BONDAGE (Hakkinbon „bijin ranbo“ yori: Semeru!)

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Japan 1977
Regie: Noboru Tanaka
Vorlage: Seiu Ito (Autobiografie)
Produzent: Yoshihiro Yuhki
Kamera: Masaru Mori
Musik: Jiro Takada
Darsteller: Hatsuo Yamaya, Junko Miyashita, Sumiko Minami
83 min

Erdrückende Studie einer zum Scheitern verurteilten großen Liebe.

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Noboru Tanaka, Tatsumi Kumashiro, Chusei Sone und Masaru Konuma waren im 18-jährigen Roman Porno-Universum die Vorzeige-Ästheten. Jeder ihrer Sexfilme sieht einfach verdammt gut aus und hatte dazu noch eine Geschichte zu erzählen.
Tanakas Lieblingsthemen waren die dunklen Seiten der Sexualität. Die Quintessenz an Form und Inhalt war hier seine Amour Fou-Trilogie, bestehend aus ABE SADA (1975), WATCHER IN THE ATTIC (1976) und BONDAGE. Alle drei Filme nahmen Bezug auf eine bekannte Persönlichkeit des Ero Guro, einer japanischen Kunstbewegung zwischen den beiden Weltkriegen, in denen sich Japan zwar kulturell Richtung Westen hin öffnete, diese Öffnung jedoch andererseits mit einem verstärkten Kolonialbestreben einherging.
BONDAGE handelt von Japans Bondage-Veteranen Seiu Ito (3.3.1882 – 28.1.1961) auf der Grundlage seiner autobiographischen Notizen. Ito beschloss schon mit 18 Jahren, Folter-Maler (Semega) zu werden. Er begann Fesselungs-Holzschnitte nach Fotovorlagen seiner Models zu machen und nannte diese Kinbaku. Ab 1908 studierte er zudem Hojojutsu, die Jahrhunderte alte Fesselkunst an Gefangenen. In den 20ern, der liberaleren Hälfte des Ero Guro, stellte er aus und wurde sogar in populären Magazinen besprochen, doch im Zuge der Kunstzensur ab den 30er Jahren verschwand sein Name in der Versenkung. Die Übersetzung des japanischen Filmtitels spricht da Bände: Aus dem verbotenen Buch: „Wilder Tanz einer Schönheit“: Folter!
Erst mit dem zunehmenden Erfolg von Erotik-Magazinen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Name in Japan bekannter. Mittlerweile gibt es mehrere Biografien über ihn sowie Kunstbücher seiner Werke, die bis heute jedoch nicht in eine andere Sprache übersetzt wurden.

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Tanakas Film ist keine Komplettbiografie. Was zunächst wie ein typischer Bondage-Roman Porno beginnt (Pipi und Folterinszenierungen als Einleitung vor dem Vorspann) mag für unbedarftere Gemüter krank und erniedrigend wirken, kratzt aber schon mal an, was einen erwartet: Itos manische Suche nach der Konservierung des perfekten Schmerzmoments. In seiner Frau scheint er dafür endlich das perfekte Model gefunden zu haben. Doch sie hat von ihrer Mutter eine Geschlechtskrankheit geerbt, die sie langsam wahnsinnig macht. Seine Liebe zu ihr und seine tragische Hilflosigkeit, Konditionierung und Therapie zu trennen, treiben ihn zu immer groteskeren Folterinszenierungen.
Kameramann Masuri Mori stellte dabei originalgetreu Fotografien nach, die Ito von seiner Frau und seinen Models anfertigen ließ, z.B. die berüchtigte stundenlange Folterinszenierung Itos eigener Frau im Schnee (1919).
Obwohl BONDAGE in Japan ähnlich erfolgreich war wie die anderen beiden Teile und ihm von Kritikern auch ein hoher ästhetischer Wert zugesprochen wurde, verschwand der düstere Trilogie-Abschluss schnell in der Versenkung.
Umso erstaunter war ich, als der Film ungekürzt nachts auf arte lief. Dass die Initiative dafür von den französischen arte-Verantwortlichen ausging, dürfte selbstverständlich sein. In Frankreich ist der Film auch als DVD erhältlich und die Ausstrahlung im deutschen Fernsehen erfolgte vermutlich nur, weil da wieder einer gepennt hat. Ich habe mich zumindest gefreut. Ob er jedoch dort noch einmal unzensiert wiederholt wird, wage ich zu bezweifeln.
reda

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Arthouse-Exploitation-Gewichtung 50:50

Schulnote: 1

Dieser Film beschert Menschen einen unterhaltsamen Abend, die
ABE SADA (Noboru Tanaka)
WATCHER IN THE ATTIC (Noboru Tanaka)
IM REICH DER SINNE (Nagisa Oshima)
mochten.

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