VIRGIN BREAKER YUKI (Gyokuwarijin Yuki)

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Japan 1975
Regie: Yuji Makiguchi
Vorlage: Kosuke Miki, Tadashi Matsumori (Manga)
Drehbuch: Yozo Tanaka
Produzent: Keizo Mimura
Kamera: Sakuji Shiomi
Musik: Takeo Watanabe
Darsteller: Masumi Jun, Takuzo Kawatani, Yuki Morisaki, Ryuichi Nagashima
64 min

Sex, Folter und Revoluzzer in einem Ero Guro Deluxe

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Ausgerechnet bei der Konkurrenz Toei bekam Masumi Jun, eine der hübschesten Schauspielerinnen des Roman Porno, nach kläglichen Nebenrollen bei Nikkatsu endlich ihre wohlverdiente Hauptrolle in VIRGIN BREAKER YUKI. Denn auch Toei lieferte mit ihren Pinky Violence Filmen durchaus anspruchsvollen Schund in den 70ern ab. Die bekanntesten Vertreter sind Teruo Ishii oder Noribumi Suzuki. Unbekannter sind da leider noch Makoto Naito oder Yuji Makiguchi. Bei beiden Regisseuren ging es in ihren Genremischungen oft noch gröber zur Sache als bei den Koryphäen. Vor allem Makiguchis erster Yuki-Film mit seiner Laufzeit von nur knapp über einer Stunde platzt aus allen Nähten (in Sachen Ultra-Ero-Guro hat er sich danach nur noch in TORN PRIESTESS übertroffen). Er erschien in einer Zeit, als die Ero Guro-Welle schon längst abgelöst wurde von anderen Trends. Was gerade in Japan aktuell war, kann da grob in Teruo Ishiis Filmografie nachvollzogen werden: Von Ero Guro (1968-72) über Girl Gangs (1971-73) und Karate (1973-75) bis zu Motorradgangs (1974-76).
Makiguchi kondensierte in VIRGIN BREAKER YUKI die Old School des Pinky Violence. Wären T.Ishii und N.Suzuki Getränke, die auf den Boden geschüttet wurden, hätte sie Makiguchi aufgewischt und den Sud in seinen Filmeimer gewrungen.
Doch als Erstes der Wermutstropfen: Die Qualität jedes einzelnen Noribumi Suzuki-Films wurde schon durch Kasperle-Acting extrem herabgestuft, bei Makiguchi ist das leider noch schlimmer. Besonders anstrengend ist ein Knallcharge, den Yuki seiner Männlichkeit beraubt hat und der jetzt als rachsüchtiger Obdachloser schlimmere Grimassen als Jim Carrey zieht. Schade, denn ansonsten glänzt das Paket mit größtenteils liebevoll komponierten Cinemascope-Gemälden und essenziellen Sex- und Gewaltexzessen. Diese Komponenten können absolut an den besseren Momenten eines Ishii oder Suzuki gemessen werden. Wäre da nicht auch noch eine nicht unbeträchtliche Menge an Klischeegeschichten in der Rumpel-Stunde untergebracht, könnte der Film auch als Trailer-Reel durchgehen: Die Erzählgeschwindigkeit hat mich bisweilen an den Asia-Spy-Klassiker TEMPTRESS OF A 1000 FACES (1969) erinnert.

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Der Begriff „Tamawari“ beschreibt Frauen, die für eine Art Sklavenmarkt Jungfrauen für ihr Bordell gefügig machen: Yuki sagt selbst über ihren Beruf, das seien „Frauen, die eigentlich keine Frauen mehr sind“, weil sie selbst keine Lust mehr empfänden. Ihr wurde das schon in der Pubertät in die Wiege gelegt – durch den Bordellbesitzer, der Yuki unter dem erhängten Kadaver ihrer Mutter vergewaltigt hat.
Die Geschichte des Films ist eigentlich sehr simpel: In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts arbeitet Yuki in einem Bordell als Tamawari und verliebt sich in einen Anarchisten, der von der Polizei gejagt wird. Zweiter Handlungsstrang ist die Einführung einer Nachwuchsnutte in das Gewerbe, ihre Entführung durch die Anarchisten und ihr Stockholm-Syndrom. Neben ausgewalzten Sexszenen wird kastriert, ins Gesicht gerotzt und Jungfrauenblut geleckt, es werden Zehennägel abgezogen und versucht, diese als Liebesbeweis zu verfüttern. Es gibt einen Banküberfall, diverse Schießereien und Gemetzel sowie Pathos weit jenseits der Toleranzgrenze. Zum Schluss steht Yuki ganz allein da – mit ihrem Leid, durch einen Rebellen wieder ihr Frau sein entdeckt zu haben und ihren Beruf nicht mehr ausüben zu können.
P.S.: 1976 wurde mit VIRGIN BREAKER YUKI – THE WESTERN LICENSED QUARTER: YUZUKI HOUSE ein zweiter Teil gedreht, den ich eigentlich auch besprechen wollte. Obwohl die Crew tatsächlich komplett identisch ist, liefert das Filmchen Enttäuschungen auf allen Ebenen: Die Kamera ist einfallslos, die Geschichte ein Melodram, das Yuki zum Liebchen eines No-Sängers degradiert und der Nerv-Penner aus dem ersten Teil ist auch wieder dabei. Seiu Ito ist zwar „Gaststar“ und Masumi Jun ist nach wie vor schön anzusehen, aber es ist definitiv nicht empfehlenswert, deshalb eine Stunde Leben zu opfern.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 40:60

Schulnote: 2+

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
BOHACHI BUSHIDO (Teruo Ishii)
SEX AND FURY (Norifumi Suzuki)
TORN PRIESTESS (Yuji Makiguchi)
mochten.

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