren gedreht, ansonsten sind wohl jegliche Informationen darüber in den Untiefen der Filmgeschichte verloren gegangen), konnte das nächste Double Feature mit dem Debüt von Masaru Konuma, dem späteren SM-Guru des Roman Porno, aufwarten. Und der haute gleich in die Vollen. CALL OF THE PISTIL war das erste Vorzeigebeispiel für das extrem zweifelhafte Frauenbild und die Verharmlosung sexueller Gewalt bei Roman Porno.
Masako ist gerade mit ihrem Mann in eine neue Bude gezogen. Der Einzug soll mit Beischlaf gefeiert werden. Doch Masako ist frigide. Das freut den Mann nicht. Als Masako von einem Dreiergrüppchen postpubertärer Jungs auf einem Schrottplatz vergewaltigt wird, vermuten ihr Ehemann und ihr Bruder aufgrund ihrer geringen Schockreaktion, dass da wohl eine ähnliche Erfahrung Masakos Frigidität verursachte. Die Samariter mit dem Herz am seltsamen Fleck organisieren also ein paar Vergewaltiger und wollen testen, ob sie während des unfreiwilligen Aktes aufblüht. Bringt aber nix. Auch auf einer Swingerparty ist ihr Vergnügen ebenfalls zweifelhaft. Irgendwann erfährt man doch den Grund für Masakos Trauma: Sie wurde von einem schwarzen Besatzer-G.I. vergewaltigt. Deshalb wird noch ein solcher organisiert, um noch die 62. Vergewaltigung im Film unterzubringen. Schwups ist Masako geheilt und kann jetzt auch wieder mit ihrem Ehemann.

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CALL OF THE PISTIL ist der Stoff, auf den weltweit Zensurscheren warten. Doch nicht so in Japan: Von manch japanischem Kritiker wurde der ästhetische Wert des Filmchens gelobt, was leider nicht zu bestreiten ist. Konuma schmiert dem Publikum wirklich gekonnt sauber ausgeleuchtete und kadrierte CS-Bilder in die Augen, doch, Roman Porno-Fan hin oder her, sogar mir fällt es schwer, einen Mehrwert aus solchem Unfug zu ziehen.
So sehr ich asiatisches Kasperle-Theater in angemessenem Rahmen und auch die Fokussierung auf Gewaltszenen befürworten kann, ist der Comedy-Faktor, also das absolut unerträglich dilettantische Grimassieren der Dreiergruppe um die drei Bubis, die Masako das erste Mal im Film missbrauchen, sehr befremdlich. Gepaart mit dem Exploitationgehalt der Gewaltinszenierung ist der Film somit das Beispiel, das einem Japan-Skeptiker gerade nicht gezeigt werden sollte, denn hier wird bis ins Äußerste jegliches Vorurteil diesem Volk gegenüber bedient. Konumas Oberstübchen wollte vielleicht die Widerwärtigkeit des Aktes auflockern, erreicht aber das Gegenteil: Das Schmierentheater mindert nicht, es verstärkt. Natürlich weiß ich auch, dass ein gewisses Klientel (die Leute, die z.B. keine Identifikationsprobleme mit der Anfangsszene von Almodovars MATADOR haben) jetzt erst recht nach dem Film gelüstet und schon ist da genau der Markt, auf den Roman Porno abzielte. Was in Japan funktionierte, funktioniert auch Jahrzehnte später im Zuge der langsamen internationalen Verbreitung dieses Genres. Wo Nachfrage, da Angebot. Und umgekehrt.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 30:70

Schulnote: 5

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
WOMAN IN A BOX (Masaru Konuma)
ATTACKED! (Yasuharu Hasebe)
ZOOM IN: RAPE APARTMENTS (Naosuke Kurosawa)
mochten.

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