ASSA 2 ODER DER ZWEITE TOD DER ANNA KARENINA (2-Assa-2, ili wtoraja smert Anny Kareninoj)

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Russland 2006-2008
Regie, Drehbuch: Sergei Solowjow
Produzent: Sergei Solovyov, Oleg Urushew
Musik: Sergei Schnurow, Henri Lolashvili
Kamera: Yuri Klimenko
Darsteller: Tatiana Drubich, Anna Solowjow-Drubich, Yuri Basmet, Ekaterina Volkova
120 min

Solowjows Perestroika-Trilogie (Epilog): Katerfrühstück

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Es ist immer Skepsis angebracht, wenn von einem Kultfilm eine Fortsetzung gedreht wird, selbst wenn das wie bei ASSA 2 zwanzig Jahre später passiert. Solowjows Ansatz ist aber nicht einmal uninteressant. Er versammelt fast seinen kompletten Cast aus dem ersten Teil und zeigt, was 20 Jahre später aus dem Figuren geworden wäre, im real existierenden Russland. Haben sich die Träume von Veränderung verwirklicht? Zusätzlich zu mehreren Erzählebenen werden in Parallelmontagen auch Szenen aus dem ersten Teil eingefügt, wenn z.B. Alika noch einmal im Sommer 2008 Jalta aufsucht. Und auch eine Meta-Meta-Ebene ist noch wichtig. Solowjow hatte 14 Jahre darauf hingearbeitet seine Version von ANNA KARENINA zu drehen. Auch dieser Film wurde 2008 endlich verwirklicht, größtenteils mit dem Cast aus ASSA 2, in dem es u.a. auch um die Dreharbeiten von ANNA KARENINA geht.
In ASSA 2 ist also einiges los, und ich hoffe, das hier einigermaßen sinnvoll zu rekapitulieren.
Alika musste wegen ihrem Mord an Krymow ins Gefängnis, wurde aber in ihrer Knast-Theatergruppe von dem exzentrischen Regisseur Peter (übrigens nicht Solowjow selbst, sondern der bekannte Schauspieler Sergey Makovetskiy) entdeckt, der die Hauptrolle für eine ANNA KARENINA-Verfilmung gesucht hat. Krymows Tochter ist in Papas Fußstapfen getreten und steuert als Mafia-Patin von Italien aus diverse Geldwäschen, zu denen u.a. die Produktion des Karenina-Films gehört.
Alika wird bei einem nostalgischen Jalta-Besuch von der Mafia beobachtet. Als sie ihren Beschatter in die Mangel nimmt, erfährt sie, dass ihre große Liebe Bananan nach seiner Ermordung als Organspender herhalten musste. Außerdem wurde sein Kopf von einem Mad Scientist am Leben gehalten und fristet jetzt in einem Keller auf dem Körper eines Anderen ein somnambules Zwischendasein. Probleme hat Alika auch noch mit ihrer Tochter, einer begnadeten Klavierspielerin, die sich als ihre Nebenbuhlerin um einen berühmten Geiger (Yuri Basmet) entpuppt. Das i-Tüpfelchen für Alikas Frust-Odyssee ist schließlich ein Treffen mit Krymows Witwe, die ihr Dasein in einer Irrenanstalt fristet. Alika wird die Summe der schrecklichen Erfahrungen zu viel, sodass sie sich während der Dreharbeiten vor einen Zug wirft und stirbt. Krymows Tochter ist nicht glücklich, dass ihr mit dem Tod der Hauptdarstellerin eine Geldanlage platzt und sie schickt zwei Killer los, die den Regisseur ermorden und Alikas Tochter die Hände verstümmeln. Der Film endet wieder mit einem Konzert, diesmal von Protest-Legende Sergei Schnurow und seiner Band „Leningrad“.

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SozArt Deluxe oder „Trash as Trash can“. Fast unglaublich, was Solowjow mit 64 Jahren noch mal alles aus seiner Camp-Tüte zaubert. Das ist alles so wunderbar an der Grenze zur Brutalo-Soap, dass einem schwindelig wird. Natürlich hat Solowjow auch wieder viel zu viel hineingepackt (u.a. lässt auch KILL BILL Vol.1 grüßen), als dass der ganze Film durchgehend unterhalten könnte, doch ein würdiger Nachfolger des Originals ist er inhaltlich auf jeden Fall. Leider ist ASSA 2 komplett digital gedreht und somit der filmische Look verschwunden, was vor allem im Vergleich zu den integrierten Passagen aus dem ersten Teil richtig ins Auge sticht.
Rockmusik ist immer noch ein wichtiger Faktor in ASSA 2, doch auch hier: Der Protestfaktor ist geschrumpft, die Künstler sind älter geworden, die Musik im Establishment angekommen. So kritisch hier auch geträllert wird, es hat nicht mehr den Charme einer aufbegehrenden Jugend. Aber eine gerade aktuelle Nachwuchsband zu glorifizieren oder zu hypen würde dem Credo des Films widersprechen, der ja eher DER GROSSE FRUST auf Russisch sein soll.
Ironischerweise wurde ASSA 2 „back to back“ zu ANNA KARENINA gedreht, um dem Nachwuchs mit der Film-Im-Film-Idee den klassischen Stoff näher zu bringen. Dass der Ansatz aufging, darf durchaus angezweifelt werden.
Denn, um noch einen drauf zusetzen: Die Resonanz hielt sich in Grenzen. ASSA 2 war lediglich als VoD erhältlich und noch nicht einmal eine DVD ist erschienen.
Die Erkenntnis nach dem Film ist somit in mehrfacher Hinsicht bitter: Trotz aller Qualitäten gibt es für Systemkritik innerhalb Russlands wenig Interesse. Die Korruption bleibt flächendeckend, rücksichtslos und brutal, sie ist nur internationaler geworden und sieht hübscher aus (also eine Scherbe ist Olesya Sudzilovskaya alias Fräulein Krymow nicht). Nach der Revolution hat sich das Volk dem Westen sehr schnell angepasst, denn jenseits von Aldi-Einkäufen passiert da nicht viel. Das scheint von dem „Ich will Veränderungen“-Gebrüll übrig geblieben zu sein.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 2-

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
ASSA (Sergei Solowjow)
DIE SCHWARZE ROSE IST DAS EMBLEM DES BEDAUERNS, DIE ROTE ROSE DAS EMBLEM DER LIEBE (Sergei Solowjow)
DAS HAUS UNTER DEM STERNENHIMMEL (Sergei Solowjow)
mochten.

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