ASSA (Acca)

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Sowjetunion 1987
Regie: Sergei Solowjow
Drehbuch: Sergei Solowjow, Sergei Liwnew
Produzent: Mosfilm
Kamera: Pawel Lebeshew
Musik: Boris Grebenschtschikow
Darsteller: Tatiana Drubich, Sergei Bugayew, Stanislaw Goworukhin
144 min

Solowjows Perestroika-Trilogie Teil 1: Alt vs. Neu

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Über ASSA zu schreiben heißt fast: Eulen nach Athen tragen. Visionär Sergei Solowjow hat damit den Kultfilm von Glasnost geschaffen. Das Schlusslied „Chotschu peremen“ („Ich will Veränderungen“) von der Band „Kino“ wurde zur Hymne von Perestroika.
ASSA ist ein filmisches Sammelsurium aus Trivial- und intellektuellen Stilelementen: Sozialismuskritik, Melodram, Protestmusik, Kitsch, Geschichtsunterricht und Reminiszenzen an amerikanische Gangsterfilme werden von Solowjow in zweieinhalb Stunden zur sog. SozArt zusammengematscht. Auch die Premiere im Moskauer Udarnik-Kino sollte ein interdisziplinäres Kunst-Spektakel werden: eine Modeschau, diverse Kunstausstellungen, Live-Auftritte der Bands Aquarium, Kino und Pop-Mechanics und schließlich der Film. Alles war organisiert, nur dass am Premierentag der Theaterbesitzer plötzlich angeblich um die Einsturzgefahr seines Kinos bangte, sodass das komplette Happening abgesagt wurde.
Der Film spielt 1980: In einem Hotel in Jalta hat der Mafia-Pate Krymow ein Zimmer gebucht, zusammen mit seiner wesentlich jüngeren Geliebten Alika, die auch seine Krankenschwester ist. Da Alika einen Tag vor Krymow und der Buchung ankommt, muss sie die Nacht davor privat unterkommen und lernt dabei den jungen Rockmusiker Bananan kennen, der sie in die gerade aufblühende Protestkultur einführt. Alika und Bananan verlieben sich. Als Krymow davon erfährt, gibt er Bananan die Chance zu verschwinden. Doch der weigert sich. Krymow lässt ihn ermorden und teilt dies auch Alita mit, die wiederum ihn ermordet.
Soviel zum Haupthandlungsstrang: Dazwischen sind Aufnahmen von Livekonzerten damals angesagter Bands eingestreut, experimentelle Traumsequenzen von Bananan, die filmische Darstellung eines Buchs über die Ermordung des Zaren Paul I., das Krymow gerade liest, ein ungemütlicher Gefängnisaufenthalt Bananans wegen eines Ohrrings und noch eine Nebenhandlung um den Diebstahl einer Geige.
Jenseits all dieser Schichten stehen das winterliche Seebad Jalta und der Pate für die Zeit der Stagnation und Korruption unter Breschnew, Bananan und seine Rebellen-Musiker für die neue Aufbruchstimmung.

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Von vielen Seiten wird dem Film vorgeworfen, ein überholtes Zeitdokument zu sein, was insofern völliger Quatsch ist, da natürlich auch ROCK AROUND THE CLOCK von Bill Haley völlig überholt, aber als Klassiker gilt. Und genau so muss sich dem Film angenähert werden.
Solowjow war mit 42 Jahren und nach neun Filmen (der erste davon 1969) zwar Sympathisant, aber kein junger Rebell mehr, als er mit ASSA seine Perestroika-Trilogie begann. Der konnte also wirklich diverse Lieder über der Zeit der Stagnation singen. Aber so richtig abschütteln konnte er sie nicht. Ich bezweifle stark, dass das jugendliche Zielpublikum z.B. etwas mit dem Subplot über den Zaren anfangen konnte. Die Traumsequenzen sind in sich nette Experimentalausbrüche, doch eine wirkliche Vermischung von rebellischem Zeitgeist und Sowjet-Erzählstruktur, selbst wenn das Lineare gebrochen wird, will nicht funktionieren. Da wollte jemand in einem Generalschlag alles verbinden, hat es aber nur nebeneinandergestellt. Nichtsdestotrotz liebe ich den Film, nicht nur für die wunderbaren 80er-Frisuren und Klamotten, vor allem für die triste Stimmung der Jalta-Außenszenen und weil wirklich an allen Ecken und Enden auch heute noch zu spüren ist, dass da was Gewaltiges in der Luft lag.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 70:30

Schulnote: 1-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
DIE SCHWARZE ROSE IST DAS EMBLEM DES BEDAUERNS, DIE ROTE ROSE DAS EMBLEM DER LIEBE (Sergei Solowjow)
DAS HAUS UNTER DEM STERNENHIMMEL (Sergei Solowjow)
ASSA 2 (Sergei Solowjow)
mochten.

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