ASSUAGE MY SORROWS (Utoli moya pechali)

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Sowjetunion 1989
Regie: Alexander Aleksandrov, Viktor Prokhorov
Drehbuch: Alexander Aleksandrov
Kamera: Yevgeni Korzhenkov
Musik: Alexei Rybnikov
Darsteller: Sergei Koltkakov, Elena Safonova, Svetlana Voronina
89 min

Lahmes Sozialdrama um den Werteverlust während Glasnost.

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Kann ein Film schlecht sein, dessen Schlusslied Jermaine Jacksons und Pia Zadoras „When the rain begins to fall“ ist? Leider ja. ASSUAGE MY SORROWS („Lindere meine Schmerzen“) fällt im berüchtigten Extrem-Downer-Dreigestirn gegenüber DER EHEMANN UND DIE TOCHTER VON TAMARA ALEKSANDROVNA und DOG’S FEAST ganz schön ab (Eigentlich wird er jetzt nur besprochen, weil er immer in einem Atemzug mit den anderen beiden Filmen genannt wird).
Boris hat seinen Job als Bulldozerfahrer gekündigt und muss sich jetzt, weil er auch noch in Scheidung lebt, eine neue Bude suchen. Um an eine neue Wohnung zu kommen, hat er auch kein Problem damit, ein altes Mütterchen aus einer Wohnung zu vertreiben, die da schon immer gewohnt hat. Er schmeißt sich sogar an die noch fast minderjährige Mitinteressentin Elya ran, die sich mit Hippie-Gesindel rumtreibt. Nach einem ersten sexuellen Stelldichein mit der neuen Liebe, beschließen die Beiden, die Wohnung zusammen zu nehmen. Zur Einweihungsparty kommt auch seine Ex-Frau Lyuba und ist nicht glücklich, ihren Mann an eine Jüngere verloren zu haben. Aber so drehen sich wohl die Räder im neuen Russland, wo jeder sehen muss, wo er bleibt. Film aus. Es folgt die Ratlosigkeit des Rezensenten im Jahre 2013, was eben irgendwo im Film Anstößiges hätte sein können.

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Das provokativste an dem Film ist wohl, dass Boris und Elya ohne moralische Skrupel unter einem Ikonenbild pimpern. Armes Mütterchen Russland, dem Nachwuchs ist aber nichts heilig, was ja auch der Filmtitel schon anmahnt: Den Verlust des religiösen Bezugs (Ich glaube, ungefähr zur selben Zeit hat Annie Sprinkle bei ihren Sex-Performance-Ritualen die Zuschauer mit einem Röhrchen in ihre Muschi schauen lassen). Vor allem stimmt nachdenklich, dass der Film nach DER EHEMANN UND DIE TOCHTER VON TAMARA ALEKSANDROVNA erschien und einige Zensurprobleme hatte. Ganze 43 Szenen sollten abgeändert werden, was natürlich nicht gemacht wurde. Zwei Beispiele, die deutlich veranschaulichen, auf welchem Planeten diverse Funktionäre wohnten (Elem Klimov löste übrigens als 1.Sekretär im Filmverband einen alten Knacker ab, der dort seit 1964 entschied, was dem Volk zugemutet werden könne): An der Sexszene zwischen Boris und Elya wurde nicht der Altersunterschied kritisiert, sondern, dass er dabei seine Socken anlässt. Auch wurde das Schlussbild eines tanzenden Betrunkenen angemahnt. Hallo, ein tanzender Besoffener in Russland? Wirklich weit hergeholt. Worauf ich hinaus will: Das mag ja alles den Puls der damaligen Zeit treffen, wirkt aber wie die Fernsehversion von DIE SCHWARZE ROSE IST DAS EMBLEM DES BEDAUERNS, DIE ROTE ROSE DAS EMBLEM DER LIEBE. Dem Regie-Duo Aleksandrov-Prokhorov fehlt ganz einfach die Vision eines Solowjow. Es ist offensichtlich, dass einiges zu verarbeiten und aufzuholen war, aber im Gegensatz zu z.B. KLEINE VERA und ASSA, die zwar auch sehr den 80er-Zeitgeist liebkosen, aber allgemeingültiger sind, ist ASSUAGE MY SORROWS einfach ein hoffnungslos veraltetes Zeitdokument und von daher schlichtweg fad.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 90:10

Schulnote: 5

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
RIFF-RAFF (Ken Loach)
ALL OR NOTHING (Mike Leigh)
DIE SCHWARZE ROSE IST DAS EMBLEM DES BEDAUERNS, DIE ROTE ROSE DAS EMBLEM DER LIEBE
(Sergei Solowjow)
mochten

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